Sintflut, Besucherrekord und eine Beinahe-Baby-Premiere

Mit 78'000 Zuschauern verzeichnete das 31. Gurtenfestival einen Rekordansturm. Wegen eines Gewittersturms musste das Placebo-Konzert unterbrochen werden.

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Adrian Müller@mueller_adrian

Der heikelste Moment des Gurtenfestivals 2014 ereignete sich während des letzten Konzerts auf der Hauptbühne: Kurz vor 20 Uhr zog ein schwerer Gewittersturm über das Gelände. Sintflutartige Regenfälle und heftige Windböen zwangen die Headliner-Band Placebo in die Knie. Die britischen Alternativ-Rocker mussten ihr Konzert für 30 Minuten unterbrechen. Um weniger Angriffsfläche für den Wind zu bieten, wurden die zwei grossen Video-Screens heruntergelassen. Der Starkregen durchnässte das bedauernswerte Publikum innert Minuten bis auf die Knochen, über die Bodenplatten ergossen sich kleine Bäche.

Vom Gurtenfestival 2014 gibt es aber auch über erfreulichere Ereignisse zu berichten. Gezeugt worden sind hier bestimmt schon viele Babys. Dieses Jahr wäre nun erstmals beinahe ein Kind auf dem Hügel geboren worden. «Einer Besucherin ist auf dem Gelände die Fruchtblase geplatzt», sagte Meret Lehmann, Leitende Ärztin des Sanitätszeltes. Die Frau sei für eine «abenteuerliche» Geburt auf dem Gurten bereit gewesen. Auf Wunsch des Partners brachte man sie dann aber mit Gurtenbahn und Taxi ins Spital, wo sie wenig später ein Mädchen zur Welt brachte. «Nächstes Jahr stellen wir eine Hebamme ein», sagte Festivalchef Phi­llippe Cornu an der Abschluss-Medienkonferenz mit einem Augenzwinkern über die Beinahe-Premiere. Das Paar hat im ganzen Trubel vergessen, die Personalien anzugeben. «Die Eltern sollen sich unbedingt bei uns melden. Wir möchten dem Kind gerne einen rosa Pamir-Gehörschutz schenken.»

Rekord dank starkem Donnerstag

Cornu hatte nicht nur wegen des Babys allen Grund zum Strahlen: Mit 78'000 Zuschauern feierte das Gurtenfestival einen neuen Besucherrekord – trotz des regnerischen Sonntags. Je 20'000 Leute pilgerten von Freitag bis Sonntag auf den Hügel, am sonst traditionell eher schwachen Donnerstag zählte die Gurten-Crew 18'000 Zuschauer. Die bisherige Bestmarke lag bei 77'000 Besuchern im Jahr 2013.

Für Aufsehen sorgten am Freitagabend Pyro-Fackeln, die beim Prodigy-Konzert gezündet worden waren. «Für die Security war es nicht möglich, im dicht gedrängten Publikum einzugreifen», sagte Cornu. Auf dem Gurten-Zeltplatz wurden zudem von Unbekannten einige Iglu-Zelte aufgeschlitzt und ausgeräumt. «Die Zahl der Diebstähle ist nicht höher als in anderen Jahren», liessen die Festival-Verantwortlichen verlauten. Vergangene Woche sorgte der Abfallberg am Open Air Frauenfeld für Schlagzeilen. Auf dem Gurten sei dies schlicht «kein Thema», so Cornu mit Blick auf das Mehrwegkonzept und den eingeschränkten Camping-Bereich. «Pro Tag und Besucher fallen bei uns etwa 400 Gramm Abfall an.» Im Sanitätszelt wurden rund 1500 Personen behandelt, davon nur etwa 10 wegen eines Hitzeschlags.

Zahnspange im Fundbüro

Das Gurten-Fundbüro erlebte ebenfalls eine Premiere: «Aus dem Backstage-Bereich wurde uns eine Nachtspange gebracht», sagte eine Mitarbeiterin. Welchem Rockstar oder Angestellten sie gehört, ist bis zur Stunde nicht bekannt. Daneben wurden Dutzende Handys, Gopro-Kameras und Portmonnaies sowie ein Blutzuckermessgerät abgegeben.

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