«Sinnlos» oder «Riesenchance»?

Eine Velobrücke, eine Autobrücke oder gar keine Brücke? Die Meinungen zur Vision des Architekten Arpad Boa gehen auch im Stadtgespräch auseinander.

Von üben nach drüben: Beim Portal des Berner Neufeldtunnels befände sich der westliche Brückenkopf.

Von üben nach drüben: Beim Portal des Berner Neufeldtunnels befände sich der westliche Brückenkopf.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Christian Zellweger@@chzellweger

«Endlich die Idee zu einem grossen Wurf!» Der Leser Andreas Stalder ist begeistert von der Vision einer grossen Brücke vom Wyler ins Viererfeld. Es brauche einen «Kranz» von sich eigenständig entwickelnden Quartieren mit städtebaulich gut gestalteten Zentren rund um die Altstadt, findet er. Nur so könne sich Bern aus dem «engen mittelalterlichen Korsett» befreien und sich zu einer «funktionsfähigen, pulsierenden und vielfältigen Stadt» entwickeln. Damit könne die Altstadt als Weltkulturerbe «viel besser authentisch erhalten» werden, so Stalder.

Der Leser Martin Messerli findet eine Brücke nicht nur «sinnvoll, sondern notwendig». Eine «Autobrücke, welche auch für Velos nutzbar» sei, würde Bern einen «modernen und fortschrittlichen Touch» verleihen. Ebenfalls zu den Unterstützern der Vision gehört der Leser Sandro Botticelli. Er findet, Bern müsse zur Stadt werden, die sich «nicht nur rund um den Bahnhof dreht». Als Fortsetzung der Brücke – auf der laut Botticelli unbedingt Tempo 30 gelten müsste – stellt er sich einen «einladenden Boulevard mit Läden und Restaurants» im Viererfeld vor, «vielleicht gar eine Baumallee wie in Paris».

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Bern: «Kleines gemütliches Nest»

Nebst den Lesern, welche die Vision des Architekten Arpad Boa teilen, äussern sich im Stadtgespräch aber auch viele Skeptiker. Sie fürchten vor allem Mehrverkehr. So stellt Rolf Helbling die Grundsatzfrage: «Gibt es tatsächlich noch Leute, die unter Urbanität möglichst viel Autoverkehr im Quartier verstehen?» Man habe sich in der Länggasse lange für weniger Durchgangsverkehr eingesetzt und gar einen Tunnel erstellt. «Soll das alles für die Katz gewesen sein», fragt Helbling rhetorisch.

«Mir ist absolut unerklärlich, wieso ständig gebaut werden muss», schreibt Daniel Müller. Es müsse ein Umdenken stattfinden, «die meisten haben wohl das Gefühl, die Ressourcen seien unendlich verfügbar». Zusätzliche Brücken seien weder landschaftsbildlich sinnvoll noch nachhaltig.

Ebenfalls kritisch, wenn auch differenziert, betrachtet Hans Nydegger das Projekt: Verkehrstechnisch sei die Brücke als Verbindung zwischen Wyler und Länggasse sicher sinnvoll. Schade wäre es laut Nydegger um das Lorrainebad und die Jurastrasse, die nach dem Bau «überbrückt» wären, also im Schatten einer grossen Brücke lägen. «Muss Bern wirklich urban sein?», fragt er denn auch, und schreibt weiter: «Das Schöne an Bern ist, dass es ein ‹kleines gemütliches Nest› ist».

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