«Sehe in Bern keinen Handlungsbedarf»

In der Berner Altstadt gebe es nur 60 Objekte mit Airbnb-Wohnungen, sagt Professor Roland Schegg. Deshalb sieht er keinen riesigen Verlust an Erstwohnungen.

Einblick in ein kommerzielles Airbnb in der Berner Altstadt.

Einblick in ein kommerzielles Airbnb in der Berner Altstadt.

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Herr Schegg, was bedeuten die neuen Vorschriften in der Berner Altstadt konkret?
Es handelt sich um einen politisch motivierten Versuch, eine lebhafte Altstadt zu erhalten. Bezüglich der Vorschriften zur Gestaltung der Laubengeschosse stellt sich aber die Frage, ob sich das dadurch geschützte Kleingewerbe die Mieten auf Dauer noch leisten kann. Angesichts des Wachstums im Online-Handel haben auch grosse Anbieter Mühe, ihre Standorte zu halten.

Und was bedeuten die Vorschriften zur temporären Nutzung von Zweitwohnungen?
Da geht es primär darum, neue Airbnb-Nutzungen zu verhindern. In der Stadt Bern gibt es nach Angaben des Stadtplanungsamtes knapp 500 Objekte mit Airbnb-Wohnungen. Gemäss unseren Berechnungen vom Februar 2018 sind es knapp 600. Zehn Prozent davon sind in der Altstadt. Ich sehe da keinen riesigen Verlust an Erstwohnungen, zumal viele Objekte nicht gewerbsmässig vermietet werden.

Wie steht Bern im Vergleich mit anderen Städten da?
In Las Palmas gibt es ein paar Tausend Airbnb-Objekte. Das sind ganz andere Verhältnisse.

Dann ist die Regulierung in Bern übertrieben?
Sie hat wohl präventiven Charakter. Natürlich war das Wachstum an Airbnb-Wohnungen in den letzten fünf Jahren gross. Es gäbe aber Alternativen zu Einschränkungen: Der Kanton Waadt will von Airbnb-Anbietern eine Registrierung in einem spezifischen Register verlangen. Dadurch haben die Behörden den Überblick, und die Einhaltung von Vorschriften kann kontrolliert werden.

Welches Mass an Airbnb-Angeboten in Altstädten ist noch tragbar?
Man muss die Airbnb-Fläche in Bezug zum gesamten Wohnraum in der Altstadt setzen. Da sehe ich in Bern im Unterschied zu Genf zum Beispiel noch keinen grossen Handlungsbedarf. In Genf gibt es fast 3000 Objekte mit Airbnb-Wohnungen. Da ist in gewissen Quartieren die Schmerzgrenze erreicht.

Muss man der Sharing-Economy Grenzen setzen?
Da geht es um die Frage der gleich langen Spiesse. Sharing-Economy spielt oft im Graubereich. Die neuen Anbieter müssen sich nicht an die gleichen gesetzlichen Vorgaben halten wie die bisherigen Anbieter. Das ist aber vor allem in urbanen Regionen ein Problem. In den Bergen, wo es viele kalten Betten gibt, wirkt sich Airbnb eher positiv aus.

Wenn nicht Airbnb: Welches sind die Probleme von Altstädten?
Der Hauptfeind einer lebendigen Stadt ist E-Commerce. In den USA wird geprüft, Malls zu subventionieren. Alle wollen lebendige Städte – aber kaufen trotzdem vermehrt online ein. (Der Bund)

Erstellt: 16.05.2018, 16:47 Uhr

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