Schwitzen wie die Bauarbeiter

Am Eigerplatz sind die Bauarbeiter im Endspurt. Den Suva-Kleidervorschriften zum Trotz fallen die Hüllen der Männer während der ersten Hitzewelle des Jahres schnell mal.

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Kochender Asphalt, aufgewirbelter Staub, metallene Monster, die ihre Krallen in die Erde graben – was sich anhört wie der Abstieg in die Hölle, ist momentan die Szenerie am Berner Eigerplatz. Auf der Baustelle wird den ganzen Tag geschuftet, auch wenn die Temperaturen den Asphalt aufzulösen drohen. Wer Glück hat, arbeitet im Schatten der Häuser. Die andern schaufeln Sand an exponierter Stelle mit der sengenden Hitze im Nacken.

Ein Arbeiter in oranger Kleidung nimmt den Helm ab und leert sich mit einer PET-Flasche Wasser über den kurz geschorenen Schädel. Die Kopfbedeckung erhitzt den Körper nur noch mehr: «Der schützt gar nichts, sondern macht alles schlimmer», klagt der Mann und zeigt den Helm, in dem sich die Schweissperlen sammeln.

Weshalb die Männer bei 30 Grad lange Hosen, robuste Schuhe und Helme tragen, darauf gibt es eine kurze und knappe Antwort: weil es Vorschrift ist. Nicht jeder hält sich daran: behaarte Waden und braun gebrannte Bäuche werden eigenwillig der Sonne ausgesetzt. Falls das der Baufirma zu Ohren kommt, werde es wohl Reklamationen geben, sagt der Vorarbeiter. Also lieber etwas oben herum anziehen? Man hat jedenfalls die Wahl zwischen Sonnenbrand und durchgeschwitzten Kleidern.

Viele Warnungen von der Suva

Hitzeperioden beeinflussen Bauarbeiten immer, sagt Simon Bühler vom Stadtberner Tiefbauamt, Projektleiter der Eigerplatz-Sanierung. «Die Bauarbeiter sind schliesslich bei jedem Wetter draussen.» Für die jetzige Hitzeperiode, für die Meteo Schweiz am Dienstag eine Warnung herausgegeben hat, wurde jedoch vorgesorgt. «Im Moment arbeiten wir im Zweischichtbetrieb», so Bühler.

Entweder fangen die Arbeiter frühmorgens an und haben um 16 Uhr Feierabend, oder aber sie arbeiten in die Nacht hinein. «So ist niemand während der ganzen Schicht der Sonne ausgesetzt», so Bühler. Das werde jeweils mit der Unfallversicherung Suva abgesprochen.

Ohnehin gibt die Bauunternehmung vor Ort eine ganze Reihe von Hinweisen für Hitzeperioden: Köpfe müssen vor der Sonne geschützt werden, ein Wasserschlauch zur Abkühlung steht bereit, und die Kollegen müssen im Auge behalten werden, falls ein Sonnenstich droht. «Den Bauarbeitern wird natürlich Wasser zur Verfügung gestellt», ergänzt Bühler. Auch die ungeliebten langen Hosen gehen letztlich auf Sicherheitshinweise der Suva zurück, denn darauf prangen die vorgeschriebenen reflektierenden Streifen.

Terminplan bleibt eng

Bis jetzt habe noch keiner einen Hitzeschlag erlitten, gibt indessen auf der Baustelle der Vorarbeiter Entwarnung. Allerdings habe einer seiner Arbeiter Herzprobleme. Den schicke er öfter in die Pause in den Schatten oder zum Abkühlen mit dem Schlauch. Aber nicht nur erhitzte Köpfe brauchen eine Abkühlung: Damit der neue, ausgewalzte Asphalt ein wenig schneller abkühlt, wird die schwarze Masse mit dem Wasserschlauch abgespritzt. Die ganze Baustelle scheint sich unter der herrschenden Hitze viel träger zu bewegen als sonst.

Doch die Arbeiten sind auf Kurs, sagt Projektleiter Bühler, auch wenn der Terminplan «nach wie vor eng» sei. Für den Verkehr ist die Situation entspannter als auch schon: Nur die Seftigenstrasse ist aktuell für Autos noch gesperrt. Hauptsächlich ausgeführt werden laut Bühler zurzeit noch Werkleitungs- und Strassenbauarbeiten bei der Eiger- und Seftigenstrasse.

Am 14. August wird die Baustelle dann für den Tramverkehr freigegeben. «Grundsätzlich kann der Verkehr dann über den neu organisierten Eigerplatz fahren», sagt Bühler, weitere Arbeiten würden nur noch lokal an einzelnen Stellen zu Beeinträchtigungen führen. Offiziell eröffnet wird der fertig sanierte Eigerplatz dann am 10. September. Für die Bauarbeiter dürfte ihr Job aber schon vorher etwas weniger schweisstreibend werden: Laut Meteo Schweiz sollte die Hitzewelle bis Ende Woche vorbei sein.

Der Bund

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