Schweizer Kulturgut als Integrationsmittel

Mit einer traditionellen Treichlete lancierte das Hilfswerk Heks seine neue Kampagne. Via Jodel- und Schwinger-Workshop soll der Austausch zwischen Schweizern und Flüchtlingen gefördert werden.

Der Fahnenschwinger Godi Tschanz schwingt die Fahne der Heks-Kampagne.
Naomi Jones

«Wer ein Land kennen lernen will, sollte bei der Kultur und Tradition beginnen.» Dies sagte am Montagvormittag die junge Syrerin Yaman Alharash vor den versammelten Medien auf dem Waisenhausplatz. Sie ist vor fünf Jahren in die Schweiz geflüchtet. Am Anfang habe sie sich hier nicht wohlgefühlt. Alles sei fremd gewesen, sie habe niemanden gekannt. Bis sie «eine sehr liebe Frau» kennen gelernt habe. Diese habe sich um sie gekümmert und sei eine Freundin geworden. Heute kennt Alharash viele Schweizer und Schweizerinnen und engagiert sich freiwillig. «Begegnungen und Freundschaft sind sehr wichtig für die Integration.»

Das ist auch das Thema der neuen Kampagne des Hilfswerkes Heks. Dieses lädt 16 Flüchtlinge zusammen mit Schweizer Promis wie Greis oder Pascale Bruderer zu Workshops in traditionellem Schweizer Kulturgut ein: Jodeln, Schwingen, Alphornblasen und Fahnenschwingen. Was sie gelernt haben, zeigen sie am internationalen Flüchtlingstag im Juni auf dem Berner Bahnhofplatz. Um eine Kostprobe zu geben, hat das Heks auf dem Waisenhausplatz kurzerhand eine Treichlete mit Flüchtlingen, Mitarbeitern, Künstlern und Politikern organisiert.

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Flüchtlinge sind motiviert, aber scheu

Den kurzen Umzug führte ein urchiger Fahnenschwinger an. Die Fahnenschwingervereinigung Region Bern führt einen der Workshops durch. Ein erstes Training zusammen mit vier Flüchtlingen habe bereits stattgefunden, sagt der Obmann der Vereinigung, Peter von Allmen. Die vier Neulinge seien sehr motiviert gewesen und hätten nach eineinhalb Stunden bereits erste Ansätze des Fahnenschwingens gelernt. Zu einem regen Austausch zwischen den Flüchtlingen und den Schweizern sei es allerdings noch nicht gekommen. «Sie waren scheu und blieben in der Pause unter sich», erzählt von Allmen. Aber er ist zuversichtlich, dass sowohl die Flüchtlinge als auch die Schweizer bei den nächsten beiden Trainings auftauen werden.

Gleichzeitig mit der Kampagne lancierte das Heks die Online-Plattform engagiert.jetzt. Organisationen und Menschen mit einer guten Idee können hier ihr Integrationsprojekt ausschreiben und Freiwillige suchen. Wer sich unentgeltlich im Flüchtlingsbereich engagieren möchte, kann hier ein passendes Projekt in der Nähe suchen.

Farbige Bändel für das Hangelenk

Mit der Kampagne unter dem Titel «Farbe bekennen» fordert das Heks Interessierte dazu auf, einen farbigen Bändel ums Handgelenk zu tragen oder eine Fahne an den Balkon zu hängen. Die Kampagne soll für Menschen auf der Flucht sensibilisieren und zur Solidarität mit ihnen aufrufen.

Und was hat es mit der Treichlete auf sich? Sie ist ein Brauch, der um die Neujahrs- und Fasnachtszeit vor allem im nördlichen Alpenraum gepflegt wird. Der Umzug mit den grossen Kuhglocken soll in den langen Nächten die Wintergeister vertreiben.

DerBund.ch/Newsnet

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