Schulzahnklinik gerät in Schieflage

Ein mutmasslicher Mobbingfall im Schulzahnmedizinischen Dienst der Stadt Bern führt zu einer Abwanderung von Patienten.

Die städtische Schulzahnklinik an der Rodtmattstrasse in Bern ist seit jeher ein Zuschussbetrieb.

Die städtische Schulzahnklinik an der Rodtmattstrasse in Bern ist seit jeher ein Zuschussbetrieb.

(Bild: Valérie Chételat)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

War es Mobbing? Von Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) gibt es hierzu nur allgemeine Aussagen zu hören: «Die Direktion toleriert Mobbing nicht und ging respektive geht entsprechenden Vorwürfen und Hinweisen nach», lässt die landesabwesende Sozialdirektorin in einer schriftlichen Stellungnahme ausrichten. Fakt ist, dass es im Rahmen einer personalrechtlichen Beschwerde gegen Ingo Ziswiler, Leiter der Schulzahnklinik, zu einer Vereinbarung gekommen ist. Diese könnte die Stadt teuer zu stehen kommen.

Patienten werden abgeworben

In der Beschwerde ging es mutmasslich um Mobbing seitens des Klinikleiters. Gemeinderätin Teuscher hatte für entsprechende Klagen der Betroffenen aber wenig Gehör und unterzeichnete schliesslich eine Entlassungsankündigung. Aus der angedrohten Entlassung ist eine Auflösungsvereinbarung «in gegenseitigem Einvernehmen» geworden. Zu deren Inhalt kann Teuscher nicht Stellung nehmen, da die Vereinbarung vertraulich ist. Sie bestätigt aber, dass die erwähnte personalrechtliche Beschwerde beim Statthalter mittlerweile zurückgezogen worden sei.

Im «Gegenzug» wurde es der Beschwerdeführerin offenbar erlaubt, ihren Patientenstamm in die Selbstständigkeit zu transferieren. Dem Vernehmen nach soll es um eine dreistellige Zahl von Patienten gehen, was bei einem Zuschussbetrieb mit einem Jahresumsatz von etwas über vier Millionen Franken kein Pappenstiel ist. Der «Bund» hat Kenntnis davon, dass Patienten schriftlich eingeladen wurden, in die private Zahnarztpraxis zu wechseln. Teuscher nimmt auf die Frage nach der Höhe des Patientenverlustes und nach den dadurch verursachten Kosten nicht konkret Stellung. Sie hält lediglich allgemein fest, dass die Vereinbarung «wenig zusätzliche Kosten» mit sich bringe.

Streit um ein Abgangszeugnis

Die mutmassliche Mobbing-Geschichte ist nicht die einzige personalrechtliche Auseinandersetzung in der Schulzahnklinik. Die Gewerkschaft VPOD hatte letzten Herbst «Einzelfälle» bestätigt, in denen sie in Konflikten zwischen der Klinikleitung und Angestellten involviert war. «Wir konnten alle Differenzen klären», sagt Regionalsekretär Michel Berger heute.

Nach Angaben der Sozialdirektion gibt es im Schulzahnmedizinischen Dienst aber noch «einen weiteren Fall» im Zusammenhang mit einem Arbeitszeugnis. Es handle sich aber um einen Einzelfall. Das Verfahren sei nach wie vor hängig.

Klinikleiter reicht Anzeige ein

Klinikleiter Ziswiler ist seinerseits ebenfalls in die Offensive gegangen. Er hat Anzeige gegen unbekannt eingereicht, bestätigt Teuscher. Dies sei aufgrund «anonymer und pseudonymer Schreiben und Mails» geschehen, die sich gegen seine Person gerichtet hätten und an verschiedene Personen adressiert gewesen seien. Dieses Verfahren sei ebenfalls noch hängig.

Die durch die personalrechtlichen Querelen bewirkten Abgänge liegen laut Teuscher immer noch im Rahmen. Seit dem Amtsantritt von Klinikleiter Ziswiler Anfang 2014 habe es bezüglich Absenzen und Fluktuationen keine Auffälligkeiten gegeben. «Die Personalfluktuation ist ungefähr gleich geblieben», hält Teuscher fest. Diese Aussagen stehen in eigentümlichem Kontrast zu den Angaben der Sozialdirektion im Finanzplan für die Jahre 2016 bis 2019: «Häufiger Personalwechsel hat in der Vergangenheit zu nicht unerheblichen Einnahmeausfällen geführt», steht da unter dem Stichwort «Entwicklungstendenzen» zu lesen. Insbesondere bei den Zahnärzten sei die Fluktuationsrate «relativ hoch».

Stadt prüft Fusion mit Uni-Klinik

Mehrkosten durch personalrechtliche Auseinandersetzungen kann sich die Klinik eigentlich nicht leisten. In den Rechnungen der letzten Jahre und im Finanzplan rechnet die Stadt mit Kostendeckungsgraden von 85 bis 90 Prozent. In einer Klinikinformation im August gab Klinikleiter Ziswiler die Fusion mit den universitären Zahnkliniken bekannt. Sozialdirektorin Teuscher relativierte diese Aussage umgehend: Der Gemeinderat habe lediglich den Auftrag erteilt, eine «engere Zusammenarbeit» mit der Zahnklinik der Universität zu prüfen.

Der Bund

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