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Schützenmatte: «Man muss es heute anpacken»

Die Projektbeiträge des Schindler Award zur Schützenmatte seien eine Chance, um die Neugestaltung des Perimeters endlich an die Hand zu nehmen, sagt Matthias Kuhn, Präsident der Stiftung Progr.

So könnte die Schützenmatte aussehen: Das Siegerprojekt.
So könnte die Schützenmatte aussehen: Das Siegerprojekt.
zvg (Bund-Grafik apa)
Das Projekt «Bridging Barriers», ebenfalls aus Berlin, landete auf Rang 2. Es sieht vor, dass der Eisenbahnviadukt vom Boden her aufgefüllt und die neu entstandenen Räume genutzt werden.
Das Projekt «Bridging Barriers», ebenfalls aus Berlin, landete auf Rang 2. Es sieht vor, dass der Eisenbahnviadukt vom Boden her aufgefüllt und die neu entstandenen Räume genutzt werden.
zvg
Eine Gebäudeidee des Siegerprojekts: Das Kulturzentrum mit einem «City Window» am Ort der heutigen Schützenmattstrasse.
Eine Gebäudeidee des Siegerprojekts: Das Kulturzentrum mit einem «City Window» am Ort der heutigen Schützenmattstrasse.
zvg
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Herr Kuhn, warum sind die Projekte des Schindler Award für die Entwicklung des Raumes Schützenmatte/Bollwerk eine Chance?

Matthias Kuhn: Das Entwicklungspotenzial der sogenannten Neustadt – des Raums zwischen Bahnhof, Bollwerk und Waisenhausplatz – ist bisher ungenutzt. Die Projektbeiträge des diesjährigen Schindler Award (siehe Kasten) sind nicht «nur» utopische Entwürfe, sondern zum Teil ziemlich pragmatisch.

Inwiefern?

Einige der Projekte knüpfen an frühere, realistische Entwürfe an, indem sie neue Gebäude am Brückenkopf beim städtischen Ende der Lorrainebrücke vorsehen oder eine Verlängerung des Kunstmuseums in Richtung Lorrainebrücke wieder aufnehmen.

Die Stadt plant am Bollwerk seit 2006 und findet immer neue Gründe, nichts zu tun. Man hat den Eindruck, dass die Stadt bloss Leitungen sanieren und im Übrigen alles beim Alten belassen möchte.

Ich hoffe, dass dieser Eindruck täuscht. Der Schindler Award zeigt, dass Lösungen möglich sind, die allen bestehenden Interessen gerecht werden.

Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) trat vor ein paar Monaten noch für den Bau eines Hochhauses auf der «Schütz» ein. Seit kurzem denkt er eher an eine Zwischennutzung, eine gedeckte Allmend.

Wenn man für die nächsten Generationen etwas tun will, muss man heute damit anfangen. Wenn man es heute nicht anpackt, hat man auch in zwanzig Jahren nichts in der Hand.

Als Vertreter der Progr wissen Sie ja, dass Zwischennutzungen den Hang zum Dauerhaften haben.

Es gibt bereits einen Flohmarkt und eine Art gedeckte Allmend in der Grossen Halle der Reitschule. Die Projektbeiträge des Schindler Award zeigen mit den Vorlagen Möglichkeiten auf, die man als Schwung im Planungsprozess nutzen sollte. Damit sind aber auch viel Arbeit und «strenges Denken» verbunden.

Aber wenn der Stadtpräsident abwinkt, ist das doch entmutigend.

Ich persönlich lasse mich nicht entmutigen.

Dann braucht es aber politischen Druck. Das Grüne Bündnis (GB) fordert in einem Vorstoss, die Schützenmattstrasse aufzuheben.

Es braucht sicher einen politischen Willen. Die Aufhebung der Schützenmattstrasse war eine Vorgabe im Wettbewerb und scheint machbar zu sein.

Ein weiteres Problem ist der Viadukt, der vom Jurypräsident des Schindler Award als «Betontragödie» bezeichnet wurde.

In Shanghai gibt es Autobahnen auf dem dritten oder vierten Stockwerk, unglaublich ästhetische Bauwerke. Wer dort lebt, findet das aber sicher nicht toll. Jede Sache hat zwei Seiten. Ein Teil der Projektbeiträge des Wettbewerbs konnte dem Eisenbahnviadukt auf der Schützenmatte auch positive Aspekte abgewinnen.

Warum interessieren Sie sich als Stiftungsratspräsident des Progr überhaupt für das Bollwerk?

Der Progr brachte eine Belebung des Perimeters Neustadt. In vielen Teilen besteht die Neustadt aber aus Strassenschluchten. Die Hodlerstrasse ist keine Flanierzone, die Verbindung zur Aare existiert nicht. Hier zeigen die Wettbewerbsbeiträge neue Lösungen. Entlang der Achse Nägeligasse–Hodlerstrasse bildet sich eine Kulturachse vom Stadttheater bis zur Reitschule. Es gilt, ein Umfeld zu schaffen, das den Austausch zwischen den Institutionen fördert.

Dies bedingt eine Aufwertung des Strassenraums.

Dieser Strassenraum sollte nicht nur als Durchgangsachse dienen. Bereits mit Trottoirs und Bäumen könnte man einen Mehrwert erzielen.

Das Stadtplanungsamt ist völlig überlastet. Die Schützenmatte hat nicht unbedingt Priorität.

Wenn das Potenzial erkannt wird, steigt auch der Druck der Öffentlichkeit, etwas zu tun.

Das Eilgut-Areal gehört der SBB, die Aufhebung der Parkplätze scheint ein Problem zu sein, der Viadukt wird vielleicht einmal ausgebaut.

Ich habe nie behauptet, es sei eine einfache Aufgabe.

Wie sieht Ihre Vision der Schützenmatte aus?

Man kann den Verkehr neu regeln und alle existierenden Nutzungen beibelassen oder sogar erweitern. Man kann auch neue Gebäude hinstellen und den Universitätshügel mit der Altstadt verbinden. Wo früher die Städte aufgehört haben, gibt es heute oft städtebauliche Probleme. Nach dem Schleifen der Bastionen blieb ein Abhang, der oft nicht aufgefüllt werden konnte.

Beim Casinoplatz hat man die entsprechende Lücke einst mit einem Parkhaus gefüllt.

Ich hoffe, dass die Menschheit seither Fortschritte gemacht hat.

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