Schützenmatt-Planung gestartet

Auch die Bevölkerung soll im kommenden Sommer über die Zukunft des «Unorts» Schützenmatte mitreden können. Überbauung, Hochhaus, Markthalle oder Stadtpark?

Viel Verkehr, ein Bahnviadukt und eine Drogenanlaufstelle: Die Schützenmatte gilt nicht gerade als Bijou.

Viel Verkehr, ein Bahnviadukt und eine Drogenanlaufstelle: Die Schützenmatte gilt nicht gerade als Bijou.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Viel Verkehr, ein Bahnviadukt, eine Drogenanlaufstelle und das Kulturzentrum Reitschule: Die Schützenmatte hinter dem Berner Bahnhof gilt nicht gerade als Bijou. Seit Mitte des letzten Jahrzehnts machen Stadträtinnen und Stadträte Druck auf den Gemeinderat, eine Gesamtplanung des «Unorts» in Angriff zu nehmen. Über Jahre hinweg blieben sie damit erfolglos.

Der Gemeinderat führte immer wieder neue Gründe an, weshalb die Planung nicht in Angriff genommen werden könne – von den Plänen der SBB für den Ausbau des Bahnhofs über die letzte Anti-Reitschul-Initiative der SVP bis zum Problem der Parkplätze, die man nicht ohne Ausbau des Park & Ride Neufeld aufheben könne.

Bevölkerung soll mitreden

Gestern nun ist der Startschluss zur Planung Schützenmatte erfolgt, nachdem der Stadtrat im Mai letzten Jahres einen Projektierungskredit von 475'000 Franken einstimmig verabschiedet hatte. Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) traf sich mit Grundeigentümern und Interessenvertretern. Im kommenden Sommer soll auch die Bevölkerung im Rahmen eines «Schützenmatte-Forums» mitdiskutieren können, wie die Stadt Bern gestern mitteilte.

Von der Überbauung bis zum Park

Dass die Stadt eine möglichst breit angelegte Diskussion anstrebt, kommt nicht von ungefähr, denn das Areal gilt als neuralgischer Punkt, an dem sehr viele, komplett unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Auch die Vorstellungen, wie die Schützenmatte in Zukunft ausgestaltet werden soll, gehen sehr weit auseinander. Vorderhand ist noch offen, wie das Areal in Zukunft aussehen wird. Mehr oder weniger ausgereifte Ideen geisterten in den vergangenen Jahren immer wieder herum, so etwa für ein Hochhaus, ein Messegelände, einen Stadtpark oder einen Hochschulcampus. Der Gemeinderat speist drei Grobszenarien in den Prozess ein, die von der weitgehenden Überbauung bis zum Stadtpark reichen.

Kultur oder Wirtschaft?

Auf politischer Ebene gab es immer wieder Vorstösse, den «Unort» neu zu gestalten. Linke Parteien betonten vorab das Potenzial für Kultur, Stadtleben und Städtebau und legten ihr Augenmerk auf die Verkehrssituation. Bürgerlichen Vertretern schwebte vor allem eine wirtschaftliche optimale Ausnutzung des Geländes vor. So forderte FDP-Stadtrat Christoph Zimmerli etwa den Bau eines Hochhauses. Hinter manchen Ideen bürgerlicher Provenienz steckte aber mehr oder weniger unverhohlen der Wunsch, die in diesen Kreisen nicht eben geliebte Reitschule vom Platz zu verdrängen.

Einen sonderlich guten Ruf geniesst die «Schütz» in grossen Teilen der Bevölkerung nicht. Vor allem nachts kommt es auf dem Areal immer wieder zu Auseinandersetzungen und Vandalismus.

Nutzungskonzept bis 2015

Bis 2015 soll nun nach Angaben der Stadt ein neues Nutzungskonzept vorliegen. Danach wird die Planung konkretisiert und anschliessend raumplanerisch festgesetzt. Parallel dazu sollen auch kurzfristig realisierbare Massnahmen zur Aufwertung der Schützenmatte erarbeitet werden. Impulse für die Neugestaltung der Schützenmatte könnten auch die Arbeiten im Rahmen des europäischen Ideen-Wettbewerbs Schindler Award liefern. In dessen Rahmen entwickelten Architekturstudenten Visionen für den Ort.

bob/sda

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