«Schon jetzt muss die Erweiterung des Viererfelds geplant werden»

Der frühere kantonale Denkmalpfleger Jürg Schweizer zeigt sich begeistert von der Idee einer richtigen Viererfeldbrücke.

Grosses Feld, grosse Pläne: Im Viererfeld scheiden sich die Geister.

Grosses Feld, grosse Pläne: Im Viererfeld scheiden sich die Geister.

(Bild: Adrian Moser)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Ein Viererfeldboulevard, eine neue Brücke zwischen zwei Berner Quartieren und ein Stadtplatz im Wyler, das schwebt dem Berner Architekten Arpad Boa vor («Bund» von gestern). Nun bekommt der Vorschlag einer richtigen Brücke zwischen Länggasse und Nordquartier statt einer Fussgänger- und Veloverbindung prominenten Rückhalt. Der «Baustellen»-Kolumnist des «Bund» und ehemalige kantonale Denkmalpfleger Jürg Schweizer unterstützt die Idee: «Dem Vorstoss zum Bau einer richtigen Viererfeldbrücke ist vorbehaltlos beizupflichten», sagt Schweizer.

Man müsse sich bei der Viererfeldplanung die Frage stellen, was die wesentlichen Elemente seien, die zum Bau eines guten Stadtquartiers führten, sagt der Architekturhistoriker. «Wenn wir von den geglückten Quartierplanungen lernen wollen, so sehen wir, dass der am Anfang festgelegte Verlauf der Strassen und ihre Hierarchie die wichtigsten quartierbestimmenden Elemente waren.» Weiter merkt Schweizer an, dass ein städtisches Quartier eine vernünftige, durchlaufende Verkehrsführung brauche, «sonst entsteht bloss eine angehängte Siedlung».

Wie sinnvoll ist eine Brücke zwischen Länggasse und Nordquartier? Sollte die Brücke auch für den motorisierten Verkehr offen stehen? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»:

Der Vater der Idee der ausgebauten Velobrücke, Arpad Boa, sieht bei seinem Vorschlag den Vorteil, dass Busse auf der Brücke verkehren könnten: Passagiere zwischen Länggasse und Breitenrain müssten nicht am Bahnhofplatz umsteigen. Die Stadt möchte auf dem Viererfeld und dem benachbarten Mittelfeld ein neues Stadtquartier für rund 3000 Menschen schaffen.

Stadtquartier statt Agglo-Siedlung

«Niemandem wäre es um 1900 eingefallen, den Breitenrain nur mit einem Fussgänger- und Velosteg zu erschliessen», sagt Schweizer. Der Erfolg der Quartiere auf beiden Seiten des Aaregrabens sei wesentlich von den grossen Brücken und damit von der Anbindung an den Stadtorganismus abhängig gewesen. Während die Stadt heute die Unterlagen zum Projektwettbewerb aufschaltet, denkt der ehemalige Denkmalpfleger aber bereits einen Schritt weiter: «Soll das neue Viererfeld keine Agglomerationssiedlung, sondern ein Stadtquartier werden, so muss bereits jetzt seine Erweiterung geplant werden.» Ihm sei unverständlich, wieso das Feld halbiert worden sei. Wer heute plane, müsse davon ausgehen, dass bis in drei Jahrzehnten die Überbauung fortzusetzen sei, wobei ein Ganzes entstehen müsse.

Auch Waldstadt einplanen

«Die Strassenpläne geglückter Planungen vor und nach 1900 griffen weit über den Bedarf eines Planungshorizonts von 20 Jahren hinaus, im Wissen, dass Städtebau Zeit braucht, aber entsprechende Festlegungen rechtzeitig erfolgen müssen, soll nicht Stückwerk entstehen.» Doch wie stellt er sich die Weiterentwicklung vor? Zwar sei die Idee Waldstadt Bremer im Augenblick schubladisiert. Ohne Zweifel werde das Thema aber wieder aufgegriffen, ist sich der ehemalige Denkmalpfleger sicher.

Der Strassenplan im Viererfeld sollte deshalb nicht nur die Überbauung des ganzen Felds, sondern auch des heutigen Waldgebiets zwischen Bremgartenstrasse und Autobahn inklusive deren Überdeckung berücksichtigen. Das Viererfeld mit seiner grossen Nähe zum Zentrum und den guten Anbindungsmöglichkeiten sei viel zu kostbar, um als «Schlafsiedlung» zu enden. Beliebig viele gute Möglichkeiten zu einer effektiven Stadterweiterung habe Bern nicht. Es sei nun der Augenblick, die Chance zu packen, sagt Schweizer.

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