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«Schön blöd, dieses Börnise Aenglisch, isn’t it?»

Die Ask-Force erzählt die schicksalhafte Reise eines Berner Patriziers nach London und dessen Mitbringsel - das «Ö».

Sie können sich bestimmt erinnern, dass wir vor Wochenfrist die Hintergründe erläutert haben, warum der Bus in Bern «Bös» oder besser «Böss» ausgesprochen wird. Das brachte bei einem Leser namens Huber die Gedanken über das «Börnise Aenglisch» ins Rollen. Der «Inner-Berner» schickte uns weitere schöne Beispiele für die Neigung der Berner zum distinguierten «Ö». Auf Tennisplätzen höre man «sörti-löf» (für 30:0), beim Golfen sei immer wieder vom «pötten» die Rede, Angeber bezeichne man als «Plöffer», und die Queen hause für Berner im «Böckingham»-Palast. «Schön blöd, dieses Börnise Aenglisch, isn’t it?»

Das ist fast eine rhetorische Frage, aber eben nur fast. Wäre es vollumfänglich eine rhetorische Frage, so wäre die Ask-Force nicht verpflichtet, sie zu beantworten. Es ist aber für uns keineswegs ausgemacht, dass die erwähnte Eigenheit der Aussprache (Fachbegriff: Pronunziations-Idiosynkrasie) wirklich als «blöd» bezeichnet werden muss. (Wobei mit «blöd» hier nicht die berndeutsche Fassung von «blood» gemeint ist. «Blödspending» ist übrigens auch nicht englisch für Blutspenden. Warum wir das anführen? Wir wollen ja ein bisschen «fönn» haben bei der Beantwortung der Fragen.)

Der fatale Hang des Berners war übrigens auch schon in Literatur und Film ein grosses Thema, eigenartigerweise im französischen Sprachraum («Histoire d’ Ö»). Wir wollen uns aber mit diesem bahnbrechenden linguistischen Werk nicht weiter aufhalten, sondern darüber nachdenken, wie alles angefangen hat. Das heisst, wir wollen Sie nicht mit der Beschreibung unseres Denkprozesses langweilen, sondern gleich zum Schluss kommen: Vor mehreren Hundert Jahren hat ein Berner Patrizier bei seinem Aufenthalt in London gemerkt, dass seine Heimatstadt hier (anders als etwa in Berlin oder Paris) mit einem fetten und sonoren «Ö» ausgesprochen wird. Dies berichtete er umgehend nach Bern. Das war übrigens 1652. Der Berner schrieb weiter, Bern werde bald von Touristen überrannt werden, denn die Stadt sei derzeit in aller Munde, man solle sich wappnen. Das war allerdings eine falsche Annahme, denn der Berner hatte lediglich einer öffentlichen Hexenverbrennung beigewohnt, bei der die Zuschauer nach dem Brauch des Landes aus Leibeskräften «burn, baby, burn» riefen, und nicht (wie unser Berner meinte) «Berne, baby, Berne».

Bitte fragen Sie nicht, warum der Berner Steak als «Schtiik» ausspricht: askforce@derbund.ch

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