Schleppender Verlauf des Safari-Prozesses

Angehörige des Opfers sind enttäuscht, der Prozess wird auf den Frühling vertagt.

Der Tatort: Die Berner Bar Safari.

Der Tatort: Die Berner Bar Safari.

(Bild: Keystone)

Es ist der siebte Verhandlungstag im sogenannten Safari-Mordfall. 14 Jahre nachdem vier Personen am 27. Juli 1998 im Tearoom Safari an der Belpstrasse in Bern mit schweren Schusswaffen ermordet worden sind, steht ein Tatverdächtiger in Istanbul erneut vor Gericht. In dem kleinen Saal sind neben dem mutmasslichen Mehrfachmörder, seinem Anwalt und dem Hohen Gericht ausserdem Angehörige eines Opfers als Nebenkläger erschienen, die keine Verhandlung auslassen, um ihrer Forderung nach Gerechtigkeit Nachdruck zu verleihen. Sie reisen dafür aus der Schweiz an, doch ihre Enttäuschung über den schleppenden Verlauf der Verhandlung in Istanbul können sie von Mal zu Mal weniger verbergen.

Auch der siebte Verhandlungstag brachte wenig Fortschritt. Noch immer wurden die Aussagen von zwei in der Schweiz befindlichen Zeugen nicht eingeholt, eine dritte, die der Akte offiziell schon beigefügt sein sollte, lag dem vorsitzenden Richter nicht vor. Ebenfalls nicht geschehen ist die Prüfung der Schuldfähigkeit des Angeklagten, mehrfach scheiterte der Vollzug daran, den Inhaftierten zum anberaumten Termin ins Krankenhaus zu bringen oder vor der Fahrt eine Terminabsprache vorzunehmen. Um für den nächsten Verhandlungstag ein Ergebnis vorliegen zu haben, ordnete das Gericht daher an, dass das Gutachten noch am gestrigen Donnerstag vor Ort in der Gerichtsmedizin erstellt wird.

Prozess wird vertagt

Da also auch am siebten Verhandlungstag nicht alle Unterlagen vorlagen, wurde der Prozess auf den 20. März 2014 vertagt. Bis dahin wird die Schuldfähigkeit des Angeklagten festgestellt sein und werden medizinische Unterlagen von vorherigen Visitationen beim Arzt vorliegen. Es wird die Aussage der ehemaligen Reinigungskraft des Tearooms Safari, die den Schweizer Behörden auf Deutsch bereits vorliegt, eingefordert und übersetzt und auch die eines weiteren Zeugen. Von der Reinigungskraft liegen bereits zwei Aussagen vor, eine wurde gleich nach der Tat aufgenommen, die zweite im vergangenen Jahr. Die Nebenklage hofft damit ihre These erhärten zu können, dass es sich bei der Bluttat um einen Mord aus verletzter Ehre nach einem Streit gehandelt habe. Der andere Zeuge soll über Informationen zu den Tatwaffen verfügen.

Der Bruder eines der Opfer schüttelt den Kopf darüber, dass Aussagen verschwinden oder Termine nicht eingehalten werden. Der Berner Restaurantbesitzer findet, dass ein so schlampig geführter Prozess nicht nur für die Nebenkläger schwer zu ertragen sei, er könne sogar Empathie mit dem mutmasslichen Täter aufbringen. «Der hat doch einen ordentlichen Prozess verdient», meint er und fügt hinzu, dass er den Tod seines Bruders nicht mit einer unsauberen Verurteilung als gesühnt betrachten könnte. Er und die übrigen Angehörigen können nicht verstehen, weshalb keine offiziellen Prozessbeobachter erscheinen oder die Schweiz nicht als Nebenklägerin auftritt. «Das Land muss doch ein Interesse daran haben, dass der Mord an seinen Staatsbürgern aufgeklärt wird», wundert sich der Bruder und betont, dass er davon überzeugt ist, dass der Prozessverlauf ein anderer wäre, wenn das Gericht mehr Interesse aus dem Ausland erfahren würde.

Nicht wie im Film

Rechtsanwalt Kasim Günes, der die Nebenkläger vertritt, versucht seine Mandanten zu beschwichtigen und erklärt, dass Verhandlungen in der Türkei nicht so laufen wie in amerikanischen Filmen: «Bei uns wird weniger gesprochen, es wird alles schriftlich eingereicht. Deswegen ist die Dauer der einzelnen Verhandlungen auch so kurz», erklärt er und betont, dass das nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen für den weiteren Verlauf sein muss. «Ich gehe davon aus, dass in der kommenden Sitzung sämtliche Unterlagen vorliegen, möglicherweise wird dann bereits der Staatsanwalt sein Plädoyer halten. Ich rechne noch vor dem Sommer mit einem Urteil», sagt Günes.

Er geht davon aus, dass der Angeklagte zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt werden wird. Dass eine Schuldunfähigkeit zum Tatzeitpunkt nachgewiesen werden kann hält er für unrealistisch.

Der Bund

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