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Schleif- und Bohrgeräusche in der Musikschule

Kosten und Termine im Griff: Die Gesamtsanierung des Konservatoriums in der Berner Altstadt verläuft gemäss Programm – im November ist fertig gebaut.

Der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen (1928–2007), der neue Massstäbe auf dem Gebiet der Raummusik setzte, dürfte an der gegenwärtigen Aufführung seine helle Freude haben: Im Moment wird in den 77 Räumen des Konservatoriums Bern die Sinfonie für zehn Schlagbohrer, zwölf Streicher und zwanzig Gerüstbauer gespielt. Die Betonmischer haben ihre Partitur beendet; die Elektriker und Sanitärinstallateure warten noch auf Einsätze.

Verantwortlich für die Gegenwartsmusik, welche derzeit am Konsi an der Kramgasse 36 gespielt wird, sind die Stadtbauten Bern und die 3B Architekten AG. Gestern zogen sie Zwischenbilanz: «Die Bauarbeiten laufen programmgemäss, und der vorgesehene Kostenrahmen kann voraussichtlich eingehalten werden», so die Mitteilung an die Medien. Keine Selbstverständlichkeit für die Stadtbauten, die jüngst durch massive Kostenüberschreitungen bei Grossprojekten wie dem Bärenpark oder der neuen Feuerwehrkaserne Schlagzeilen machten. Für Sanierung und Umbau der drei zusammenhängenden Altstadthäuser hatte der Berner Stadtrat im Januar 2008 einen Kredit von 8,1 Millionen Franken bewilligt.

Der grosse Umzug

Ende September letzten Jahres erfolgte der grosse Umzug: 2600 Schüler und 130 Lehrer samt ihrem Instrumentarium mussten ein Provisorium am Zentweg und am Libellenweg antreten. «Dieser Entscheid war richtig», sagte dazu Martin Burkhardt, Projektleiter bei den Stadtbauten. «Wir hätten in dieser Zeit des Umbaus weder gut musizieren noch gut bauen können.»

Die drei Gebäude zwischen Kramgasse und Rathausgasse, in den 30er-, 50er- und 70er-Jahren erbaut, sind über Treppen, Korridore und einen Lift erschlossen. Ein neuer Verbindungsgang mit Rampen verläuft unter dem Schaalgässchen hindurch. Beim Aushub musste auch der Ehgraben, die historische Stadtentwässerung, unterquert werden. «Diese neuen Verbindungen erleichtern den Schulbetrieb», sagte Martin Gsteiger von den 3B Architekten. Pauken zum Beispiel müssen nicht mehr treppauf und treppab geschleppt werden. Vier Unterrichtsräume im Keller stehen für den Perkussionsunterricht zur Verfügung. Alle Räume, in denen musiziert wird, sind neu mit Schallabsorptions-Panels ausgestattet.

Sicherheit und Technik

Ein erheblicher Teil der Mittel floss in Technik und Sicherheit, entsprachen doch die verwinkelten und versetzten Räumlichkeiten den Brandschutzvorschriften in keiner Weise. So weit als möglich erfolgte die Erneuerung der Haustechnik nach Minergie-Standard. Auf den Ersatz der Fenster und auf den Einbau einer Komfortlüftung wurde aber verzichtet.

Die über 60 Unterrichtszimmer sind über geschwungene Treppenhäuser erreichbar und um den Konzertsaal gruppiert, der über rund 300 Sitzplätze verfügt, mit Nussbaumholz verkleidet ist und hervorragende akustische Qualitäten hat. Dies soll so bleiben: «Das Interieur bleibt erhalten», versicherte Gsteiger. Sämtliche Eingriffe erfolgten im Einklang mit der Denkmalpflege. Auch wenn die Orgel im Konzertsaal kaum mehr gespielt wird, bleibt sie unangetastet. Denn sie trage zu der guten Akustik bei. Die Erneuerung des alten Pfeifeninstruments wäre zu kostspielig. Orgelunterricht wird nicht am Konsi erteilt, sondern jeweils an einer der zahlreichen Kirchenorgeln in Bern.

Im Herbst müssen die 40 Flügel und 40 Klaviere wieder an ihren angestammten Platz transportiert werden – kein leichtes Unterfangen, wie der administrative Leiter des Konservatoriums, Bernhard Schori, erklärte: «Die Zügelleute müssen aufpassen, dass die neuen Treppen und Böden keinen Schaden nehmen.» Am ersten Novemberwochenende soll das renovierte Konservatorium mit einem Fest und einem Tag der offenen Tür eingeweiht werden.

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