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Schlammschlacht in der Badi

Der Cyclocross-Trend kommt nach Bern – die Veranstalter haben grosse Pläne.

Simon Zahner (rechts) an einem Rennen der EKZ Cross Tour in Meilen im Janaur 2016.
Simon Zahner (rechts) an einem Rennen der EKZ Cross Tour in Meilen im Janaur 2016.
Urs Jaudas

Geht es nach Christian Rocha, werden an einem Sonntagnachmittag im Herbst 2018 Millionen von Fernsehzuschauern ein Velorennen im Berner Freibad Weyermannshaus verfolgen. Zum ersten Mal stattfinden, wenn auch noch ohne Fernsehübertragung, wird das Rennen schon in gut einer Woche, am 1. Oktober. Rocha sagt: «Das Weyerli ist die perfekte Cyclocross-Arena.»

Als Rocha am Beckenrand steht und seine Pläne erläutert, braucht es noch einige Vorstellungskraft, um die Arena und die Rennstrecke in ihrer Mitte zu erkennen. Eine einsame Schwimmerin zieht ihre Bahnen, auf der anderen Seite des Wassers sitzt eine Grossmutter mit ihrem Enkel auf dem Rasen. Rocha deutet auf einen Hügel und sagt: «Dort werden die schwierigsten Passagen des Parcours sein.» Er spricht von Schräghängen und Doppelhürden, und er zeigt, an welcher Stelle die Mechaniker ihren Fahrern ein neues Velo geben werden, wenn das alte vor lauter Dreck nicht mehr fahrtüchtig ist.

Cyclocross (englisch ausgesprochen) ist der moderne Name für die Velo-Disziplin, die vor mehr als 100 Jahren in Frankreich als Cyclocross (französisch ausgesprochen) erfunden wurde. In der Schweiz heisst sie Radquer, war ab den 1970er-Jahren für einige Jahrzehnte ganz gross und verschwand dann fast komplett, verdrängt vom Mountainbike. Die Velos ähneln stark dem Rennvelo, die Rennen dauern eine Stunde, finden im kalten Halbjahr statt und werden auf kurzen Rundkursen ausgetragen, meist auf Gras. Die Belgier und Holländer dominieren die Disziplin seit Jahren – sie sind auf dem Podest nach Weltcuprennen meist unter sich. In Belgien ist Cyclocross eine Art Nationalsport. Die Fahrer sind Superstars, und bei den grossen Rennen zahlen 20'000 Zuschauer Eintritt.

«Hm, dort sollte er eigentlich nicht hinaufkommen», sagt Rocha plötzlich. Während des Gesprächs sind im Hintergrund der Cyclocross-Profi Simon Zahner und der Streckenbauer und frühere Spitzenmountainbiker Sepp Freiburghaus auf einem Teil der Strecke unterwegs. Rocha will, dass die Fahrer am steilen Hang absteigen müssen, den die beiden eben hinaufgefahren sind – das bringt Spektakel. Freiburghaus beruhigt ihn, als er Augenblicke später keuchend zurückkommt: «Neunmal fahre ich dort nicht hinauf.»

Alte Querfans und hippe Urbanos

Was in Belgien Nationalsport ist, ist in der Schweiz zumindest wieder am Kommen, seit Rocha 2011 begonnen hat, eine neue Rennserie aufzubauen, die seit 2014 den Namen EKZ Cross Tour trägt. An den neuen Rennen treffen sich nicht nur die alten Querfans, sondern auch die hippen Urbanos, die das Rennvelofahren auf dem Acker ebenfalls für sich entdeckt haben. Deshalb wird der Anlass im Weyermannshaus auch ein kleines Streetfood-Festival sein, wie Rocha sagt. Er will die Querrennen zu Events für die ganze Familie machen. «Im Idealfall nimmt der Papi morgens am Hobbyrennen teil, dann die Kinder am Kidsrennen, und am Nachmittag schauen alle zusammen das Eliterennen.»

Rocha rechnet für die erste Austragung in allen Kategorien zusammen mit etwa 400 Teilnehmerinnen und 1000 bis 3000 Zuschauern. Schon nächstes Jahr will er das Rennen in Bern aber auf die höchste Stufe hieven: Die Chancen stünden gut, sagt er, dass der Internationale Radsportverband den Anlass 2018 in den Weltcup aufnehmen werde. Dann wäre es nicht mehr ein Rennen von Hunderten, sondern eines von neun, an denen sich die Weltspitze misst. Fast 80 Millionen TV-Zuschauer verfolgen die Weltcuprennen laut Verband am Fernsehen.

Am Beckenrand steht auch der für den Tourismus verantwortliche Gemeinderat Reto Nause. Er erinnert daran, dass Bern sich in den vergangenen Jahren als Sport- und besonders als Velostadt positioniert habe. Dazu passe das Querrennen im Weyerli hervorragend. «Wenn es gelingt, ab dem nächsten Jahr regelmässig ein Weltcuprennen zu veranstalten, kann sich Bern erneut einem Millionenpublikum präsentieren», sagt er. Die Stadt unterstützt die Organisatoren mit 20'000 Franken und einem Gebührenerlass.

Am Hang, wo vorhin die beiden Fahrer ein paar Mal auf- und abgefahren sind, ist der Rasen schon deutlich gezeichnet. Es ist nur ein kleinster Vorgeschmack auf das, was dem feinen Grün am 1. Oktober blüht. Darauf angesprochen schmunzelt Rocha und sagt: «Deshalb haben wir schönes Wetter bestellt.»

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