Schildgers Bärenpark 2.0

Die drei Bären im Berner Bärenpark – und möglicherweise künftige Jungtiere – sollen ein grösseres Gehege 
am Aarehang bekommen. So plant es Tierparkchef Bernd Schildger. Der Stadtpräsident ist erstaunt.

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Marcello Odermatt@cellmob

Fünfeinhalb Jahre ist es her. Nach massiven Kostenüberschreitungen konnte der neue Bärenpark am Aarehang im Herbst 2009 eröffnet werden. Seit letztem Jahr ist zudem klar, dass der seit langem geforderte behindertengerechte Lift, der einst über den Bärenpark führen soll, gebaut werden soll.

Am Mittwoch ist das Baugesuch publiziert worden. Für Bernd Schildger, den Direktor des Tierparks, zu dem auch die Bärenanlage am Aarehang unterhalb des Muristaldens gehört, ist deshalb klar: «Die Weiterentwicklung des Bärenparks ist deblockiert. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um den Ausbau an die Hand zu nehmen und zu klären, wie wir das Wohl der Tiere maximieren können.»

Im Zentrum von Schildgers Offensive steht die Überbauung der heute brachliegenden Schafweide am Ende des Bärenparks in Richtung Waldrand und englische Anlagen . Die heutige Fläche von 6000 Quadratmetern soll dabei fast verdoppelt werden. Laut Schildger könnten es gar noch mehr Quadratmeter sein. «Wenn ich 8000 bekomme, sage ich nicht Nein.»

Er bezieht sich auf die ursprünglichen Pläne, die einst von 10'000 Quadratmetern ausgegangen waren. Vorab aus finanziellen Gründen konnten schliesslich nur 6000 Quadratmeter überbaut werden. Die Überbauungsordnung, der das Volk zugestimmt hatte, beinhaltet die mögliche Erweiterung des Bärenparks auf dem geplanten Areal allerdings schon jetzt.

Eine erneute Volksabstimmung ist also nur nötig, wenn die geplante Überbauung stark von der aktuellen Überbauungsordnung abweichen sollte. Schildger will dem Gemeinderat der Stadt bis Frühling 2016 ein Projekt vorlegen.

Ohne öffentliche Gelder?

Wie viel die ganze Sache kosten könnte, ist offen. Laut Schildger wird aber primär der Tierpark für die Finanzierung sorgen. Anfang Jahr wurde die Organisation von der Stadtverwaltung ausgelagert. Damit geniessen Schildger und der Tierpark in organisatorischer und insbesondere auch unternehmerischer Hinsicht neu einen Sonderstatus.

Das Volk hat diesem Gebilde im letzten Mai deutlich zugestimmt. Damit wurde auch geregelt, dass neue Gehege und Bauten im Tierpark zu 100 Prozent mit Drittmitteln finanziert werden müssen. Der Tierpark wird somit auf Sponsorensuche gehen müssen. Eine Finanzierung durch die öffentliche Hand steht laut Schildger «nicht im Vordergund».

Die Erweiterungspläne für den Bärenpark sind Teil einer grösseren Planung des Hotspots Bärenpark durch den Tierpark – das Projekt steht unter dem Motto Bärenpark 2.0. Insbesondere soll dabei der alte Bärengraben beim Tramdepot touristisch aufgewertet werden.

Ein Teil der historischen Gräben soll zu einem eigentlichen Eingangsbereich für des «Wahrzeichen Berns» werden. Die Rede ist etwa von einem gläsernen Informationshäuschen zur Geschichte der Bären in Bern sowie von Kiosken und Läden für das Merchandising.

Für Schildger ist dabei aber wichtig: «Die Bären­anlage lebt von einer einzigen Sache: von wild lebenden Bären mitten in der Stadt.» So etwas existiere in keiner anderen Stadt, so Schildger.

Tschäppät geht es zu schnell

Alexander Tschäppät ist «überrascht» von den Plänen und bleibt «skeptisch», wie er sagt. Dem Stadtpräsidenten geht die ganze Sache etwas zu schnell. «Ich kann die Argumentation punkto Tierwohl sehr gut verstehen. Aber angesichts des letzten Bärenparkprojekts bin ich ein gebranntes Kind.»

Ob der Tierpark ein solches Projekt wirklich selber finanzieren könne, sei offen. Für den Stadtpräsidenten ist hingegen klar, dass punkto Tourismus beim Bärengraben etwas passieren müsse: Vor allem im Winter, wenn die Bären schliefen, müsse die Stadt mehr anbieten.

Doch auch im Sommer: «Nach einer Minute haben die Kinder die Bären gesehen.» Dann brauche es zusätzliche Attraktionen. Er begrüsse daher das Vorhaben, den alten Bärengraben aufzuwerten.

Der Bund

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