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Schaller möchte in die Verlängerung

Die Berner Kultursekretärin Veronica Schaller will auch nach Erreichen des Rentenalters weiterarbeiten. Nun ist es am Stadtpräsidenten, darüber zu entscheiden, ob die Frau im Amt bleibt.

Veronica Schaller ist seit 2008 Berner Kultursekretärin – wie lange bleibt sie es noch?
Veronica Schaller ist seit 2008 Berner Kultursekretärin – wie lange bleibt sie es noch?
Adrian Moser

Nächstes Jahr erreicht die Berner Kultursekretärin Veronica Schaller das Pensionsalter. Denn Mitarbeiter der Stadt werden bereits mit 63 Jahren in Rente geschickt. Der «Bund» weiss aus gut unterrichteten Kreisen, dass Schaller daran interessiert ist, auch nach ihrem 63. Geburtstag weiter auf ihrem Posten zu arbeiten. Auf Anfrage mag sich Schaller nicht dazu äussern, die Personalfrage wolle sie nicht in der Zeitung diskutieren, sagt sie. Auch ihr Alter tue nichts zur Sache, so die Kultursekretärin. Dies tut es jedoch in der Hinsicht, dass die Stadt genügend früh die Frage nach ihrer Nachfolge stellen muss – oder eben nicht. Das vakante Präsidium des Stiftungsrats von Konzert Theater Bern zeigt, dass die Besetzung wichtiger Posten Zeit in Anspruch nimmt: Seit Anfang Jahr ist das Amt unbesetzt («Der Bund» berichtete).

Bereits mit Gesprächen begonnen

Für den längeren Verbleib der Kultursekretärin spricht, dass sie in der Berner Verwaltung geschätzt wird. Zudem haben Schaller und ihre Mitarbeiter gerade mit der Ausarbeitung der neuen Leistungsverträge für die Berner Kulturinstitutionen begonnnen. Schallers Vorgänger gibt sich verständnisvoll: «Ich kann nachvollziehen, dass Veronica Schaller die Arbeit an den Verträgen noch beenden will, bevor sie in Rente geht», sagt Christoph Reichenau. Er hingegen war pünktlich zum 63. Geburtstag pensioniert worden und hatte Schaller 2008 das Amt übergeben. Reichenau sagt, es sei durchaus möglich, dass jemand Neues nächsten Herbst die Gespräche mit den Institutionen weiterführe. Auch er musste die Geschäfte um die Zusammenführung des Stadttheaters und des Symphonieorchesters mitten im Prozess weiterreichen.

Über die von Schaller gewünschte Verlängerung wird in der Berner Kulturszene Unterschiedliches geraunt: Da gibt es das übliche Kopfschütteln bei jenen, die der Kultursekretärin vorwerfen, sie könne es mit der Szene nach wie vor nicht. Sie hatten gehofft, dass Schaller sich zeitgleich mit Tschäppät verabschiedet oder dann spätestens zu ihrer Pensionierung im nächsten Jahr (der «Bund» berichtete). Es gibt aber auch die andern, welche sagen, Schaller habe in den letzten Jahren auf die gegen sie gerichtete Kritik reagiert. Sie habe sich in letzter Zeit stärker für einen Austausch mit den Künstlern interessiert, heisst es bei denen.

Wenig begeistert ob der Nachricht gibt sich der GFL-Stadtrat und DJ Manuel C. Widmer: «Schaller ist das Aushängeschild von Tschäppäts Kulturpolitik. Dessen Ära ist nun vorbei, es ist daher Zeit, dass jemand Jüngeres das Zepter bei Kultur Stadt Bern übernimmt.» Angesichts der immer wieder an Schaller geäusserten Kritik fände er es gut, wenn eine Person den Posten übernähme, welche vermehrt Akzente setzte in der Kulturpolitik, so Widmer. Er wünsche sich für Schallers Nachfolge jemanden, der eine «Nähe zu den vielfältigen Kulturszenen habe» und sich nicht nur als Sekretär verstehe.

Entscheid liegt beim Stapi

Ebenfalls eher kritisch gibt sich FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher: Er hätte sich in den letzten Jahren eine aktivere Kulturpolitik gewünscht und würde deshalb einen Wechsel beim städtischen Kulturamt begrüssen. Vom neuen Stadtpräsidenten erhoffe er sich frischen Wind in der Berner Kulturpolitik, diesen wünsche er sich auch im Kulturamt der Stadt. «Letzten Endes liegt der Entscheid aber in der Verantwortung des neuen Stadtpräsidenten.»

Mit ihrem Anliegen muss die Kultursekretärin nun an ihren Vorgesetzten, Stadtpräsident Alec von Graffenried, gelangen. Es liegt an ihm, Schaller länger im Amt zu lassen. Ob deren Wunsch bereits an ihn herangetragen worden sei, möchte er nicht sagen: «Kein Kommentar», sagt er auf Anfrage. Er begründet dies damit, dass er erst kurz im Amt sei. Für ihn habe es Priorität, sich um die Nachfolge für den Ende Juni in den Ruhestand tretenden Peter Tschanz zu kümmern. Dieser ist Generalsekretär der Präsidialdirektion. «Der will nämlich nicht länger arbeiten», so von Graffenried. Es lässt sich nur spekulieren, wie Graffenried entscheiden wird. Im Wahlkampf um das Stadtpräsidium sparte er aber nicht an Kritik am städtischen Kulturamt. In einer schriftlichen Umfrage von Berner Kulturverbänden kritisierte er, das Kultursekretariat lasse «bisher oftmals eine klare Linie vermissen, es fehlt an einem Konzept». Zudem schrieb von Graffenried, dass «Gesprächsverweigerung und Abschottung» keinen Platz in der Abteilung hätten.

Weiterarbeiten wäre möglich

Das Personalreglement der Stadt erlaubt es unter drei Bedingungen, Mitarbeiter auf Gesuch hin auch über das 63. Altersjahr hinaus zu beschäftigen. Einerseits muss die Weiterarbeit einem «dienstlichen Bedürfnis entsprechen», weiter muss die letzte Gesamtbeurteilung «gut oder sehr gut» ausgefallen sein, und der Mitarbeiter muss über die nötige medizinische Tauglichkeit verfügen.

Diese Vorschriften könnten sich bald ändern. Denn der Gemeinderat möchte das Pensionsalter der städtischen Mitarbeiter im Zuge der Revision des Personalreglements flexibilisieren oder erhöhen. Allerdings ist dieses Geschäft umstritten. Die SP etwa wehrt sich in ihrer Stellungnahme gegen die Erhöhung des Rentenalters. Es bestehe kein Bedarf nach einer Erhöhung auf 65 Jahre, da es heute möglich sei, auf Antrag bis dahin zu arbeiten, heisst es im Schreiben der SP, das sich allerdings nicht auf Schaller bezieht, obwohl diese SP-Mitglied ist. Das Rentenalter ist generell ein heisses Thema in der Stadtpolitik.

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