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SBB stellen sich gegen Notbrücke ins Wylergut

Ab April 2016 bleibt die Scheibenbrücke beim Wylerbad 16 Monate lang unpassierbar. Die SBB will keinen temporären Steg bauen.

Die Tage der alten Scheibenbrücke beim Wylerbad sind gezählt. Die SBB wollen währen der 16-monatigen Bauphase keinen Steg für Fussgänger erstellen.
Die Tage der alten Scheibenbrücke beim Wylerbad sind gezählt. Die SBB wollen währen der 16-monatigen Bauphase keinen Steg für Fussgänger erstellen.
Adrian Moser

Die Scheibenbrücke zwischen dem ­Wylerbad und dem Breitfeld ist für das ­Wylergut-Quartier die wichtigste Verbindung in die Stadt. 1200 Fussgänger, 800 Velofahrer und Hunderte Autos passieren die Brücke jeden Tag.

Sie landen bald in einer Sackgasse: Im April 2016 wird die Gleisüberführung im Rahmen des SBB-Grossprojekts «Entflechtung Wylerfeld» abgebrochen. Die neue, verlängerte Brücke wird jedoch erst im Juli 2017 stehen. «Die Sperrung dauert ganze 16 Monate. Das ist für das Quartier nicht zumutbar», sagt Thomas Gees, Präsident der Siedlungsgenossenschaft Wylergut.

Umweg von 600 Metern

Das sehen nicht nur Quartiervertreter so. «Die Stadt verlangt von den SBB, während der Bauphase einen provisorischen Velo- und Fussgängersteg zu errichten», sagt Hans-Peter Wyss, Leiter des Berner Tiefbauamts. Doch die Stadt und die SBB konnten sich nicht einigen. Die Bundesbahnen sperren sich, den Steg zu finanzieren. Dies geht aus dem Verkehrskonzept hervor, das dem «Bund» vorliegt.

Laut dem Papier erachten es die SBB als «zumutbar», wenn die Wylergut-Bewohner auf dem Weg in die Stadt einen 600 Meter langen Umweg über die Stauffacherbrücke machen müssen. Dies betrifft auch die vielen Schwimmer, die im Wylerbad ihre Bahnen ziehen wollen.

Für die SBB ist es eine Kostenfrage: «Wir nehmen den Auftrag ernst, haushälterisch mit Steuergeldern umzugehen», sagt SBB-Sprecherin Franziska Frey. Laut gut unterrichteten Quellen belaufen sich die Kosten für den provisorischen Steg auf rund eine Million Franken. Zum Vergleich: Das Gesamtprojekt Entflechtung Wylerfeld ist mit 270 Millionen Franken veranschlagt.

Für Gees ist der Ersatzsteg nicht bloss eine Frage der Bequemlichkeit: «Es geht um die Sicherheit der vielen Schulkinder.» Auf dem Weg ins Schulturnen müssten die Kinder der engen Ausweichroute auf der Scheibenstrasse entlanggehen. «Für die Schulkinder wird der Umweg über die Stauffacherbrücke eine grosse Herausforderung darstellen», steht denn auch in der Stellungnahme der Kantonspolizei zum Verkehrskonzept.

Die Kapo spricht sich ebenfalls für den Bau eines Fussgängerstegs aus. Während der 16-monatigen Bauphase muss sich auch der Wylergut-Bus durch die enge Scheibenstrasse zwängen. Die Linie 26 wird ebenfalls über die Stauffacherbrücke umgeleitet. Autos nehmen zusätzlich die Route durch die Lorraine.

BAV als Schiedsrichter

Lärm, Dreck – und jetzt noch der lange Umweg: «Wir haben die Nase voll, ältere Personen werden regelrecht von der Stadt abgehängt», sagt Gees. Er hofft nun auf das Bundesamt für Verkehr.

Das BAV entscheidet im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens bis Ende Jahr, ob die SBB eine Fussgängerbrücke bauen müssen oder nicht. Zum laufenden Verfahren kann sich BAV-Sprecherin Olivia Ebinger nicht äussern. Ob ein 600 Meter langer Umweg zumutbar sei oder nicht, könne man nicht generell beurteilen. «Das ist eine Güterabwägung, jeder Fall wird individuell beurteilt», so Ebinger.

Stadt zerrte SBB vor Gericht

Die Meinungen zwischen den SBB und der Stadt Bern gehen nicht nur punkto Fussgängersteg auseinander. Wer wie viel an den Neubau der 11,5 Millionen Franken teuren Scheibenbrücke zahlen muss, ist noch offen. Ursprünglich sollte die Stadt 1,8 Millionen übernehmen. «Die Verhandlungen mit der Stadt laufen noch», so Frey.

Bereits beim Neubau der Polygonbrücke 2013 war der Berner Gemeinderat juristisch gegen die SBB vorgegangen («Bund» vom 29. August). Das Bundesverwaltungsgericht kam zum Schluss, dass die SBB den Löwenanteil der Baukosten von 1,8 Millionen Franken übernehmen müssen.

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