Die SBB wollen die Pendler zähmen

Test im Bahnhof Bern: Die Pendlerströme sollen sechs Monate lang getrennt werden.

Bald werden gelbe Pfeile auf dem Boden anzeigen, in welche Richtung zu gehen ist.

Bald werden gelbe Pfeile auf dem Boden anzeigen, in welche Richtung zu gehen ist. Bild: zvg

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Der Durchschnittsmensch lernt innerhalb von 16 Monaten gehen. Wie diese Fähigkeit am gesellschaftstauglichsten angewendet wird, zeigen einem die SBB ab dem 13. Juni im Berner Bahnhof. Ab dann werden dort grosse gelbe Pfeile anzeigen, auf welcher Seite in welche Richtung zu gehen ist.

Beispiel: Wer vom Schanzenlift zum Treffpunkt gelangen will, reiht sich auf der rechten Passagenhälfte ein. Was das alles soll? Die SBB wollen dadurch «Stau» verhindern.

Stau – ein starkes Wort. Der Berner Bahnhof ist nun wirklich kein Gotthard an Pfingsten. Zwar wird er täglich von 260'000 Personen durchquert, doch in der Regel lässt sich die Reisezeit von Schanzenlift bis Treffpunkt auch ohne Verkehrsinformationen abschätzen.

Nachdem die SBB ihre Kunden gelehrt haben, wie Rolltreppe gefahren und Müll getrennt wird, soll nun also der Pendlerstrom gezähmt werden.

Geregelte Flussrichtungen mögen für Ordnung sorgen, schwemmen aber Schwierigkeiten an. Was ist nun, wenn man gedenkt, nach Zollikofen zu fahren, sich stromaufwärts zum Gleis 12 treiben lässt, dort aber nicht links abbiegen kann, weil der entgegengesetzte Strom ein unüberwindbares Hindernis darstellt? Von diesem mitgerissen, wird man vielleicht erst bei Gleis 2 wieder ausgespuckt und hat keine andere Möglichkeit, als nach Romanshorn zu fahren.

«Verkehrslenker» sorgen für Ordnung

Keine Regeln ohne solche, die sie brechen. So wird es bloss eine Frage der Zeit sein, bis sich ein rüder Bahnhofrebell gegen den Strom stellt und dadurch den schönen Pendlerfluss zum Überlaufen bringt. Keine Sorge, die SBB sind dagegen gewappnet. Sogenannte Verkehrslenker sollen Aufständische auf den rechten beziehungsweisen linken Weg zurückführen.

Die Machtbefugnisse dieser «Verkehrslenker» scheinen jedoch sehr begrenzt. Sie dürfen lediglich auf Fehlverhalten aufmerksam machen. Dass sie delinquente Pendler aus dem (öffentlichen) Verkehr ziehen und ihr Halbtax oder GA einstampfen ziehen die SBB nicht in Betracht.

Für die nächsten sechs Monate ist die Personenunterführung nun Zweistromland. Danach wollen die SBB die gesammelten Erfahrungen auswerten und entscheiden, ob die Richtungstrennung der richtige Weg ist oder ob die Idee den Bach runtergeht. (Der Bund)

Erstellt: 09.06.2016, 23:16 Uhr

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