Sanierung Marktgasse: Des einen Freud, des anderen Leid

Zeitplan und Budget stimmen – die Stadt zieht ein positives Fazit. Dennoch wird von Seiten des Gewerbeverbands KMU Stadt Bern Kritik laut, dass die Stadt unnötig viel saniere.

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Vor rund fünf Monaten fiel der Startschuss für die Grossbaustelle Marktgasse. Lärm, Staub und enge Platzverhältnisse folgten. All dies ist nun bald überstanden: «Es ist ein Freudentag», sagte Ursula Wyss (SP), Direktorin Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, an einer Medienorientierung gestern. Gemeint war Donnerstag, an dem eine positive Bilanz des Bauprojektes Marktgasse gezogen wurde. Denn sowohl Zeit als auch Budget konnten eingehalten werden. Am Sonntag, 15. September, kehrt der Normalbetrieb mit Trams und Bussen in die Marktgasse zurück. Von offizieller Seite wurde vor allem die gute Zusammenarbeit von Stadt und Gewerblern gelobt. Obwohl es teils Engpässe gab, Unannehmlichkeiten entstanden und der Lärmpegel enorm hoch war, hätten alle Involvierten gut reagiert.

Positives Bild

Die Vorfreude auf die Wiedereröffnung ist bei den Betreibern der Läden unter den Lauben wohl am Grössten: Denn sie machten durch lautstarke Proteste auf sich aufmerksam. «Seit Beginn der Marktgass-Baustelle ist mein Umsatz im Durchschnitt um ein Drittel gesunken», klagte etwa Margrit Fankhauser vor rund zwei Monaten. Auch weitere Marktverkäufer und Ladenbesitzer hatten mit Umsatzeinbussen von bis zu 60 Prozent zu kämpfen. In der Folge jagte eine Sonderaktion die nächste. «Wir brauchen den Sonderverkauf, um die Liquidität zu sichern» sagte etwa Johnny Beyeler, Filialleiter von Universal-Sport gegenüber «Blick am Abend». War des Übels Ausmass nun doch nicht so gross? Denn das Bild, das an der gestrigen Medienkonferenz vermittelt wurde, gestaltete sich durchwegs positiv.

Umsatzeinbussen – aber nicht nur wegen der Baustelle

Die «teils relativ grossen» Umsatzeinbussen der Gewerbler wurden zwar erwähnt, dennoch scheint es nun im Nachhinein gar nicht so schlimm gewesen zu sein wie befürchtet. Die Situation sei für alle anspruchsvoll gewesen, resümierte Sven Gubler, Direktor von Bern City. Dies sei aber keineswegs nur wegen der Baustelle so gewesen: «Mit 50 Prozent Dauerregen fiel der Frühling relativ schlecht aus.» Hinzu komme, dass es auch jetzt im Herbst zu warm sei, um bereits Wintermäntel zu kaufen. Dies habe ebenso zu teilweise hohen Umsatzeinbussen geführt. Insgesamt sei die geleistete Arbeit jedoch lobenswert. So optimistisch sehen es aber lange nicht alle. Thomas Balmer, Präsident des Gewerbeverbandes KMU Stadt Bern, ist nach wie vor nicht zufrieden mit dem Arbeitsumfang, der in der Marktgasse geleistet wurde.

«Unnötiger Perfektionismus»

«Ich halte an meiner ursprünglichen Ansicht fest», sagte Balmer auf Anfrage. Diese war, dass die Stadt unnötig viel saniere. Denn die Problematik sei, dass die unterschiedlichen Elemente eines Bauwerks immer eine unterschiedliche Lebensdauer hätten: «Die Oberfläche lebt weniger lang als die Leitungen im Untergrund», so Balmer. «Was ich kritisiert habe und nach wie vor kritisiere, ist, dass man den gesamten Untergrund aufgerissen und die Leitungen neu verlegt hat.» Dies sei noch gar nicht nötig gewesen – das hätte man auch gut in 20 Jahren, bei der nächsten Gleissanierung, machen können. «Doch die Stadt und das Tiefbauamt haben ihren unnötigen Perfektionismus weitergetrieben.» Für ihn sei das ein Zeichen seitens der Stadt, dass sie «offensichtlich einfach zu viel Geld hat, das sie ausgeben kann». Balmer ist sich sicher: Die Sanierung von Gleisen und Pflasterung allein hätten gereicht; das gesamte Unterfangen der Sanierung Marktgasse hätte deutlich weniger lange gedauert und die Geschäfte hätten somit auch weniger Umsatzeinbussen zu beklagen gehabt.

Sven Gubler weiss um die suboptimale Situation, mit der die Geschäfte in der Marktgasse zu kämpfen hatten. Er bleibt jedoch optimistisch: «Man muss teilweise in den sauren Apfel beissen. Denn eine schöne Gasse bringt uns mehr Frequenz als das Geflick, das wir bis jetzt hatten.» Er freue sich nun hauptsächlich auf das «Pflaschter-Fescht» vom Samstag, 14. September, und auf den Normalbetrieb, der am Sonntag, 15. September, wieder aufgenommen wird.

Der Bund

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