Aufgetischt

«Aufgetischt»: Saftige Burger, gesalzene Rechnung

In der Burgerbude The Butcher gibt es Hamburger so teuer wie ein Mittagsteller. Unser Testesser weiss, ob sich der Besuch dennoch lohnt.

Hippes Interieur mit authentischen Naturholztischen: Das ist Restaurant-Design nach geheimem Regelwerk.

Hippes Interieur mit authentischen Naturholztischen: Das ist Restaurant-Design nach geheimem Regelwerk. Bild: sul

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Gibt es eigentlich ein geheimes Regelwerk für dieses Restaurant-Design, das einem heute von Brooklyn über Berlin bis Bern überall begegnet? Diese weissen, leicht hervorstehenden Kacheln an den Wänden, diese nackten Glühbirnen und diese authentischen Naturholztische – mit all dem hippen Interieur schmückt sich das an der Berner Aarbergergasse neu eröffnete Hamburger-Restaurant The Butcher. Der grobschlächtige Name («Der Metzger») ist nicht an einen Horrorfilm angelehnt, sondern daran, dass das Fleisch nach gutem altem Handwerk ausgewählt und verarbeitet werde.

Ob das der Fall ist, wissen wir nicht. Aber das Fleisch kann sich wirklich sehen und schmecken lassen. Das «Hacktätschli» ist innen rosa und aussen schön braun gebraten. Auch der Hamburger drumherum kann sich mit den frischen Salatblättern und dem echten Brötchen sehen lassen. Sauce und Käse runden den Cheeseburger gut ab. Mit einem psychologischen Trick hat uns der Butcher dazu gebracht, dass wir die teurere Version des Hamburgers bestellt haben: Mit 130 Gramm Fleisch kostet er 15.80 Franken, mit doppelt so viel Fleisch 21.80 Franken. Die schwerere Version wird auf der Karte jedoch als «Original Size» bezeichnet, die leichtere als «Lady Size».

Damit ist der Hamburger bereits so teuer wie der Mittagsteller in vielen Restaurants. Doch wir möchten noch eine Portion Pommes frites dazu, was weitere 6.80 Franken kostet. Die «Butcher Fries» sind gemäss Karte mit «Butcher’s Secret Würzmix» versehen – eine in der Tat exzellente und süchtig machende Würzmischung. Zudem sind die Frites knusprig frittiert und werden in einer schmucken Retro-Zeitungs-Tüte serviert. Die Rechnung für das Mittagessen steigt weiter an, weil wir einen hausgemachten Eistee bestellen: 4 Deziliter kosten 5.80 Franken. Die nette Kellnerin kennt den Unterschied zwischen den beiden angebotenen Sorten nicht, versichert aber, dass zumindest die Standard-Variante «sehr gut» ist. Wir würden ihn schlicht «gut» nennen.

«Healthy as fuck»?

Dass man sich aufgrund der Preise in einem Zürcher Restaurant wähnt, hat einen Grund: Wir sind in einem Zürcher Restaurant. Der Butcher ist eine kleine Kette, die zum kleinen Gastroimperium von Fredy Wiesner gehört. Auch das ebenfalls in der Aarbergergasse gelegene asiatische Nooch ist Teil davon. Im Internet zeigt die Speisekarte der Butcher-Niederlassung im Zürcher Niederdorf: Die Frites sind dort zwar einen Franken teurer, die Burger dafür gar einen Franken günstiger als in Bern. Unter dem Strich zahlt man in Bern also Zürcher Preise.

Das gilt auch fürs Dessert, einen Aprikosen-Milchshake. Er kostet 7.50 Franken. Auch hier: Es ist ein geschmacklich gelungener Shake, die fruchtige Aprikosenglace kommt aus Zweisimmen – doch die Menge ist für den Preis eher bescheiden. Vielleicht lautet der Slogan des Restaurants «Healthy as fuck», weil sich die meist jungen Gäste aus Budgetgründen mit ihrer Konsumation zurückhalten müssen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.11.2016, 08:13 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Burger, Salate, Desserts und Alkoholika.

Preise: Vergleichsweise teuer.

Kundschaft: Jung, aber verdienend.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag
11 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag
11 bis 2 Uhr, Sonntag 16 bis 23 Uhr.

Adresse: The Butcher, Aarbergergasse 36, 3011 Bern, www.butcher.ch, Tel. 031 555 02 60.

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