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«Risiken können minimiert werden»

Der Sicherheitsexperte Beda Sartory vertraut den Veranstaltern, dass sie die nötigen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Besuchern rät er, Ungewöhnliches zu melden.

Gewissenhafte Gepäckkontrolle am diesjährigen Greenfield Openair in Interlaken.
Gewissenhafte Gepäckkontrolle am diesjährigen Greenfield Openair in Interlaken.
Peter Klaunzer, Keystone

Herr Sartory, in der Schweiz gab es noch nie einen Terroranschlag. Dennoch gehen viele mit einem mulmigen Gefühl an Grossanlässe. Ist das nicht irrational? Diese feigen Terroranschläge machen uns betroffen und lösen Ängste aus. Es ist verständlich, dass bei vielen Menschen ein mulmiges Gefühl aufkommt und sie verunsichert sind. Das Terrorrisiko ist auch bei uns in der Schweiz vorhanden, wenn auch nicht in gleichem Umfang wie in andern grösseren europäischen Staaten. Trotzdem hätte ich nicht speziell Angst, an einem Grossanlass teilzunehmen. Ich vertraue darauf, dass die Veranstalter die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Bei den Massnahmen geht es in erster Linie um subjektives Sicherheitsempfinden. Attentäter finden doch immer eine Möglichkeit. Richtig, die absolute Sicherheit gibt es nicht. Durch gezielte Massnahmen können aber die Risiken reduziert werden. Auch potenzielle Täter nehmen eine Beurteilung vor und schätzen das Risiko genau ein, ob sie an der Tat gehindert werden oder ihre Ziele nicht erreichen.

Zu welchen Massnahmen rieten Sie etwa einem Open-Air-Festival? Wichtig ist, dass genügend gut geschultes Personal vorhanden ist. Dieses muss in der Lage sein, verdächtige Personen zu erkennen. Auch Grössenbeschränkungen beim Gepäck sind sinnvoll. Die Veranstalter sollten in jedem Fall unter Beizug der öffentlichen Sicherheitsorgane Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr ein Sicherheitskonzept erstellen. Darin muss die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Sicherheitsorganen im Fall eines Ereignisses enthalten sein.

Gibt es auch ein zu viel an Sicherheitsmassnahmen? Man kann durchaus übertreiben. Die Kunst besteht darin, die Risiken richtig einzuschätzen und die richtigen und zweckmässigen Massnahmen zu treffen. Als Besucher eines Grossanlasses darf ich erwarten, dass ein verantwortungsbewusster Veranstalter dies professionell gemacht hat.

Während des Champions-League-Finals kam es in Turin zu einer Massenpanik. Können Sicherheitsvorkehrungen so etwas verhindern? Ja, auf jeden Fall. Auch dafür gibt es Richtlinien und Hilfsmittel. Diese sind nicht erst seit der verheerenden Massenpanik 2010 an der Loveparade in Duisburg bekannt. Sie werden aber leider von den Veranstaltern nicht immer genügend ernst genommen.

Grossveranstalter argumentieren mit dem Wohlbefinden der Gäste gegen zusätzliche Massnahmen. Aber geht es letztlich nicht einfach ums Geld? Es trifft sicher beides ein Stück weit zu. Sicherheit kostet Geld, ist aber notwendig. Das Sicherheitsbewusstsein und das Verständnis für Sicherheitsmassnahmen sind aber gestiegen. Unverändert geblieben ist aber die Verantwortung des Veranstalters. Das sollte nie vergessen werden.

Was raten Sie Besuchern von Grossveranstaltungen? Sie sollten aufmerksam sein, Ungewöhnliches melden, eigenverantwortlich handeln. Wer aber persönlich Angst hat, sollte solche Anlässe meiden.

Der ETH-Experte Mauro Mantovani empfahl im SRF-«Club», bei Grossanlässen immer die Situation zu analysieren, Notausgänge im Blick zu halten, die Umgebung nach unbeaufsichtigten Gegenständen abzusuchen und Personen, die sich seltsam verhalten, im Blick zu behalten. Was halten Sie davon? Das ist völlig richtig.

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