Restaurant «Felder» wohl bald Geschichte

Das traditionelle Restaurant «Felder» geht bald zu, das Haus wird verkauft – zu einem hohen Preis. Das Quartier befürchtet eine weitere Verteuerung der Lorraine.

Wirtin Yvonne Schaad will ihre Beiz in der Lorraine verkaufen.

Wirtin Yvonne Schaad will ihre Beiz in der Lorraine verkaufen.

(Bild: Manu Friederich)

Es gehört zu den besten Spunten der Stadt Bern. Dies zumindest konstatiert der «Bund» bereits vor einem Jahr in seiner Reihe zu Berns traditionellen Beizen. Doch mit dem Restaurant Feldschlösschen im Lorrainequartier, besser bekannt als «Felder», ist bald Schluss. Das Restaurant steht zum Verkauf. Wie das Handwerkerstübli oder die Sandwich-Bar ist der Felder ein weiterer Beleg für das Beizensterben in der Lorraine.

Der Verkauf des Felders offenbart sich auch als Zeichen eines anderen Phänomens in der Lorraine: der schleichenden Aufwertung vom Arbeiter- zum Trendquartier – mit seinen zunehmend steigenden Mieten für die Wohnungen. Denn auch wenn das Haus eine Sanierung nötig hat, beträgt der Verkaufspreis immerhin 1,5 Millionen Franken, wie die «Berner Zeitung» kürzlich publik machte. Trotz des hohen Preises sind bis jetzt 15 Bewerbungen bei der Verkäuferin, der Immobilienverwaltung Von Graffenried AG, eingegangen. Mehrere Kaufangebote lägen sogar über dem Richtpreis von 1,5 Millionen, wie aus einer E-Mail der Verwaltung an die interessierten Käufer hervorgeht. Das Schreiben liegt dem «Bund» vor. Darin steht weiter, dass die Liegenschaft allerdings bereits einem der Bewerber zugesprochen wurde. Dabei sei nicht nur der Preis entscheidend gewesen, wem die Liegenschaft verkauft würde. Die Firma wolle zudem berücksichtigen, dass die Betreiberin Yvonne Schaad das Restaurant mindestens zwei Jahre weiterführen und für diese Zeit in der dazugehörigen Wohnung bleiben könne.

«Eine Beiz bringt mehr»

Dass Yvonne Schaad den Felder noch zwei Jahre betreiben können soll, könnte dem Engagement des Vereins «Läbigi Lorraine» verbucht werden. Der Verein hat eine Petition eingereicht, worin die Stadt Bern aufgefordert wird, sich für den Erhalt des Felders einzusetzen. «Eine Beiz bringt dem Quartier viel mehr als eine Künstlergalerie», sagt Viktor Hirsig, Vorstandsmitglied des Vereins «Läbigi Lorraine». Er hoffe, dass in das Haus keine weitere Galerie oder ein Designstudio einziehe. So ist zum Beispiel bei der ehemaligen Sandwich-Bar eine Webmanufaktur eingezogen. «Denn der Felder ist einer der wenigen Spelunken, die es noch gibt.»

Obwohl die Liegenschaft bereits einem Bewerber versprochen worden ist, zeigt die Stadt Bern Interesse an dem Haus. Die Liegenschaft sei von der zuständigen Direktion besichtigt und es sei ein Kaufpreis vorgeschlagen worden. Mit dem Erwerb von Liegenschaften versucht die Stadt, soziale Wohnungspolitik zu betreiben. Nur hat sie oft bei den Marktpreisen keine Chance, weil die Liegenschaften zu teuer verkauft werden. In der Länggasse wollte die Stadt auf dem Areal der Eidgenössischen Alkoholverwaltung Wohnungen bauen, konnte aber für den Kauf nur 18 Millionen aufbieten – das war nicht genug. Über die Höhe der Offerte für den Felder gibt Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) keine Auskunft.

DerBund.ch/Newsnet

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