30 Millionen für ein neues Lenker Reka-Dorf

Die Reka will ihr Feriendorf an der Lenk ersetzen. Es soll nicht nur Familien, sondern auch neue Gästesegmente ins Bergdorf locken.

Wirkt modern: Eine Visualisierung des Richtprojektes Reka-Feriendorf Lenk.

Wirkt modern: Eine Visualisierung des Richtprojektes Reka-Feriendorf Lenk. Bild: zvg

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Das Lenker Reka-Feriendorf liegt etwas abseits des Orts. Der Beliebtheit tut das aber kaum Abbruch. Vor allem bei Familien steht die Anlage mit Streichelzoo, Spielplatz und Gokart-Parcours hoch im Kurs – wie die hohe Auslastung von knapp 70 Prozent belegt. Doch die 1974 erbauten sechs Ferienhäuser sind in die Jahre gekommen. Das mindert nach und nach die Anziehungskraft; die Nachfrage sinkt. Deshalb will die Schweizer Reisekasse (Reka) das Feriendorf bis 2021 für über 30 Millionen Franken von Grund auf neu bauen.

Dass die Reka die Anlage nicht saniert, sondern abreisst und neu aufbaut, hat seine Gründe: Die Raumaufteilung entspreche nicht mehr heutigen Bedürfnissen, sagt Reka-Direktor Roger Seifritz, und es gebe zu viele verschiedene Wohnungstypen, was die Vermietung verkompliziere. Zudem beanspruchten die Gebäude zu viel Fläche. Nicht zuletzt seien die Häuser auch nicht barrierefrei. «Wir sind ursprünglich davon ausgegangen, dass die Anlage saniert wird. Doch dann haben wir festgestellt, dass das teurer gewesen wäre als ein Abriss und Neubau – und das Ergebnis wäre erst noch schlechter gewesen», so Seifritz.

Mehr Platz, mehr Service

Nicht nur an der Lenk investiert die Reka derzeit Millionen in neue Anlagen. Die Siedlungen in Scuol, Zinal, Gstaad-Rougemont und in der Toskana sind frisch renoviert, die Sanierung des Feriendorfs in Hasliberg wird derzeit geplant. Zudem beabsichtigt die Reka, in Kreuzlingen ein neues Feriendorf zu bauen – ein weiteres soll laut Seifritz folgen. Und im Tessin wird die Reka bis zum Jahr 2022 insgesamt 50 Millionen Franken investieren.

Solche Summen überraschen, zumal andere Hoteliers und Hotelprojekte Mühe bekunden, das nötige Geld zu beschaffen. «Als Genossenschaft schütten wir keine Gewinne aus, sondern können diese wieder ins Geschäft investieren», erklärt der Direktor. Zudem seien in der Vergangenheit deutlich weniger Investitionen angefallen als im Moment. Die meisten Anlagen seien zwischen den 60er- und den 80er-Jahren gebaut worden und müssten nun praktisch gleichzeitig saniert werden.

Als Hautgrund für den Erneuerungsbedarf nennt Seifritz die gestiegenen Erwartungen der Gäste. «Ein Beispiel: Früher hatte keine unserer Ferienwohnungen einen Geschirrspüler. Das geht heute nicht mehr.» Zudem würden grössere, hellere und wohnlichere Räume gewünscht.

Die Reka schraubt aber nicht nur an der Bausubstanz ihrer Feriendomizile. Sie legt auch Wert auf neue Dienstleistungen. «Es ist noch nicht lange her, dass man den Gästen beim Einchecken die Bettwäsche übergeben konnte und sie das Bett selber bezogen», sagt Seifritz. Heute gebe es immer mehr Kunden, die bereit seien, etwas zu bezahlen, damit das Bett beim Einchecken schon gemacht sei. Diesen Service bietet die Reka heute. Weitere Dienstleistungen sind angedacht. Etwa ein Pilotversuch mit Housekeeping – heute muss der Gast während des Aufenthalts selber putzen; übernommen wird nur die Endreinigung.

Für Eltern ohne Kinder

Die neuen Angebote sollen Reka-Ferien aber nicht unbedingt teurer machen. Das Basispaket bleibe sehr günstig, sagt Seifritz, dafür umfasse es nur den rudimentären Service. Wer zusätzliche Dienste beansprucht, bezahlt diese separat.

Die Reka will mit den neuen Dienstleistungen neue Gästesegmente ansprechen. Im Auge hat Seifritz vor allem Eltern, die früher mit ihren Kindern im Feriendorf waren und heute als Paar reisen. Diesen müsse man aber mehr Service bieten, sagt Seifritz: «Das ist ein Geniesser-Publikum.» Für die neue Zielgruppe braucht es auch neue Angebote. Die Reka setzt etwa auf das Bike. An vielen Standorten können bereits Velos gemietet werden und werden Touren angeboten.

Zudem passt die Reka ihre Buchungspraxis an. Der Einfachheit halber konnten die Ferienwohnungen früher nur wochenweise gebucht werden. Das ist heute noch während der Hauptsaison der Fall. In der Nebensaison sind die Mietbedingungen flexibler – allerdings nur für Buchungen per Telefon. Online kann eine Ferienwohnung weiterhin nur wochenweise gemietet werden. Dabei geht der Trend klar Richtung Kurzaufenthalte – vor allem bei Reisenden ohne Kinder. Die Reka reagiert: «Wir sind dabei, den Online-Buchungsprozess entsprechend anzupassen», sagt Seifritz. (Der Bund)

Erstellt: 26.06.2018, 07:36 Uhr

«Flucht vor der Hitze»

30 Millionen Franken will die Reka in die Erneuerung des Feriendorfs in der Lenk investieren. Wie sinnvoll ist das?
Die Reka hat mehrfach unter Beweis gestellt, dass Feriendörfer in den Bergen nach wie vor gefragt sind. Die Feriendörfer sind auch heute noch gut ausgelastet. Die Lenk zählt noch heute zu den beliebtesten Reisezielen.

Martin Barth

Dozent und Leiter des Interdisziplinären Forschungszenters am Institut für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern

Dann sind also Sommerferien in den Bergen auch heute noch ein Thema?
Ja. Nicht nur Schweizer, auch ausländische Touristen profitieren immer noch gern von dem Angebot. Allgemein beobachtet man eine «Flucht vor der Hitze». Viele Schweizerinnen und Schweizer zieht es in den Sommermonaten in die kühleren Bergregionen.

Weshalb geht dann die Nachfrage gerade auch an der Lenk zurück?
Der Standort Lenk an sich ist noch immer gefragt. Die Lenk ist attraktiv und hat viel zu bieten. Das Dorf ist die Familiendestination par excellence. Aber der Ort ist in die Jahre gekommen und benötigt dringend eine Nachfolgeinvestition. Die Reka will jedoch keine Kopie des alten Dorfs bauen. Ziel ist es, durch eine Aufwertung künftig auch andere Zielgruppen ausserhalb der Schulferienzeiten anzusprechen.

Wie wird dieses Interesse geweckt?
Erreichen kann die Reka dies beispielsweise, indem sie kleinere oder höherwertige Wohneinheiten für Pärchen oder die Zielgruppe 50-plus einrichtet. Wenn man neue Zielgruppen ansprechen will, bedarf das grundsätzlich immer auch einer Absprache mit der Tourismusorganisation vor Ort, in diesem Fall also Lenk-Tourismus und Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg. Um eine Ganzjahresdestination zu werden, müssen Angebote ausserhalb der Hochsaison geschaffen werden.

Wie sehen solche Angebote aus?
Die Leute wollen nicht nur in ihren Hotels sitzen. Deswegen braucht es Kinos, Cafés und Läden, die am gleichen Strick ziehen. Das alles existiert an der Lenk bereits, weshalb das Dorf gute Voraussetzungen hat, auch ausserhalb der Hochsaison Gäste anzulocken.

Sie sagten, die Lenk habe das alles schon. Was bleibt noch zu tun?
Die Frage ist immer: Was bietet man den Touristinnen und Touristen? Die Lenk arbeitet während der Sommerferien mit der Universität Bern zusammen und organisiert Vorlesungen. Eine weitere Möglichkeit wäre, sportliche Aktivitäten wie Biken oder Veranstaltungen zum Thema Alpkultur anzubieten. Um ein anderes Publikum anzusprechen, müssen höhere Standards erfüllt werden. Vor allem muss man den Mut haben, die neue Strategie einige Jahre durchzuhalten und nicht das ganze Projekt nach einem Jahr wieder abzubrechen. (kls)

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