Reitschule zu, Kind lebt, Sonne strahlt

Was hat die Reitschule eigentlich mit Abtreibungen zu tun?

Schon 2015 mussten die Sicherheitskräfte den Zug der Marschierenden vor Übergriffen schützen.

Schon 2015 mussten die Sicherheitskräfte den Zug der Marschierenden vor Übergriffen schützen.

(Bild: Keystone Walter Bieri)

Am 17. September findet der «Marsch fürs Läbe» in Bern statt. So heisst die Kundgebung der Abtreibungsgegner, welche «packende Lebensgeschichten» und «dynamische Musik» versprechen. Der Begriff Marsch ist allerdings irreführend. Schliesslich darf die «Lebensrechtsszene», wie sich die Abtreibungsgegner selber nennen, nicht durch die Stadt, sondern nur auf dem Bundesplatz hin und her marschieren.

Die Behörden haben den Lebensrettern lediglich eine Bewilligung für eine Platzkundgebung in Aussicht gestellt, um mögliche Konfrontationen mit Linksautonomen auszuschliessen. In den letzten Jahren, als die Veranstaltung noch in Zürich stattfand, war es jeweils zu Scharmützeln gekommen.

Die Abtreibungsgegner stellen diesen längst gefällten Entscheid nun aber in einer Mitteilung infrage. Da die Reitschule geschlossen sei, argumentieren sie, sei es «zumindest fraglich», ob die strengen Auflagen noch angebracht seien. Das leuchtet ein.

Schliesslich hatte die Reitschule stets geöffnet, wenn die Demonstrationen der Abtreibungsgegner in Zürich durch Fundamentalisten gestört wurden. Und auch die vergangenen Tage haben gezeigt: Die Schweiz, ja die Welt ist seit der Reitschul-Schliessung ein einziges Nest der Glückseligkeit.

Allerdings: Einen kleinen Denkfehler müssen sich die Abtreibungsgegner trotzdem vorhalten lassen. So findet, wenn auch kein «Bekenntnismarsch», so doch die Kundgebung der sich Bekennenden, wie erwähnt, erst am 17. September statt. Und bis dann ist die Reitschule höchstwahrscheinlich wieder offen. Schade eigentlich. Denn seit die Reitschule geschlossen ist, scheint die Sonne an jedem Tag.

Der Bund

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