Stadt zeigt Verständnis für Reitschul-Schliessung

«Wir haben keine Lust mehr, Freiraum zu sein, dem nicht Sorge getragen wird»: Die Berner Reitschule bleibt bis auf Weiteres zu. Vonseiten der Stadt zeigt man Verständnis für den Entscheid.

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Gianna Blum

Die Berner Reitschule habe ihre Türen bis auf Weiteres geschlossen, teilt die Mediengruppe am Samstagabend mit. Der Vorplatz habe sich in den letzten Jahren zum «Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Probleme» entwickelt, der ausserhalb des Einflussbereiches der Reitschule liege, so das Communiqué. Dies sei nicht zuletzt eine «Konsequenz der verfehlten Jugend-, Nachtleben-, Sicherheits-, Drogen- und Asylpolitik der Stadt Bern, des Kantons und des Bundes.»

«Für uns ist die heutige Situation untragbar und wir haben keine Lust mehr darauf, Freiraum zu sein, dem nicht Sorge getragen wird.» Der Reitschule werde eine Verantwortung übergestülpt, «die wir weder tragen können noch wollen», schreibt die Mediengruppe weiter. «Deshalb sagen wir ‹Stopp›.»

Wie ein Augenschein am Samstagabend vor Ort zeigt, sind die Türen des Kulturzentrums tatsächlich geschlossen. Dieselbe Mitteilung, die an die Medien versendet wurde, hängt auch am grossen Tor. Wie lange die selbst verordnete Schliessung dauern wird, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Gemäss der Nachrichtenagentur sda liess eine Gruppe Reitschulaktivisten vor Ort aber verlauten, kulturelle Veranstaltungen vom Samstag und kommendem Dienstag seien abgesagt. Auch das noch auf dem Programm stehende Konzert von Sun Kil Moon wurde auf Anfrage vom Sonntag abgesagt. Zudem steht bereits Ende Juli das Sommerfest der Reitschule an.

Stadt war nicht informiert

Stadtpräsident Alexander Tschäppät nahm am Sonntag nicht persönlich Stellung. Laut Walter Langenegger, dem Leiter des Informationsdienstes der Stadt Bern, kommt der Schliessungsentscheid nicht überraschend. «Eine Schliessung aus eigener Initiative war bei den Reitschulgesprächen immer wieder Thema.» Die Stadt sei aber nicht vorinformiert worden.

Für den den Entschied habe man Verständnis, so Langenegger. Die Probleme auf der Schützenmatte lasteten auf den Betreibern und machten es schwierig, den Betrieb normal zu führen. Für die Stadt sei klar, dass die Gespräche mit der Reitschule weiter laufen werden.

Sicherheitsdirektor Reto Nause sagte am Samstag gegenüber SRF, er nehme die Schliessung zur Kenntnis.

Juso unterstützt Entscheid

Die Stadtberner Juso hat in einer Medienmitteilung vom Samstagabend bereits ihr Verständnis für die temporäre Schliessung ausgesprochen. «Wenn man ständig nur kritisiert wird, ohne irgendwelche Lösungsvorschläge zu hören, dann verstehe ich den Frust der Betreiber», lässt sich Vorstandsmitglied Lukas Nyffeler zitieren.

DerBund.ch/Newsnet

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