Reitschüler sollen die Schütz aufwerten

Ein Verein aus dem Umfeld der Reitschule wird in den nächsten drei Jahren die provisorische Nutzung der Berner Schützenmatte koordinieren.

Im Sommer stets gut besucht, doch wie wird der Winter? Ab Oktober beginnt die dreijährige Zwischennutzung der Schütz.

Im Sommer stets gut besucht, doch wie wird der Winter? Ab Oktober beginnt die dreijährige Zwischennutzung der Schütz.

(Bild: zvg: neustadt.ch)

Zum vierten Mal findet derzeit auf der Schütz das Neustadtlab statt. Wieder verwandeln Bars, Konzerte und kreative Anlässe die Betonwüste während der Sommermonate in einen Ort mit grosser Anziehungskraft. Doch im Gegensatz zu den vergangenen Jahren werden dieses Jahr im Herbst nur wenig Autos auf die Schütz zurückkehren; die Stadt hat zwei Drittel der Parkplätze aufgehoben.

Stattdessen startet ab Oktober die dreijährige und ganzjährige Zwischennutzung. Seit gestern steht nun auch fest, wer dieses Experiment koordinieren soll: Der Verein «PlatzKultur» konnte die städtische Jury mit seinem Konzept überzeugen und erhielt den Zuschlag einstimmig.

Gegründet wurde der Verein von Christoph Ris und Kevin Liechti, welche beide seit Jahren in der Berner Reitschule aktiv sind. Expandiert die Reitschule nun auf die Schützenmatte? Ris winkt ab: Sie hätten sich als Privatpersonen beworben, und ihr Verein sehe sich als eine reine Vermittlungsstelle mit dem Ziel, den Platz zu beleben. «Wir werden selber keine Veranstaltungen durchführen.» Konkrete Pläne – insbesondere wie in den kalten Monaten der Platz belebt werden soll – gibt es seitens des Vereins nicht.

Klar ist einzig, dass die Schütz ein öffentlicher Platz bleiben wird, ohne Konsumzwang und fixe Eintrittspreise. Gosse konzeptuelle Veränderungen gegenüber dem aktuellen Neustadt sind demnach nicht zu erwarten. Der wesentliche Unterschied bestehe einfach darin, dass nun eine ganzjährige Nutzung geplant sei, so Ris. «Wir rufen nun alle mit Ideen und Projekten auf, sich einzubringen und mitzuhelfen.»

Das Mandat für das Platzmanagement während der Zwischennutzung hatte die Stadt Bern im Mai öffentlich ausgeschrieben. «Es handelte sich um eine Vergabe nach öffentlichem Beschaffungsrecht. Entscheidend war die Übereinstimmung mit den vorgängig definierten Vergabekriterien», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). Für die Wahl der Reitschüler sei namentlich «die Offenheit gegenüber allfälligen Interessierten sowie eine entsprechende Präsenz vor Ort ins Gewicht gefallen». Dass die beiden mit der Reitschule eng verbunden sind, sieht der Stadtpräsident nicht als Problem, im Gegenteil: «Eine gute Zusammenarbeit mit der Reitschule war sicher kein Nachteil», so von Graffenried.

Er setze nun viel Hoffnung in den Verein KulturPlatz. «Dem Verein kommt eine wichtige Scharnierfunktion zu, um aus der Schütz in den nächsten Jahren einen sicheren und attraktiven Platz zu machen». Gleichwohl trage der Verein nicht die alleinige Verantwortung dafür, dass künftig alle Probleme der Schütz – namentlich der Drogendeal – einfach verschwänden, sagt der Stadtpräsident. Christoph Ris drückt das so aus: «Die Schütz ist punkto Sicherheit ein hartes Pflaster.» Einfach ein paar Bars aufzustellen, werde nicht reichen, glaubt er. Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten aber auch klar gezeigt: «Belebung macht den Platz für alle angenehmer.»

Stadtrat hat das letzte Wort

«Dass die beiden Sieger seit Jahren in der Reitschule aktiv sind, stösst bei mir nicht auf Fundamentalopposition», sagt Tom Berger, der für die Berner Junfreisinnigen im Stadtrat sitzt. Berger kennt Ris aus dem Vorstand der Berner Bar- und Clubkommission. Im Stadtrat müssten nun aber schon noch einige Fragen geklärt werden, sagt Tom Berger. Etwa welche Projekte künftig möglich sein werden, welche Auflagen der Leistungsvertrag festhält und für was der jährliche finanzielle Beitrag der Stadt eingesetzt werden soll. Für die dreijährige Zwischennutzung der Schütz ist ein Budget von 450000 Franken vorgesehen. Wie viel davon allein für die Möblierung benötigt wird und was für künftig eingebende Projekte zur Verfügung stehen wird, liess sich gestern nicht mehr in Erfahrung bringen.

Der Bund

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