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Reiche«Materialiensammlung» für eine Kulturstrategie

«Blick von unten»: Die Berner Kulturkonferenz hat Grund­lagen für ein neues Kulturkonzept vorgelegt.

In der Progr-Aula war auch Finanzdirektor Alexandre Schmidt zugegen: Wie verwaltet die Stadt künftig ihre Kulturbeiträge?
In der Progr-Aula war auch Finanzdirektor Alexandre Schmidt zugegen: Wie verwaltet die Stadt künftig ihre Kulturbeiträge?
Adrian Moser

Finanzdirektor Alexandre Schmidt war ebenso anwesend in der Progr­-Aula wie die jüngst unter Druck geratene städtische Kultursekretärin Veronica Schaller. Aus ihren Mienen war nicht zu erraten, was sie von dem – vom Künstler Martin Beyeler im «Grobkonzept» formulierten – Vorschlag zur «Kulturstadt Bern» hielten, wonach jedem der fünf Gemeinderäte eine ­«kulturschaffende Persönlichkeit» zur Seite gestellt werde. Kultur solle ein Leitthema werden, und die Direktionen sollen über ihre Fachgebiete hinaus auch als Kulturdirektionen fungieren.

«Bewegung in der Berner Kulturdebatte», konstatiert Bernhard Giger, Leiter des Kornhausforum und einer der ­Initianten der Berner Kulturkonferenz. Die aktuelle Debatte greife deshalb tiefer, weil in der Kulturszene ein starkes Bedürfnis nach einer «Gesamtübersicht und einer Kulturstrategie» herrsche. Knapp ein halbes Jahr nach der Durchführung der 1. Berner Kulturkonferenz im Progr haben die Initianten nun Ergebnisse vorgelegt – nicht zufällig am letzten Tag der Vernehmlassung des städtischen Kulturkonzeptes für die ­Subventionsperiode 2016–2019.

Das 18-seitige Dokument vermittelt einen «Blick von unten», haben sich doch vor allem Kulturschaffende aus der freien Szene daran beteiligt. Aus der ersten Kulturkonferenz waren Fachgruppen mit insgesamt rund 40 Mitgliedern hervorgegangen, die in den letzten Monaten für ihren jeweiligen Bereich Konzeptpapiere ausgearbeitet haben. Aussagen zu einem «Allgemeinen Kulturkonzept» werden ergänzt mit Analysen zu einzelnen Themen und Sparten, die von Kulturpolitik über Bildende Kunst bis zu Theater und Festivals reichen.

Ungenügende Kulturabteilung

Da nicht alle Fachgruppen gleich vorgegangen sind, ist das Dokument relativ heterogen: Von einer eigentlichen Bestandesaufnahme über Visionen zur künftigen Kulturszene und -förderung bis zu konkreten Forderungen in den jeweiligen Sparten ist alles zu finden. So wird verlangt, dass die Abteilung Kulturelles der Stadt umgebaut werden müsse, da ihre aktuelle Organisation den Ansprüchen nicht mehr gerecht werde: «Die Fachkompetenz ist auszubauen. Die Abteilung muss den gestiegenen Ansprüchen, der Professionalisierung der Politik und der Kultur Rechnung tragen können.»

Generell müssten staatliche Stellen wegkommen von einer defensiven «Gatekeeper»-Haltung hin zu einer aktiven «Door-Opener»-Rolle. Die Stadt müsse ­zudem mehr Raum und Ressourcen für lokales Schaffen bereitstellen. Die Schaffung einer «zentralen Stelle für Raumfragen und Zwischennutzungen» entspreche, so Bernhard Giger, einem «dringenden Bedürfnis». Als zentraler Aspekt der Kulturstrategie werden Förderungsmassnahmen für alle Generationen betrachtet; weiter sei – Stichwort: Altersvorsorge – eine Sensibilisierung für die Lebens- und Arbeitssituation der Künstler vonnöten.

Arbeit und Zusammensetzung der Fachkommissionen werden ebenfalls kritisch beurteilt: Die Kommissionen müssten ihre Entscheide transparenter kommunizieren, und die Bestellung von Kommissionsmitgliedern sei künftig zwingend öffentlich zu machen. In den Fachgruppen Jazz, Musik und Tanz wird auf fehlende Konzertsäle und Bühnen von mittlerer Grösse hingewiesen. Von der Verwaltung erwartet wird auch das Setzen von deutlicheren Schwerpunkten in der Förderung. Im 18-seitigen Papier werden jedoch auch selbstkritische Töne angeschlagen: So mangle es etwa der «extrem heterogenen» freien Theaterszene an «gemeinsamem Denken».

Wie überhaupt das Auftreten der Kulturszene gegenüber den Behörden oft «zu unkoordiniert und zu verzettelt» sei. Schliesslich wird von der Abteilung Kulturelles ein Konzept für die Festivals gefordert, «um willkürliche oder rein finanziell begründete Entscheide» zu verhindern. Die Festivals seien konsequent in das reguläre Kulturangebot der Stadt einzubinden.

Obwohl die Berner Kulturkonferenz offiziell nicht zur Vernehmlassung eingeladen worden ist, haben die Initianten das «Grobkonzept» bei der Abteilung Kulturelles eingereicht.

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