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Rechte Politikerin «mit linkem Ärmel»

Die neue Ostermundiger Parlamentspräsidentin Lucia Müller «grümschelet» nicht nur im eigenen Gärtchen.

Lucia Müller musste lange auf ihren ersten Einsatz warten: Die SVP-Frau wurde bereits am 10. Dezember des letzten Jahres zur Präsidentin des Ostermundiger Parlaments gewählt, doch erst heute Abend wird sie ihre erste Sitzung leiten. Dass die Sitzung im Februar mangels Traktanden ausfiel, stört Müller nicht. «Dafür kann ich jetzt gleich doppelt loslegen.» Für Müller, die sich im Parlament regelmässig zu Wort meldet, wird es «wohl ziemlich schwierig», während dieses Jahres nicht ans Rednerpult treten zu dürfen. Einen ersten Härtetest hat sie bereits heute Abend zu bestehen: Das Parlament befindet über eine Motion, welche die Diskussion über den Zugang zu speziellen Sekundarklassen ab der 7. Klasse wieder aufnehmen will. Die Schule sei ein Thema, das ihr sehr am Herzen liege, sagt Müller. Deshalb werde es sie «hart treffen», nichts dazu sagen zu dürfen. Doch sie nimmt es mit Humor: «Ich betrachte dies als Lebensschule.»

Ausser dass sie zwischendurch auf den «Mund sitzen» müsse, habe sie sich für das Amt als höchste Ostermundigerin nicht viel vorgenommen. Es sei ihr aber ein grosses Anliegen, die Sitzungen «menschlich und fair» zu leiten. Sollte jemand vom Thema abweichen oder die Redezeit etwas zu sehr ausreizen, wolle sie ihn «freundlich ermahnen», auf keinen Fall aber «vor den Kopf stossen». Auch persönliche Beleidigungen hätten in «ihrem» Parlament keinen Platz: «Falls jemand beleidigend wird, interveniere ich.» Allerdings glaubt Müller nicht, dass dies oft nötig sein wird. Denn: Eine Stärke des Ostermundiger Parlaments sei die «Bereitschaft zum Dialog» – auch zwischen den Parteien. Und komme es trotzdem einmal zu einem Streit, sei dieser meist beim Bier nach der Sitzung wieder begraben. Für die erste Sitzung hat sich Müller etwas Besonderes einfallen lassen: «Es erhalten alle eine kleine, essbare Überraschung aus meiner alten Heimat.» Man glaubt es kaum, so breit ist ihr Berndeutsch, doch die 53-Jährige stammt ursprünglich aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden. Die Mutter dreier Kinder und Grossmutter eines Enkels kam vor über dreissig Jahren ins Bernbiet, «der Liebe wegen», wie sie sagt. Ihren Mann hatte sie bei einem Fussballmatch kennengelernt: «Nun sind wird im nächsten Monat schon drei Jahrzehnte verheiratet.» Seit 2000 ist sie in der Politik tätig, im November 2002 ist sie in das Parlament nachgerückt. Obwohl sie sich in ihrer Partei sehr wohlfühle, könne es vorkommen, dass sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen nicht gleicher Meinung sei, «gerade in den Bereichen Verkehr, Bildung und Personalwesen». Aber auch in den sozialen Fragen sei sie manchmal anderer Ansicht. Das habe wohl auch mit ihrem ursprünglichen Beruf zu tun, sagt Müller. Sie hatte einst das Seminar besucht und arbeitet heute unter anderem als Musiklehrerin. Sie bezeichne sich selber als «rechte Politikerin mit einem linken Ärmel».

Über das eigene Gärtchen hinaus

In ihrer Freizeit lebt Müller gerne ihre «kreative Vielfältigkeit», wie sie sagt. «Neben gutem Essen schätze ich vor allem klassische Musik und das Spiel mit Sprache und Farbe.» Sie bastle und nähe für ihr Leben gerne und strebe «in allen Bereichen, die mich umgeben», nach Ästhetik. Beim «Grümschele im Gärtli» könne sie jeweils so richtig abschalten. Dass Müller aber auch über das eigene Gärtchen hinausschaut, beweist das Projekt zur Verschönerung Ostermundigens, das sie derzeit plant: «Im kommenden Frühling sollen im ganzen Dorfzentrum rote Tulpen blühen.»

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