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Raus aus dem Weltkulturerbe

Führt die Organisation Bern Welcome den Berner Tourismus in goldene Zeiten? Ein Kommentar von «Bund»-Redaktor Bernhard Ott.

Japanische Touristen verbringen meist nur einen einzigen Tag in der Stadt Bern.
Japanische Touristen verbringen meist nur einen einzigen Tag in der Stadt Bern.
Peter Klaunzer

Für Touristen, Eventveranstalter und Kongressorganisatoren gibt es in Bern eine neue Anlaufstelle. Eine Handvoll Organisationen sind unter dem Dach der Holding Bern Welcome versammelt. Damit sollen Doppelspurigkeiten vermieden und der Service für die Kundschaft ausgebaut werden. Dagegen kann es eigentlich keine ernsthaften Einwände geben. Die Frage ist bloss, inwiefern Bern Welcome mehr sein kann als ein Service-Dienstleister.

Letztes Jahr haben Touristinnen und Touristen durchschnittlich 1,6 Nächte in der Stadt Bern verbracht. Diese Zahl ist in den letzten Jahren konstant geblieben. Die Logiernächte der Auslandsgäste gingen gar um 4,7 Prozent zurück. An der Logiernächtezahl der Touristen dürfte sich auch bei besserer Vermarktung kaum etwas ändern. Besuchende aus Europa, den USA oder dem Fernen Osten haben eine Stadt von der Überschaubarkeit Berns rasch besichtigt. Am ersten Tag besuchen sie die Altstadt und den Bärenpark, das Zentrum Paul Klee und allenfalls noch das Kunstmuseum, und am zweiten Tag fahren sie bereits weiter. Für längere Aufenthalte von Individualtouristen aus Europa und den USA hat Bern schlicht zu wenig zu bieten. Handelt es sich um Touristen aus China, kaufen sie ein Souvenir in der Altstadt und werden per Car zum Essen in ein China-Restaurant verfrachtet. Die Geschäfte und Beizen in der Altstadt haben in der Regel wenig davon.

Bern Welcome will nun raus aus dem Korsett des Unesco-Weltkulturerbes. Das ist löblich, und es wäre sicher wünschenswert, wenn die Stadt künftig mit sportlichen oder kulturellen Grossereignissen identifiziert würde – wie etwa die südfranzösische Stadt Avignon mit dem Theaterfestival. Grosse Illusionen sollte man sich aber nicht machen. Denn die Etablierung von Grossevents braucht Zeit. Reelle Chancen bieten sich Bern wohl eher im Kongresstourismus – zumindest wenn die multifunktionale Event- und Kongresshalle auf der Allmend einmal stehen sollte. Nebst einer Organisation wie Bern Welcome braucht es dazu aber auch den politischen Willen. Und der war bisher in Sachen Tourismus nicht immer vorhanden.

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