Radikalisierung bei Jugendlichen soll früher erkannt werden

Die Fachstelle Radikalisierung der Stadt Bern will mit einem neuen Leitfaden Schulen aufzeigen, wo und wie man rasch an Informationen und Hilfe herankommt.

Letztlich sei es nicht das Amt, sondern ein aufmerksames Umfeld, welches Radikalisierung erkenne, sagt Reto Nause (CVP).

Letztlich sei es nicht das Amt, sondern ein aufmerksames Umfeld, welches Radikalisierung erkenne, sagt Reto Nause (CVP).

(Bild: Manuel Zingg)

Die Radikalisierung junger Menschen soll in der Stadt Bern möglichst früh erkannt werden. Besonders Schulen, aber auch Angehörige oder Lehrmeister sollen besser Bescheid wissen, wie und wo man an Beratung und Hilfe herankommt. Im laufenden Jahr war die Stadt bisher mit elf Verdachtsfällen konfrontiert.

In Bern bietet die städtische Fachstelle Radikalisierung Informationen und Hilfe an. Anfragen und Erstberatungen können auch telefonisch und anonym erfolgen, um die Hemmschwelle zur Kontaktnahme zu senken.

Häufig herrsche nämlich eine gewisse Zurückhaltung, wenn es darum gehe, Hilfe in Anspruch zu nehmen, konstatierte Ester Meier, Leiterin des Amtes für Erwachsenen- und Kindesschutz, bei dem auch die städtische Fachstelle Radikalisierung angesiedelt ist, am Dienstag vor den Medien.

47 Fälle in zwei Jahren

In den vergangenen zwei Jahren wurden der Stadt 47 Verdachtsfälle von Radikalisierungen gemeldet. 20 Fälle betragen Jugendliche unter 20 Jahren, die übrigen junge Menschen im Alter zwischen 18 und 28 Jahren. Die Mehrheit der Anfragen kamen allerdings nicht von Angehörigen oder Freunden sondern von Fachpersonen wie Schulsozialarbeitenden, Lehrpersonen oder Schulleitungen, wie Meier ausführte.

Mit einem neuen Leitfaden will die Stadt Bern gerade Schulen aufzeigen, wo und wie man rasch an Informationen und Hilfe herankommt. Eine leicht vereinfachte Version des Leitfadens richtet sich an eine breitere Öffentlichkeit.

Im Leitfaden werden mögliche Merkmale einer Radikalisierung beschrieben wie etwa Veränderungen bei Vorlieben, Gewohnheiten oder äusserem Erscheinungsbild. Betroffene Personen betrachteten die Welt nur noch aus der eigenen Perspektive und definierten sich in hohem Mass über Abgrenzung von allem anderen, heisst es in dem Leitfaden unter anderem. Ein Schema zeigt auf, an wen sich Betroffene in welcher Situation am besten wenden.

Letztlich sei es eben nicht irgend ein Amt, das Radikalisierungstendenzen erkenne, sondern ein aufmerksames Umfeld wie eben Lehrpersonen, Familienmitglieder, Freunde oder Vereinskameraden, sagte der städtische Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP).

gbl/sda

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