Wieder Zoff am Egelsee

Die Bar au Lac am Egelsee im Berner Schosshaldenquartier soll auch diesen Sommer betrieben werden können. So will es die Stadt Bern.

Ob gemütliches Beisammensein in der Bar au Lac auch diesen Sommer wieder möglich sein wird, steht in den Sternen.

Ob gemütliches Beisammensein in der Bar au Lac auch diesen Sommer wieder möglich sein wird, steht in den Sternen.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Carlo Senn@derbund

Der Streit um die Bar au Lac am Stadtberner Egelsee geht in die nächste Runde. Wie die Stadt Bern am Donnerstag mitteilte, will sie auch im kommenden Sommer ein Café betreiben lassen. Dies im Rahmen einer Zwischennutzung als Gastronomiebetrieb. Die Stadt – zuständig dafür ist SP-Gemeinderätin Ursula Wyss – begibt sich damit auf heikles Terrain: Anfang 2018 bekamen Gegner des Cafés recht; sie hatten Einsprache gegen die städtische Bewilligung erhoben.

Die Volkswirtschaftsdirektion von Regierungsrat Christoph Ammann (SP) teilte Anfang Jahr mit, dass die Bar au Lac nicht als Festwirtschaft hätte gelten dürfen (der «Bund» berichtete). Dies begründete der Kanton unter anderem damit, dass ein Betrieb, der täglich länger als 14 Stunden geöffnet sei, nicht den Charakter einer Festwirtschaft habe.

600 Unterschriften dafür

Nun verfolgt die Stadt eine andere Strategie und möchte das Quartiercafé als regulären Gastronomiebetrieb führen lassen. Dafür muss die entsprechende Liegenschaft beim Egelsee umgebaut werden. Der Gemeinderat spricht dafür einen Kredit von 239'000 Franken, um eine Lüftungsanlage und hindernisfreie Toiletten einzubauen sowie die Liegenschaftsentwässerung zu sanieren. Das neue Angebot sei im Quartier auf grosses Interesse gestossen, schreibt die Stadt in der Mitteilung. Dies würden unter anderem die rund 600 Unterschriften belegen, die Quartierbewohnerinnen und -bewohner «innert kurzer Zeit für die Weiterführung des Cafés gesammelt hatten». Einzig die Kosten für die gesamte Kücheninfrastruktur und das Mobiliar trage der Café-Betreiber selbst, teilt der Gemeinderat mit.

«Bewilligung nicht möglich»

Doch ob das Café im Sommer wirklich öffnen wird, ist unklar. Denn das neue Vorgehen ermöglicht es den Gegnern, gegen die Pläne der Stadt Einsprache zu erheben. Der Widerstand ist bereits spürbar. Und er kommt, wie schon letztes Jahr, vom Angelfischer-Verein Stadt Bern. Yvonne Prieur vom Vorstand des Vereins – dort ist sie als Egelseeobfrau tätig – fühlt sich vor den Kopf gestossen: «Das Vorgehen der Stadt ist befremdlich.» Der Entscheid der Volkswirtschaftsdirektion werde von der Stadt «einfach ignoriert». Deshalb geht Prieur davon aus: «Eine Bewilligung des Gesuchs ist gar nicht möglich.»

Prieur ist auch unzufrieden mit der Kommunikation zwischen der Stadt und dem Angelfischer-Verein. Obwohl man mit dem Stadtpräsidium in Kontakt stehe, erfahre man erst durch die Medienmitteilung von den Plänen. Ob der Verein Einsprache erheben wolle, lässt sie noch offen.

Die Stadt beurteilt die Situation anders. In einem Mitwirkungsverfahren mit Bewohnern und Quartierverein habe die Stadt festgestellt, dass ein Bedürfnis für ein Café an diesem Standort bestehe, sagt Christoph Schärer, Leiter von Stadtgrün Bern. «Die Gegner des Cafés waren damals klar in der Minderheit gewesen», sagt er. Zudem hat der Betreiber mit Absprache der Anwohner ein paar Anpassungen am Konzept des Gastrobetriebs vorgenommen.

Längere Zwischennutzung

Bis auf der Liegenschaft beim ehemaligen Entsorgungshof an der Muristrasse erneut Gäste bewirtet werden können, dürfte es also noch eine Weile dauern. Selbst der Betreiber, Micha Flach von der Caffè Bar Sattler im Länggassquartier, rechnet nicht damit, die Bar zum Sommeranfang bereits eröffnen zu können. Zunächst müsse nun ohnehin das Bewilligungsverfahren gestartet werden. Dennoch ist Flach froh um die Unterstützung der Stadt: Es sei letztes Jahr «sehr schön gewesen», sagt er. Deswegen möchten sie das Café erneut betreiben. Flach ist überzeugt, auf den Rückhalt im Quartier zählen zu können: «Das ganze Quartier hat uns geschätzt.» Man stehe jedoch noch ganz am Anfang, betont er. Und etwas vergisst er nicht zu erwähnen: «Viele Fischer des Vereins waren im letzten Sommer auch zu Besuch im Café.»

Über Zwischennutzungen im ehemaligen Entsorgungshof wird diskutiert, weil die Stadt Bern frühestens 2022 eine neue, reguläre Nutzung plant. Wie genau diese aussehen wird, ist noch unklar.

Der Bund

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