Quartierbewohner wollen Baupläne der chinesischen Botschaft stoppen

China will die Villa Bomonti im Berner Kirchenfeldquartier in ein Bürogebäude umwandeln. Anwohner befürchten negative Auswirkungen und haben Einsprache erhoben.

Die Villa Bomonti im Berner Elfenauquartier gehört zur chinesischen Botschaft.

Die Villa Bomonti im Berner Elfenauquartier gehört zur chinesischen Botschaft. Bild: Franziska Rothenbühler

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Wer nach China reisen will, muss wohl künftig zuerst bei der Villa Bomonti im Berner Kirchenfeldquartier haltmachen. Die chinesische Botschaft hat das historische Gebäude, das an die Botschaft angrenzt, erworben, da sie mehr Platz braucht. Das passt den Quartierbewohnern aber gar nicht: Die Liegenschaft steht nämlich in einer Wohnzone, die Einrichtung von Büroräumen ist nicht vorgesehen. Die Chinesen haben die Stadt daher um eine Ausnahmebewilligung ersucht. Sowohl die Quartierkommission Quav4 als auch der Kirchenfeld-Brunnadern-Elfenau-Leist (KBEL) haben dagegen Einsprache erhoben.

Stacheldraht verhindert

Dass eine Quartierkommission Einsprache erhebt, zeigt: Es geht um Grundsätzliches. Die Organisationen nehmen ein Mandat der Stadt wahr und setzen sich nicht direkt für Einzelinteressen von Anwohnern ein. Es sind denn auch zahlreiche Vorwürfe, die die Einsprechenden an die Adresse der Chinesen erheben. Dabei geht es zunächst um die Verträglichkeit zwischen Botschaft und Wohnquartier. So seien die für die Sicherheit von Botschaften erforderlichen baulichen und technischen Eingriffe in «keiner Weise kompatibel mit einem wohnlichen und kinderfreundlichen Wohnumfeld». Dies geht aus der Einsprache der Quav4 vor, die dem «Bund» vorliegt.

Zwar konnte sich die Quartierorganisation mit den neuen Eigentümern in einem früheren Verfahren darauf einigen, dass die Gebäudemauern nicht mit Nato-Stacheldraht erhöht werden sollen. Bisher habe man aber keine Zusicherung erhalten, dass der Durchgang, der zwischen den beiden Grundstücken verlaufe, weiterhin öffentlich begehbar bleibe. Aber auch die Bautätigkeit der Chinesen ist den Anwohnern ein Dorn im Auge, wo doch noch gar nicht feststehe, ob sie die Räume überhaupt zu Bürozwecken nutzen könnten.

Chinesen verweigern Zutritt

Tatsächlich sind die Bauarbeiten schon mehrere Wochen im Gang. Nötig und bereits bewilligt sind Renovationsarbeiten etwa bei den Badezimmern und der Isolation. Die Villa Bomonti gehört aber gemäss der Haager Konvention zu den schützenswerten Kulturgütern. Änderungen der Bausubstanz sollen somit dringend vermieden werden. «Wir befürchten, dass aber genau solche baulichen Veränderungen stattfinden», sagt Leist-Präsidentin Anna Schafroth.

Das städtische Bauinspektorat wollte sich die Situation vor Ort anschauen. Das Problem: Die chinesische Botschaft hat den Zutritt zur Villa verweigert. Dies bestätigt Stadtbauinspektor Martin Baumann. «Wir wurden vor Ort empfangen, betraten aber keine Innenräume.» Ein entsprechendes Gesuch wolle man einreichen. Die Befürchtung der Anwohner teilt man nicht: «Vonseiten der Botschaft wurde uns bestätigt, dass nur Arbeiten im Rahmen der erfolgten Bewilligungen ausgeführt werden», sagt Baumann.

Auf eine Ausnahme folgen weitere

Das stört Leist-Präsidentin Schafroth. Im Quartier wünsche man sich mehr Einflussmöglichkeiten der städtischen Behörden auf solche Vorgänge. Sie spricht von einer «Salamitaktik» der Botschafter: «Ist ein Umwandlungsprozess einmal in Gang gesetzt, werden von den Botschaftern ständig neue Forderungen nachgereicht», sagt sie. Diese könnten dann als logische Folge der erteilten Bewilligung zur Umnutzung dargestellt und mit oder ohne Bewilligung einfach umgesetzt werden. «So ist es kaum möglich, die Auflagen der Bau- und Nutzungsordnung tatsächlich durchzusetzen», sagt sie.

Ausnahmebewilligungen für Bauvorhaben der Botschafter scheinen in der Stadt Bern Regelcharakter zu haben. Könnte man hier den Hebel ansetzen? «Gemäss Praxis der Stadt Bern besteht die Möglichkeit, eine befristete Ausnahmebewilligung für die Dauer der Botschaftsnutzung zu erteilen», sagt Bauinspektor Baumann. Nach Aufgabe der Botschaftsnutzung muss die Villa wieder der Wohnnutzung zugeführt werden. Die chinesische Botschaft wollte die Anliegen der Quartierbewohner auf Anfrage des «Bund» nicht kommentieren und verwies auf das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten. Dort heisst es, die Botschaft sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich um ein geschütztes Bauwerk handle und bei den Arbeiten entsprechende Normen einzuhalten seien.

(Der Bund)

Erstellt: 22.06.2018, 06:40 Uhr

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