Quartierbeiz mit viel Action

Das Restaurant Luna Llena im Berner Breitenrain hat eine bewegte Geschichte. Mittags ist es ruhig und das Menu lauwarm.

Lamm-Gyros mit Hummus und Reis, mittags im Luna Llena.

Lamm-Gyros mit Hummus und Reis, mittags im Luna Llena. Bild: mdü

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Luna Llena ist eine Quartierbeiz. Und doch kennt man das «Breitsch»-Lokal in ganz Bern. Der junge Berner Dichter Christoph Simon hat dem Sammelbecken für «Stempelbrüder, Strauchdiebe, Klatschweiber, Provinzintellektuelle, Kloträumerinnen, Frevler, Zimtzicken, Exmänner, Hafturlauber . . .» 2003 ein literarisches Denkmal gesetzt: «Luna Llena», spanisch für Vollmond.

Dort passiert immer etwas. So liess sich der frühere Stadtpräsident an einem feuchtfröhlichen Abend von einer Band zum Mitsingen grenzwertiger Texte hinreissen. Ein früherer «Aufgetischt»-Autor kam nicht umhin, das kurz zurückliegende Ereignis in der Gastrokritik anzusprechen («Bund» vom 10. April 2010). Er hat übrigens später ein biografisches Buch über die Familiendynastie jenes Politikers mitverfasst.

Erschreckendes spielte sich im Lokal ab, als ein paranoider Mann einem Bekannten abpasste und einen Hammer auf dessen Kopf haute – zum Glück nicht mit letalen Folgen. Erich Hess, der polarisierende SVP-Politiker, verirrte sich letztes Jahr in die Beiz, wo ihm ein Gast «mit feurigem Blick» ein Bier über den Kopf schüttete, worauf Hess das Etablissement verliess, in dem sich sonst eher das Juste-Milieu aus dem «Breitsch» tummelt. Und unlängst hat ein Autofahrer offenbar absichtlich zwei Männer vor dem Lokal angefahren. Wofür die Beiz nichts kann.

Bei unserem Besuch ist – wie vermutlich fast immer – die Lage völlig entspannt. Die Tische sind besetzt. Es gibt Zmittag. Vier Menüs werden angeboten: ein Lammgyros-Teller mit Reis und Fladenbrot (Fr. 21.50), Hohrückensteak mit Pommes soufflés, Erbsli und Rüebli (Fr. 22.50), Falafel mit Reis und Fladenbrot (Fr. 17.50) und der Gnocchi-Teller mit Rohschinken (Fr. 17.50). Zu allen Menüs gibts einen grünen Salat. Die Bestellung nimmt ein flotter Kellner mit Mütze entgegen, der irgendwie an Che Guevara erinnert. Gebracht werden die Speisen von einer bunt gekleideten fröhlichen Kellnerin mit einer Laufmasche im Strumpf.

Der Salat besteht aus Ruccola, Nüssli und anderen Salatsorten, Maiskörner sorgen für einen farblichen Kontrast. In einem Brotkörbchen wird ein wohlduftendes dunkles Brot gereicht, wobei die Rinde zum Teil etwas dunkel (fast schwarz) gebacken ist. Der Begleiter – man darf einmal eine Ausnahme machen – wählt die Gnocchi. Dort, wo er sonst lebt, gebe es diese Speise nicht. Die italienischen Klösschen werden an einer Aurora-Sauce serviert. Die «Morgenröte»-Sauce bekommt ihre Farbe dank Tomatenmark, ihre Sämigkeit dank Mayonnaise und Rahm. Der Begleiter findet es ganz gut, wenn auch nicht sensationell, vom Rohschinken ist jedenfalls kaum etwas zu spüren. Ausserdem dürfte das Gericht etwas heisser serviert werden.

Das Gleiche findet der Testesser bei seinem Lammgyros-Teller. Weder das würzige Fleisch noch das Reishügelchen sind wirklich heiss. Der Teller sieht hübsch aus mit den Zwiebeln und den geschnittenen Peperoni, gut schmeckt das Kichererbsenmus Hummus. Erfreulich ist der kräftige Ripasso Valpolicella (Fr. 6.80/dl), der preisgünstigere Bruder des gehypten Amarone. Die Dessertkarte ist klein: «Che» empfiehlt Nussgipfel oder Glace. Der Testesser nimmt Letzteres, Fairtrade-Bio-Mango, laktosefrei, glutenfrei, vegan, hergestellt im Haus, serviert im Karton-Becherli (Fr. 3.80). Schliesslich wurzelt die Beiz in einem bescheidenen Glacestand von 1993 vor dem Marzilibad. Das Glace schmeckt gut.

Wo ist das WC? Draussen im Hof, in einem Mobitoil – derzeit wird umgebaut. Das laute Geräusch vor dem Mittag stammte also nicht von einem martialischen Küchenmixer, sondern von einem bohrenden Handwerker. (Der Bund)

Erstellt: 25.03.2017, 08:22 Uhr

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Karte: Mittags schweizerisch und mediterran, abends Tapas und Focaccia, Fairtrade-Bio-Glace, Sirup vom Biohof und Le Sirupier.

Preise: Günstige Mittagsmenüs ab Fr. 17.50 (eins davon immer vegetarisch).

Kundschaft: Juste-Milieu aus dem Breitsch, Arbeiter mit Doppelmeter im Übergwändli, Heimwehbrasilianerinnen, Konzertpublikum.

Öffnungszeiten: Mo–Fr 8.30–24 Uhr;
Sa 10–24 Uhr, So 11–24 Uhr.

Adresse: Gelateria Restaurant Bar Luna Llena, Scheibenstrasse 39, 3014 Bern, Telefon: 031 333 84 48;

Mail: info@lunallena.ch;

Internet: www.lunallena.ch

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