Schliesslich blieb nur das Grounding

Für Publibike hat sich am Wochenende die Situation in Bern derart zugespitzt, dass die Firma die übrig gebliebenen Fahrräder einsammelte und das System herunterfuhr.

Die Verleihvelos kommen ins Depot. Publibike reagiert auf die zahlreichen Diebstähle und zieht alle Fahrräder ein.

Die Verleihvelos kommen ins Depot. Publibike reagiert auf die zahlreichen Diebstähle und zieht alle Fahrräder ein. Bild: Enrique Munoz Garcia

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Der Betreiber des Berner Veloverleihsystems Publibike musste seine Fahrräder nun doch einziehen. Dies bestätigte die Medienstelle von Postauto gestern Sonntag. Die Schlösser der Verleihvelos sind fehlerhaft und lassen sich mit einem einfachen Trick öffnen. Dies war vor einer Woche publik geworden. Seither musste das Kompetenzzentrum Arbeit die entwendeten Bikes immer wieder einsammeln. Eine Sisyphusarbeit, wie sich gezeigt hat.

Nun hat die Postauto-Tochter Publibike reagiert und die verbliebenen Fahrräder eingesammelt und in ein Depot überführt. Der Grund sei, dass sich die Situation übers Wochenende «zugespitzt» habe, wie es in einer Mitteilung heisst. «Durch die grosse Anzahl Velos, die entwendet wurden, ist es nicht mehr möglich, den Betrieb aufrechtzuerhalten.» Wie viele der ursprünglich 700 Fahrräder abhandengekommen sind, kann Publibike nicht genau sagen: «Es dürfte sich aber um einige Hundert Stück handeln.» So könne der Betrieb nicht mehr gewährleistet werden. Es solle aber spätestens in zwei Wochen wieder ein «zufriedenstellendes Angebot» zur Verfügung stehen.

«Wir veruteilen diese Taten»

Die Fahrräder sollen nach und nach mit den neuen Schlössern ausgerüstet und sukzessive wieder in Betrieb genommen werden, heisst es in der Mitteilung. Die Kundinnen und Kunden will Publibike mit einem Gratismonat entschädigen. Die Stadt sei über den Schritt informiert.

Die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss nahm gestern nur schriftlich zu den Vorgängen bei Publibike Stellung. Der Betriebsunterbruch sei bedauerlich und unbefriedigend, liess sie verlauten (wir berichteten). Sie wies aber auch darauf hin, dass das Knacken der Schlösser eine Straftat sei: «Wir verurteilen diese Taten.»

Nur noch ein gutes Dutzend

Die Liveabfrage des «Bund» hatte bereits zuvor gezeigt, dass am Wochenende erneut sehr viele Fahrräder des Verleihsystems verschwunden waren. Die Zahl der Fahrräder an den Stationen hatte rapide abgenommen: Am Sonntagmorgen um 9 Uhr konnten noch etwas mehr als ein Dutzend Verleihvelos gezählt werden – an 70 Stationen. Entwendete Fahrräder werden im System nicht sofort als fehlend registriert. Ihr Verschwinden wird jeweils erst nach einigen Stunden bemerkt und schlägt sich auch erst dann in der Liveabfrage nieder.

Der Verlauf der Verlustkurve deutet darauf hin, dass gerade in der Nacht von Freitag auf Samstag besonders viele Fahrräder verschleppt wurden. Die massive Abnahme im Verlaufe des Samstags dürfte dann durch Publibike selbst verursacht worden sein, als die Firma die Velos einsammelte.

Die Grafik zeigte eine Auswertung der Live-Velozählung über die letzten Tage. Entwendete Publibike-Velos werden nicht sofort als fehlend registriert, so dass Diebstähle jeweils erst nach einigen Stunden bemerkt werden und sich dies auch erst dann in dieser Grafik niederschlägt. Trotzdem ist gut sichtbar, dass gerade in der Nacht von Freitag auf Samstag viele Velos verschleppt wurden. Die krasse Abnahme während des Samstags dürfte dann Publbike selber verursacht haben, als die Firma die Velos einsammelte.

(Der Bund)

Erstellt: 19.08.2018, 11:46 Uhr

Am Anfang waren es 700

Ende Juni hat das Verleihsystem von Publibike in Bern den Betrieb aufgenommen. Eingesetzt wurden 700 Fahrräder. Das Angebot lief gut an – bis sich zeigte, dass sich die Schlösser auch ohne App mit einem einfachen Trick knacken lassen. Das Wissen um diese «Methode» verbreitete sich rasch: Bereits am vorletzten Wochenende war rund die Hälfte der Velos ausser Kontrolle. Publibike hoffte zunächst, eine Lösung zu finden, ohne den Betrieb unterbrechen zu müssen.

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