Zum Hauptinhalt springen

«Publibike ist nun bekannt»

Seit Montagmorgen stehen in der Stadt Bern nach vierwöchigem Unterbruch wieder Leihvelos. Bis zum Donnerstag soll das System voll in Betrieb sein.

In der Werkstatt stehen die nachgerüsteten Publibikes zum Ausliefern bereit.
In der Werkstatt stehen die nachgerüsteten Publibikes zum Ausliefern bereit.
Adrian Moser
Das tun Zazif Muhaxheri und Polat zuerst in der Innenstadt, später in den Aussenquartieren.
Das tun Zazif Muhaxheri und Polat zuerst in der Innenstadt, später in den Aussenquartieren.
Adrian Moser
Zum Schluss kontrolliert Muhaxheri die Schlösser.
Zum Schluss kontrolliert Muhaxheri die Schlösser.
Adrian Moser
1 / 3

Am Bahnhof und in der Speichergasse stehen wieder zwei Reihen Publibikes. Seit Montagmorgen um Viertel nach acht verteilen Zazif Muhaxheri und Polat die Bikes in der Stadt. Nun holen sie die nächste Ladung in der Werkstatt ab. Ein paar Männer machen gerade Pause. Einer steht auf und beginnt damit, die Velos in den Transporter zu laden. «Du musst eines so und das andere so hinstellen», weist Muhaxheri den Jüngeren an und zeigt ihm, wie die Velos stehen müssen. Immer versetzt, damit sie während der Fahrt stabil stehen. Am Schluss befestigt Polat die Ladung mit einem Gurt, während Muhaxheri sich schon hinter das Steuer setzt. Die nächsten zwanzig Velos sollen auf dem Kornhausplatz stehen.

Bis Donnerstag wieder Vollbetrieb

Bis zum Montagabend sollen knapp 300 der ursprünglich 700 Berner Publibikes wieder an städtischen Stationen stehen. Lukas Rohrer rechnet damit, dass spätestens am Donnerstag wieder alle Velos verteilt sind. Er ist Betriebsleiter von Publibike Bern. Publibike hatte Ende August die restlichen Velos an den Stationen eingesammelt. Auch die entwendeten Velos wurden gesucht. Rund 100 Stück seien in umliegenden Gemeinden wie Bremgarten, Zollikofen, Kehrsatz und Wohlen gefunden worden, sagt Rohrer.

Bei der Suche hätten viele Bürger und Bürgerinnen mitgeholfen und verstreute Velos gemeldet. Kürzlich seien gar Mitarbeiter von Publibike, die auf einer Testfahrt waren, angesprochen worden. «Einer wurde fast vom Velo gezerrt.» Noch werden 33 der geklauten Fahrräder vermisst. Das letzte wurde am Samstag gefunden. Nun steht auch dieses in der Werkstatt und wartet darauf, dass auch sein Schloss geflickt wird. Hier werde sein Schloss abmontiert und von den Entwicklern so ergänzt, dass es sich nicht mehr durch eine leichte Erschütterung öffnen lasse, sagt Rohrer. Danach befestigen die Mitarbeiter von Publibike das Schloss wieder am Velo.

Unterbruch länger als geplant

Vier Wochen dauerte der Unterbruch des Berner Leihvelosystems. Denn das Nachrüsten der Schlösser, die sich erstaunlich leicht knacken liessen, dauerte länger als geplant. Die Firma habe lieber ein gutes Schloss als eine rasche, aber weniger gute Lösung gewollt, begründet Mediensprecher Urs Bloch die Verzögerung. Zudem habe man das Schloss unter anderem auf Wunsch der Stadt Bern von einem externen Institut prüfen lassen. Das habe zusätzliche Zeit beansprucht. Nun lasse sich das Schloss ohne grobe Gewaltanwendung nicht mehr unrechtmässig öffnen.

Wie gross der durch die Panne entstandene Schaden ist, kann Bloch noch nicht sagen. «Wir müssen zuerst die Kosten zusammenstellen», sagt er. Das sind zum Beispiel die nach wie vor vermissten Velos. Sie sind aber gegen Diebstahl versichert. Das Nachrüsten des Schlosses werde zumindest zum Teil vom Hersteller übernommen. «Wir hatten aber noch Zusatzwünsche, die Publibike bezahlen muss.» Den grössten Teil davon werde aber der Ertragsausfall ausmachen. «Denn das System ist in Bern sehr gut angelaufen.»

Unternehmen tragen den Schaden

Klar sei allerdings, dass für den Schaden nur die Unternehmen, nicht aber die Städte aufkommen. Und auch die Kunden erhalten für den Unterbruch eine Gutschrift von zwei Monaten auf ihrem Abonnement. Urs Bloch ist zuversichtlich, dass die Velos funktionieren und dank dem schönen Wetter auch wieder rege benützt werden. Er gewinnt der ganzen Panne sogar eine gute Seite ab: «Publibike ist nun bekannt.»

So sieht man es auch bei der Stadt Bern. Der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel ist optimistisch und glaubt, dass der das Vertrauen in das System noch vorhanden sei. «Wir sollten Publibike eine zweite Chance geben», sagt er.

Auf dem Kornhausplatz stellt Muhaxheri den weissen Transporter ab. Er und sein Kollege Polat haben dort schon zwei Veloparkplätze freigeräumt und Tafeln hingestellt. Polat steigt gleich aus, öffnet hinten die Flügeltüren und zieht eine Rampe aus. Nun stellen die beiden Männer ein Velo nach dem anderen auf den Platz. Am Schluss kontrollieren sie rasch, ob alle Räder geschlossen sind. «Tipptopp», sagt Muhaxheri und setzt sich wieder ans Steuer. Ein einfacher Test zeigt, das Schloss hält.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch