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Prozess zur Schlägerei im Mokka hat begonnen

In Thun hat am Montag der Prozess im Fall der Schlägerei vom Februar 2010 im Café Mokka begonnen. Die Urteile werden erst nächste Woche bekanntgegeben.

Der Vorfall ereignete sich im Thuner Kulturlokal Café Mokka.
Der Vorfall ereignete sich im Thuner Kulturlokal Café Mokka.

Es war ein schwarzer Abend für den Thuner Nachtclub Café Mokka: Bei einer Schlägerei am frühen Morgen des 27. Februar 2010 wurde das populäre Lokal zum Schauplatz einer brutalen Schlägerei zwischen einer Gruppe mehrheitlich aus Ex-Jugoslawien stammender Männern und vier Afrikanern. Ein 29 Jahre alter Eritreer zog sich durch Schläge auf den Kopf gar lebensgefährliche Verletzungen zu und musste notoperiert werden. Wie das «Thuner Tagblatt» berichtete, hat der Mann bleibende Schäden davongetragen: Er ist heute rechtsseitig gelähmt und geistig behindert.

Gestern begann vor dem Regionalgericht Oberland in Thun der Prozess gegen einen Mazedonier, drei Kosovaren und zwei Schweizer. Sie sollen die Schlägerei angezettelt haben. Die Männer im Alter zwischen 21 und 32 Jahren müssen sich neben den Gewalttaten im Mokka noch wegen einer ganzen Reihe weiterer Delikte verantworten – darunter Raub, Erpressung und Zuwiederhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Angeklagte mit Gedächtnislücken

Hauptangeklagter ist ein heute 32 Jahre alter Familienvater. Er hat laut Anklageschrift den Eritreer in jener verhängnisvollen Nacht «weit ausholend und mit voller Wucht» mit einer Bierflasche traktiert, auch als dieser bereits geschwächt auf einer Lautsprecherbox zusammengesunken war. Dem gebürtigen Mazedonier droht eine Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und schwerer Körperverletzung. Er sitzt seit dem Vorfall in Untersuchungshaft; drei seiner Mitangeklagten wurde der vorzeitige Haftantritt bewilligt.

Er könne sich an den genauen Tathergang «nicht erinnern», gab der Mann gestern zu Protokoll. Er wisse nur noch, dass einer seiner Kollegen mit einem Afrikaner auf der Tanzfläche des Mokka in Streit geraten sei. Als er schlichten wollte, habe ihm der Afrikaner eine Bierflasche über die Stirn gezogen. «Danach weiss ich nichts mehr», sagte er; auch nicht, ob er «ausgerastet» sei. Er sei dann wieder im Spital zu sich gekommen. Erst als ihn die Polizei am Tag darauf vernahm, habe er realisiert, was er angerichtet habe.

Neben dem Mazedonier vernahm das Gericht gestern drei weitere Angeklagte. Sie alle gaben zwar ebenfalls zu, an der Schlägerei beteiligt gewesen zu sein. Die Aggression sei aber ganz klar von den Afrikanern ausgegangen. Sie hätten lediglich «normal Party machen» wollen; «Rambazamba» habe man nicht gesucht. Auch wollte keiner der Männer gesehen haben, wie der Eritreer zu Schaden kam. Zeugen des Vorfalls sahen die Sache freilich ganz anders, wie Gerichtspräsident Thomas Zbinden schilderte: Die Angeklagten seien demnach «sehr aggressiv» aufgetreten und «wie eine Wand» auf die restlichen Clubbesucher zumarschiert. Die Gewalt sei ganz klar von ihnen ausgegangen und die Afrikaner hätten sich nur gewehrt. Diese Aussagen ähneln jenen von Mokka-Betreiber Bädu Anliker: Er sprach 2010 gegenüber den Medien von einem «gezielten Überfall» auf die Schwarzen.

Öfters Gewalt im Mokka

Anliker führt das Café Mokka seit mittlerweile 25 Jahren. Sein Club machte in den letzten Jahren mehrmals Negativ-Schlagzeilen: August 2008 wurde ein Angestellter spitalreif geschlagen, als er versuchte, einen Streit zu schlichten; 2006 verletzte ein Gast einen anderen mit einer abgebrochenen Flasche am Hals. 2003 schlugen drei Männer auf Anliker selbst ein und entrissen ihm eine Tasche mit Tageseinnahmen. «Thun ist einfach keine Insel», sagte der Mokka-Betreiber 2008 dem «Bund». Die zunehmende Gewalt im Ausgang betreffe die Stadt umso mehr, als für Jugendliche seit dem Abriss des Selve-Areals Ausgangsmöglichkeiten fehlten. Die Problemzonen konzentrierten sich nun auf die wenigen verbliebenen Lokale.

Die Verhandlung des neusten Mokka-Falls geht heute weiter. Die Urteilsverkündung wurde auf Mittwoch nächster Woche festgesetzt.

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