Elf Polizisten bei Krawallen verletzt

Rund um die Reitschule kam zu heftigen Auseinandersetzungen. Dabei gab es elf Verletzte. Der Berufsverband spricht von versuchter vorsätzlicher Tötung.

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Hanna Jordi

Am Wochenende kam es in der Nähe der Reitschule zweimal zu Krawallen zwischen Linksautonomen und Polizeikräften. Nachdem das Aufeinandertreffen von Polizei und Vermummten in der Nacht auf Samstag einigermassen folgenlos verlaufen war, war die Auseinandersetzung in der Nacht auf Sonntag heftig: Die Polizei spricht von elf verletzten Einsatzkräften.

Gegen 00.15 setzten Unbekannte auf der Schützenmattstrasse zwei improvisierte Strassensperren in Brand. Die Bilder eines anwesenden Reporters zeigen daneben vermummte Personen, die ein Transparent mit antirassistischer Parole in die Höhe halten.

Täter griffen vom Dach aus an

Wie die Polizei am Nachmittag mitteilt, kam es daraufhin zu einem schweren Krawall zwischen eingerückten Polizisten und unbekannten Tätern. Diese hätten die Polizei mit Steinen und Feuerwehrkskörpern angegriffen, heisst es im Communiqué. Dabei seien Polizisten verletzt worden, die Kantonspolizei Bern spricht von elf Betroffenen. Zur Schwere der Verletzungen gab die Kantonspolizei vorerst auf Anfrage keine Auskunft. Weitere Informationen werden für den Verlauf des Tages in Aussicht gestellt.

Auch die später eingerückte Feuerwehr ist gemäss Polizeicommuniqué von den Linksautonomen angegriffen worden. Manche hätten die Einsatzkräfte vom Dach der Reitschule aus angegriffen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummischrot ein.

Die Strasse war während der Dauer der Auseinandersetzungen blockiert. Der Betrieb in der Reitschule dagegen wurde offenbar kaum in Mitleidenschaft gezogen: Gemäss dem Bericht eines Dachstock-Besuchers verlief der Auftritt von DJ Krush ohne Unterbruch.

Keine Verurteilung von Gewalt

Bereits am Freitag hatten sich linksautonome Aktivisten zur Spontandemo eingefunden, um gegen die Anwesenheit der Polizei auf dem Parkplatz vor der Reitschule zu demonstrieren. Es kam zum Einsatz von Gummischrot, danach beruhigte sich die Situation aber wieder. Die Aktivisten hatten auf der Plattform Indymedia.org geltend gemacht, sie protestierten gegen «rassistische Kontrollen» von Drogendealern durch die Polizei.

In einem Facebook-Beitrag nehmen die Reitschulverantwortlichen Stellung zu den Vorfällen vom Wochenende. Dabei werfen Sie die Frage nach Sinn und Zweck der polizeilichen Präventivaktion auf: «Möchte eine grössere Anzahl Mitglieder des Polizeikorps [...] eher präventive Sicherheit oder Provokation vermitteln?», heisst es dort. Sie distanzieren sich überdies von Angriffen auf die Feuerwehr, die Gewalt gegen die Polizei hingegen wird nicht explizit verurteilt. «Ganz grundsätzlich appelliert die Reitschule immer wieder an die Vernunft aller Akteure und fordert den Respekt gegenüber der körperlichen und physischen Integrität unserer Mitmenschen», schliessen sie den Post.

Die Kantonspolizei Bern hat unter anderem Ermittlungen wegen Gefährdung des Lebens, Landfriedensbruch sowie Gewalt und Drohung aufgenommen. Sie sucht nach Zeugen.

Wütende Reaktion schweizerischer Polizisten

Das Wochenende bleibt nicht unkommentiert. So gab SVP-Nationalrat Erich Hess bekannt, dass er kommenden Freitag die Unterschriften für die Initiative der JSVP «Keine Steuergelder für die Berner Reithalle» einreichen wird. Er will die Schliessung der Reithalle erreichen. «Das aktuelle Wochenende hat wieder gezeigt, dass die Stadt Bern die Sicherheit rund um die Reitschule nicht im Griff hat», sagt er auf Anfrage.

Ebenfalls entrüstet über die Angriffe auf Polizeibeamte zeigt sich der Verband Schweizerischer Polizei-Beamter VSPB in einem Communiqué. «Das waren vorsätzliche Tötungsversuche!», wird darin VSPB-Generalsekretär Max Hofmann zitiert. Und: «Wacht endlich auf! Wir Polizistinnen und Polizisten haben genug von diesem rechtsfreien Raum, der toleriert und zudem mit öffentlichen Geldern der Steuerzahler finanziell unterstützt wird.»

DerBund.ch/Newsnet

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