Polizei beendete Besetzung in der Länggasse

Letztes Wochenende wurde ein Haus an der Freiestrasse in der Stadt Bern besetzt. Die Besetzung war nur von kurzer Dauer.

Dieses Haus an der Freiestrasse wurde für kurze Zeit besetzt.

Dieses Haus an der Freiestrasse wurde für kurze Zeit besetzt. Bild: Google Maps

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In der Nacht auf letzten Samstag haben sich im Haus an der Freiestrasse 54 merkwürdige Dinge zugetragen. Bewohner der Liegenschaft haben deshalb kurz vor 2.45 Uhr bei der Berner Kantonspolizei angerufen. «Uns wurde gemeldet, dass Bohrgeräusche und Hammerschläge zu hören seien», sagt Polizeisprecherin Corinne Müller. Auch von Taschenlampenlicht sei die Rede gewesen. Die Polizei rückte aus. Die Beobachtung der Einsatzkräfte vor Ort: «Mehrere Personen haben sich gewaltsam Zutritt zum Gebäude verschafft. Sie hielten sich nun im Innern auf», so Müller. Nach wie vor seien die von den Anwohnern beschriebenen Geräusche zu hören gewesen. «Das hat darauf hingedeutet, dass von Innen Türen und Fenster verbarrikadiert wurden.»

Die Besetzer seien darauf durch die Eigentümer der Liegenschaft dazu aufgefordert worden, das Haus zu verlassen. Zudem wurde eine polizeiliche Frist gesetzt, wie Müller sagt. Diese sei nicht eingehalten worden. «Da massive Sachbeschädigungen befürchtet wurden, wurde beschlossen das Gebäude zu betreten.» Dazu sei eine verbarrikadierte Tür aufgebrochen worden. «Im Innern konnten insgesamt neun vermummte Personen ohne Widerstand angehalten werden», so Müller. Sie seien für weitere Abklärungen auf eine Polizeiwache gebracht worden.

Keine Ruhe in Sicht

In einem anonymen Schreiben schildern die Besetzer ihre Sicht der Dinge. Darin geht hervor, dass zwischen den Besetzern und den Liegenschaftseigentümern schon vor der Besetzung Kontakt bestanden hat. «Der Komplex wurde von den Besitzern mehrmals als unbrauchbar für Zwischennutzungen erklärt – obwohl das Haus in einwandfreiem Zustand ist», heisst es in der Mitteilung. Das Haus würde bereits seit zwei Jahren vor sich «hingammeln». Deshalb habe man es besetzt. «Wir akzeptieren es nicht, dass in der Stadt Häuser leerstehen währenddessen viele Menschen keine Wohnung finden», so die Besetzer. Es werde auch weiterhin «keine Ruhe» geben, «solange in dieser Stadt mit Wohnraum spekuliert, dieser zu Gunsten der Oberschicht aufgewertet wird oder schlicht und einfach nicht genutzt werden darf.»

Zudem wird der Polizeieinsatz von Samstagnacht kritisiert. Es wird von einem «massiven Polizeiaufgebot am Rande der Wahnwitzigkeit» geschrieben. Der Einsatz sei völlig unverhältnismässig gewesen.

Die Polizei sieht das anders. «Es gilt aber festzuhalten, dass die Personen die Möglichkeit hatten, das Gebäude selbständig zu verlassen», sagt Müller. Dies hätten sie auf Aufforderung sowohl der Besitzer als auch der Polizei nicht getan.

(mer)

Erstellt: 04.07.2017, 14:03 Uhr

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