Zum Hauptinhalt springen

Antifa-Demo: 110 Personen angehalten

Gummischrot, Festnahmen und vier Demonstrationszüge: Am Samstagnachmittag standen sich in Bern «Antifaschisten» und die Polizei gegenüber.

Demo-Samstag in Bern: Eine Gruppe hat zur Demonstration in Verkleidung aufgerufen. Obwohl der Demo-Aufruf laut Polizei «eine grosse Mobilisierung» aufweisen konnte, folgten zumindest dieser Anweisung nur Wenige.
Demo-Samstag in Bern: Eine Gruppe hat zur Demonstration in Verkleidung aufgerufen. Obwohl der Demo-Aufruf laut Polizei «eine grosse Mobilisierung» aufweisen konnte, folgten zumindest dieser Anweisung nur Wenige.
Roland Juker
Trotzdem tolerierten die Polizisten den Aufmarsch nicht.
Trotzdem tolerierten die Polizisten den Aufmarsch nicht.
Roland Juker
Die Polizei war am Samstag omnipräsent in der Stadt Bern.
Die Polizei war am Samstag omnipräsent in der Stadt Bern.
Roland Juker
Einer von vielen: Demonstrationszug in der Länggasse.
Einer von vielen: Demonstrationszug in der Länggasse.
sie
Demonstranten am Schmiedenplatz ziehen in Richtung Zeughausgasse.
Demonstranten am Schmiedenplatz ziehen in Richtung Zeughausgasse.
spr
Der dritte Demonstrationszug in der Marktgasse
Der dritte Demonstrationszug in der Marktgasse
spr
Demonstranten in der Spitalgasse.
Demonstranten in der Spitalgasse.
spr
Der erste Demonstrationszug vor dem Burgerspital.
Der erste Demonstrationszug vor dem Burgerspital.
Roland Juker
Er setzte sich kurz nach 14 Uhr in die Gänge.
Er setzte sich kurz nach 14 Uhr in die Gänge.
zec
Dieser sah sich jedoch...
Dieser sah sich jedoch...
zec
...bald einer Front von Polizisten gegenüber...
...bald einer Front von Polizisten gegenüber...
zec
...und wurde eingekesselt.
...und wurde eingekesselt.
Die Polizisten setzen die Demonstranten des ersten Umzuges fest.
Die Polizisten setzen die Demonstranten des ersten Umzuges fest.
Roland Juker
Absperrungen sollten Schaulustige fernhalten.
Absperrungen sollten Schaulustige fernhalten.
Roland Juker
Sie setzen dabei auch auf Videoaufnahmen.
Sie setzen dabei auch auf Videoaufnahmen.
zec
Anschliessend beginnt die Polizei mit Verhaftungen.
Anschliessend beginnt die Polizei mit Verhaftungen.
hjo
Zumindest zu Beginn war die Stimmung im Kessel vor dem Kino Gotthard gut.
Zumindest zu Beginn war die Stimmung im Kessel vor dem Kino Gotthard gut.
Die Polizei führte schon im Vorfeld der Demonstrationen zahlreiche Personenkontrollen durch.
Die Polizei führte schon im Vorfeld der Demonstrationen zahlreiche Personenkontrollen durch.
Roland Juker
Auch diesen jungen Herrn traf es dabei.
Auch diesen jungen Herrn traf es dabei.
zec
Abgesperrt: Die Spitalgasse vom Bahnhofplatz aus.
Abgesperrt: Die Spitalgasse vom Bahnhofplatz aus.
zec
Auch Passanten sind vom Geschehen betroffen.
Auch Passanten sind vom Geschehen betroffen.
zec
1 / 23

Kein grosser Demonstrationszug, doch ein Katz- und Mausspiel zwischen Demonstranten und Polizisten: Der Samstagnachmittag in der Stadt Bern präsentierte sich unübersichtlich. Die «antifaschistischen» Demonstranten, welche dem Aufruf der «Revolutionären Jugendgruppe» (RJG) gefolgt sind, versuchten, das grosse Polizeiaufgebot mit kleineren, einzelnen Zügen auszuspielen. Die Kantonspolizei Bern schreibt in einer Mitteilung von einer «grossen Mobilisierung» der Demonstranten.

110 Personen wurden von der Polizei am Samstagnachmittag in der Stadt Bern angehalten und auf den Posten gebracht. Zahlreiche weitere Personen hatten sich vorher bereits einer freiwilligen Personenkontrolle unterzogen. Die schreibt die Kantonspolizei Bern in einer Mitteilung vom Sonntag. In der Nacht auf Sonntag kam es laut Polizei gegen 2 Uhr auf der Schützenmattstrasse noch zu einem Vorfall: Ein Patrouillenfahrzeug seimit Flaschen und Steinen angegriffen worden. Dabei sei das Auto beschädigt und die Scheiben eingeschlagen worden. Die Polizisten blieben unverletzt.

Während es am Nachmittag hektisch war, hatte sich die Situation in der Stadt bis am Abend beruhigt. Der öffentliche Verkehr stand zeitweise still, ab 17 Uhr fuhr er aber wieder normal über den Bahnhofplatz

Gummischrot und Festnahmen

Als letzte Aktion der Antifa hatten sich um 16.30 Uhr etwa 100 Jugendliche vor dem Migros Zähringer in der Länggasse versammelt. Sie zogen durch die Mittelstrasse Richtung Länggassstrasse. Nach kurzer Zeit stellte sich den Demonstranten die Polizei entgegen. Sie setzte Gummischrot ein, worauf sich der Umzug auflöste. Laut dem Twitter-Account der RJG kam es in der Länggasse zu Festnahmen. Gemäss der Mitteilung der Kantonspolizei sei dort auch ein Polizeiauto mit einer Stahlkugel beschossen worden.

Die Gruppe in der Länggasse war eine von vieren, die sich an diesem Nachmittag formierte. Zuvor bildete sich eine Demonstration mit etwa knapp 300 Personen am Waisenhausplatz, die durch die Marktgasse via Kornhaus in die Zeughausgasse führte – um sich beim Anblick der Polizisten in zwei Gruppen aufzuteilen und sich später aufzulösen. Auch gegen diesen grössten Zug des Tages setzte die Polizei Gummischrot ein, wie zuvor bereits auf dem Bahnhofsplatz.

Begonnen hatten die Aktionen kurz nach 14 Uhr, als eine erste Gruppe von etwa 100 unvermummten Personen versuchte, vom Baldachin Richtung Burgerspital zu ziehen. Kurz darauf wurde der Umzug eingekesselt.

Dort forderte die Polizei die Demonstranten auf, sich einer Personenkontrolle zu stellen, danach begann sie mit Festnahmen. Gegen 17 Uhr war der Platz wieder frei.

Verhaftungen vor dem Kino Gotthard (hjo)
Verhaftungen vor dem Kino Gotthard (hjo)

Kurz nach der Einkesselung formierte sich am Bahnhofplatz eine neue Demonstration. Das Transparent, das diesen Zug anführte, wurde offenbar aus dem Kessel vor dem Gotthard-Kino geschmuggelt. Die Demonstranten zogen dann via Neuengasse in die Spitalgasse, gleichzeitig zog eine andere Gruppe vom Zytglogge Richtung Bahnhof, dort wurden auch diese Demonstranten eingekesselt.

In dieser zweiten Gruppe waren laut einer Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern auch Kinder. Die Polizei habe Personenkontrollen durchgeführt. Jene Demonstranten, welche sich der Kontrolle widersetzt hätten, seien zur Polizeiwache abgeführt worden, sagte die Sprecherin weiter, die anderen hätten die «Polizeisperren ungehindert verlassen» können. Einige Demonstranten hätten versucht, die Kette der Polizisten zu durchbrechen – dabei habe die Polizei Gummischrot und Pfefferspray eingesetzt.

Zudem startete kurz nach 14 Uhr ein Umzug von Vermummten von der Reitschule aus, dieser zog sich aber schnell wieder zurück. In ihrer Bilanz schreibt die RJG von einer «Fake-Demo, um die Polizei etwas zu verwirren.»

Zusätzlich versammelten sich am Nachmittag auf der Schützenmatte kleinere Gruppen von Personen und zündeten Feuerwerk. Eine vermummte Person forderte die Demonstranten auf, sich nur in kleinen Gruppen durch die Stadt zu bewegen. Die Organisatoren kommunizierten dazwischen neue Versammlungsplätze per Twitter.

Die Polizei kontrollierte – laut Communiqué – neben den Teilnehmern der Demonstrationszüge auch 13 Personen, welche mit dem Zug angereist waren.

Grosses Polizeiaufgebot

Die Polizei war mit einem grossen Aufgebot in der Stadt präsent. Die Lorrainebrücke war am Nachmittag für den Verkehr gesperrt. Auch die Spitalgasse war vom Bahnhofplatz her abgesperrt, am Bollwerk, am Waisenhaus- und auf dem Bundesplatz als auch am Hirschengraben sind Polizisten postiert. Ein Wasserwerfer, Gitterwagen und zahlreiche Kastenwagen waren in der Stadt zu sehen. Im Einsatz standen auch Angehörige aus Polizeikorps anderer Kantone des Nordwestschweizer Polizeikonkordats, wie aus den Nummernschildern der Polizei-Mannschaftswagen zu schliessen war.

Neben den eigentlichen Demonstranten hatten sich auch zahlreiche Schaulustige in der Stadt versammelt. Die Polizei versuchte, sie mit Absperrbändern fernzuhalten.

«Massive Probleme»

Auch die RJG zieht Bilanz: «Wir konnten uns heute den öffentlichen Raum nehmen und unsere Inhalte trotz Demoverbot und massiver Polizeirepression an die Bevölkerung tragen», heisst es in einer Mitteilung vom Samstagabend.

Man habe «die Staatsmacht» vor «grosse Probleme» gestellt. Die Leute hätten es sich nicht nehmen lassen, «unbewilligt und selbstorganisiert den Antifaschismus auf die Strasse zu tragen.»

Dritte Demonstration

Es war bereits die dritte Demonstration in Bern innert gut einer Woche unter dem Label «Antifaschistischer Abendspaziergang». Vergangenen Samstag verhinderte die Polizei einen Demonstrationszug durch die Stadt. Einen Tag zuvor zogen etwa 150 Menschen via Bahnhof zur Reitschule. Die Aktivisten protestieren laut Demonstrationsaufruf gegen «den andauernden Rechtsrutsch» in der Schweiz und gegen die aktuelle Asylpolitik.

Der Berner Gemeinderat toleriert diese Demonstrationen nicht und beruft sich dazu auf das Reglement der Stadt Bern, welches diese in der Zeit vor den Wahlen verbietet.

(SDA, pkb)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch