Neuer Anlauf für Rosengarten-Bähnli

Panoramabahn statt Stolperweg: Der Erfinder des Bärenpark-Lifts hat ein privates Bahnprojekt zum Rosengarten aufgegleist.

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Hunderte Touristen und Spaziergänger kämpfen sich jeden Tag den Kleinen Aargauerstalden vom Berner Bärengraben zum Rosengarten hoch. Für Gehbehinderte und Leute mit Kinderwagen ist der holprige Spazierweg zum Rosengarten kaum zu schaffen. Die Anreise mit dem oft überfüllten 10er-Bus ist ebenfalls beschwerlich. «Der Rosengarten ist hundsmiserabel erschlossen», sagt Seilbahnexperte Roger Fridelance. Gemeinsam mit Fachpersonen hat er in den letzten Monaten ein detailliertes Projekt für ein Rosengarten-Bähnli ausgearbeitet.

Ein zentraler Punkt des 7-Millionen-Vorhabens: Es soll durch eine private Trägerschaft und nicht durch die Stadt gebaut werden. Der pensionierte Seilbahnbauer ist in Bern kein Unbekannter: Fridelance hat bereits das Bärenpark-Bähnli gebaut. Mit seiner Idee, den Schräglift entlang der Stützmauer des Bärengeheges zu führen, hat er dem Projekt nach einem jahrelangen Planungsleerlauf zum Durchbruch verholfen. Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) hatte ihn damals als Berater engagiert. «Ich unterstütze das Projekt Rosengartenbahn mit viel Wohlwollen», sagt Schmidt. Nun muss der Gesamtgemeinderat grünes Licht geben, damit Friedelance ein Projekt für einen Bau auf dem Boden der Stadt ausarbeiten darf.

Fridelance und seine Idee:

Laut gut unterrichteten Quellen wurde das Geschäft bereits an der gestrigen Gemeinderatssitzung behandelt. Das Ergebnis steht noch aus. Bereits im Herbst will Fridelance die Pläne für das Rosengarten-Bähnli beim Bundesamt für Verkehr (BAV) zur Genehmigung einreichen. Das BAV lädt darauf den Kanton, die Gemeinde Bern und weitere Beteiligte zu Stellungnahmen ein und behandelt allfällige Einsprachen.

Bähnli statt Spazierweg

Wie beim Bärenpark-Lift ist auch für die Rosengartenbahn die Linienführung ein Knackpunkt. Zusammen mit Fachpersonen hat Fridelance das Gelände beim Rosengarten genau unter die Lupe genommen. Grössere Eingriffe in den Hang sind wegen des instabilen Aarehangs tabu – ein millionenteures Fiasko wie beim Bau des Bärenparks darf sich auf keinen Fall wiederholen.

Darüber hinaus liegt der betroffene Perimeter in einer Schutzzone, wo ein Bauverbot gilt – für standortgebundene Bauten können allerdings Ausnahmebewilligungen erteilt werden. «Es gibt darum nur eine Lösung: Wir müssen das Trassee der Bahn auf den heutigen Spazierweg legen», sagt der rüstige Berner, der nur wenige Hundert Meter vom Rosengarten entfernt wohnt.

In Zukunft sollen 25 Personen gleichzeitig in einer einzigen Glaskabine vom Bärengraben zum Rosengarten hinauffahren können – und zwar im 7,5-Minuten-Takt. «Die Leute könnten die wunderbare Aussicht geniessen und Fotos machen», so Friedelance. Im gleichen Zug könnte das Laubeggquartier besser an den öffentlichen Verkehr angeschlossen werden. Eine Fahrt mit dem Bähnli soll rund zwei Franken kosten.

«Es gibt nicht Fünfer und Weggli»

Der Verlauf des Bähnli dürfte noch viel zu reden geben: Viele Berner schätzen den sanierungsbedürftigen Spazierweg auf dem Kleinen Aargauerstalden wegen der tollen Aussicht. Kommt das Bähnli, muss das Wegli weichen. «Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben. Es ist eine Interessenabwägung», sagt Fridelance dazu. Ein Ersatzweg sei bereits vorhanden.

Der offizielle Wanderweg führe bereits jetzt über den Alten Aargauerstalden (siehe Karte) und werde auch benutzt.

Per Lift in die Talstation

Weniger Aufsehen erregen dürften die Stationen: Die Talstation des Bähnli befindet sich im untersten Bereich der Car-Parkplätze beim Aargauerstalden.

Durch eine Eingangshalle, die auf der Höhe der Strasse liegt, bringt ein Senkrechtlift die Besucher zur Kabine des Bähnli. «Für die Station ist nur ein minimaler Einschnitt in den Aarehang nötig, der später wieder begrünt wird», so Fridelance.

Die Bergstation ist vor dem Restaurant Rosengarten vorgesehen. «Wir bauen eine filigrane Bahn ohne massive Stahlkonstruktionen. Es muss kein einziger Baum gefällt werden.»

Suche nach Sponsoren läuft

Das Projekt der Rosengartenbahn ist deutlich komplexer als das knapp 3 Millionen teure Bärenpark-Bähnli. Ebenso die Finanzierung: Fridelance rechnet mit Baukosten von 7 Millionen Franken (+/–20 Prozent).

Die Sponsorensuche hat bereits begonnen. Die Gelder sollen in den Verein Rosengartenbahn fliessen, dessen Gründung im Gange ist. Nun braucht die Trägerschaft eine Anschubfinanzierung von 150'000 Franken, um das Projekt zur Baureife bringen zu können.

Fridelance verfolgt einen ambitionierten Zeitplan: Läuft alles nach seinen Vorstellungen, soll das Bähnli nach einer sechsmonatigen Bauzeit bereits im Frühling 2018 fahren. (Der Bund)

Erstellt: 09.06.2016, 07:36 Uhr

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Bern-Tourismus-Direktor Markus Lergier träumt seit Jahren von einem Bähnli in den Rosengarten. 2012 lancierte er gar ein eigenes Projekt, das aber nie richtig in Fahrt kam. Zuerst habe halt der Bärenpark mit einem Lift erschlossen werden müssen, sagt Lergier heute dazu. Jetzt sei der Rosengarten an der Reihe.

Der Tourismusdirektor ist daher hocherfreut, dass Private einen neuen Anlauf für eine Rosengarten-Bahn nehmen. «Ein nachhaltig betriebenes Bähnli wäre eine Bereicherung für das touristische Angebot und ein Erlebnis für den Gast», schreibt Lergier auf Anfrage des «Bund».

Profitieren würden auch Anwohner und Gewerbler in der unteren Altstadt. Lergier schlägt zudem einen Bogen zum geplanten Hotel in der Schönburg, dem ehemaligen Post-Hauptgebäude unmittelbar neben dem Rosengarten. «Die Bahn und das Hotel wären eine touristisch perfekte Symbiose.

Gäste könnten eine neue ‹Scenic Route of Berne› vom Hotel zum Bärengraben zurücklegen.» Für Lergier wäre eine Standseilbahn das beste Transportmittel zum Rosengarten. «Bähnli haben in Bern Tradition», so Lergier mit Blick auf das Marzili- und das Gurtenbähnli sowie das Senkeltram in die Matte. (amü)


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