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Pannen, Missverständnisse und der Schwarze Peter

Jean-Louis B. wurde 2002 verwahrt. Später beurteilte eine sogenannte Gefährlichkeitskommission B. noch einmal, hielt ihn für «gemeingefährlich» und empfahl keine Vollzugslockerungen. Trotzdem wird mit B. ab Ende 2010 lockerer umgegangen.

Polizisten der Neuenburger Kantonspolizei suchen nach dem Flüchtigen. (28 Juni 2011)
Polizisten der Neuenburger Kantonspolizei suchen nach dem Flüchtigen. (28 Juni 2011)
Keystone
Ein Polizist lässt einen Spürhund an einem Gegenstand schnüffeln, der Jean-Louis B. gehört hat.  (KEYSTONE/Dominic Favre)
Ein Polizist lässt einen Spürhund an einem Gegenstand schnüffeln, der Jean-Louis B. gehört hat. (KEYSTONE/Dominic Favre)
Keystone
Auch diese Sondereinheit ist dabei: Das Lausanner Detachement d'action rapide et de dissuasion (Dard) wurde ursprünglich für Anti-Terror-Einsätze gegründet. (Archivbild 24. Juni 2010)
Auch diese Sondereinheit ist dabei: Das Lausanner Detachement d'action rapide et de dissuasion (Dard) wurde ursprünglich für Anti-Terror-Einsätze gegründet. (Archivbild 24. Juni 2010)
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23. September 2010:Das Gefängnis Bellevue in Gorgier NE hat einen Vollzugsplan für B. erarbeitet, der sechs begleitete Ausflüge vorsieht. Der Kanton Bern als Einweisungsbehörde genehmigt diesen Plan.

Dezember 2010: Der erste Ausflug verläuft ohne Probleme.

14. Januar 2011: Die Berner Behörden weisen speziell auf die Gemeingefährlichkeit des Verwahrten hin und schlagen vor, B. zwei Ausflüge aus humanitären Gründen pro Jahr zu gewähren.

23. Februar und 27. März 2011: Es finden zwei begleitete Ausflüge mit Jean-Louis B. statt.

24. Juni 2011: Am frühen Nachmittag dieses Freitags macht das Gefängnis Bellevue den Kanton Bern per Fax darauf aufmerksam, dass es für Montag einen begleiteten Ausflug mit B. plant. Das Schreiben bleibt unbeantwortet.

27. Juni 2011, 10 Uhr: Der vierte Ausflug innert sieben Monaten: B. wird begleitet von einem Freiwilligen der Heilsarmee, von einem Gefängnisbeamten und einer -beamtin. Er trägt keine Hand- oder Fussfesseln. Die Begleiter sind unbewaffnet. Gegen Mittag finden ein Spaziergang und ein Picknick statt. Ungefähr um 14 Uhr wollen die beiden Gefängnisbeamten mit B. auf dem Rücksitz ins Gefängnis zurückfahren. Plötzlich soll der Verwahrte gesagt haben, es gebe jetzt einen «Programmwechsel». Er greift die Begleiterin auf dem Beifahrersitz mit einem spitzen Gegenstand an, bevor er flieht. Am Nachmittag leitet die Polizei eine Grossfahndung ein. Erst nach drei Stunden kann sie ein Foto des Flüchtigen verbreiten. Die Identität von B. hält sie über Tage geheim.

28. Juni 2011:Die Berner Behörden betonen, sie hätten den Ausgang nicht genehmigt, da es sich um keine Vollzugslockerung handelt. Die Verantwortung liege bei der Strafanstalt. Damit beginnt ein Schwarz-Peter-Spiel zwischen den Involvierten.

29. Juni 2011: Die Neuenburger Behörden informieren über den Fall B. Sie geben den Schwarzen Peter zurück nach Bern, indem sie betonen, dass alle Schritte direkt zwischen Berner Behörden und Gefängnis Bellevue besprochen wurden. Neuenburg kündigt eine Administrativuntersuchung an. Die Suche nach B. wird abgebrochen.

30. Juni 2011: Die Polizei veröffentlicht neue Bilder. Erst jetzt hat sie erfahren, dass B. am linken Unterarm ein auffälliges Tattoo einer nackten Frau trägt.

1. Juli 2011, 10.30 Uhr: Jean-Louis B. taucht nach vier Tagen Flucht in einem Restaurant in Les Rasses im Waadtländer Jura auf, bestellt ein Bier und bittet das Personal, die Polizei zu verständigen. Kurz darauf wird er festgenommen. Er gibt an, er habe sich vor allem in Wäldern in der Gegend aufgehalten. Er kommt in das Berner Gefängnis Thorberg. Die Leitung der Haftanstalt Bellevue tritt zurück.7. Juli 2011: Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP) tritt erstmals in der Sache vor die Presse. Er kritisiert vor allem die Gestaltung des Ausflugs mit B.

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