Open Source heisst nicht unbedingt günstig

Für 13,5 Millionen Franken betreibt ein Anbieter aus St. Gallen die neue Informatikplattform der Berner Schulen.

Die Digitalisierung ist in den Schulen unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

Die Digitalisierung ist in den Schulen unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

(Bild: Franziska Rothenbühler (Archiv))

Heute stehen an den Berner Schulen jeder Klasse nur vier Notebooks zur Verfügung. Dies genügt den Anforderungen des Informatikunterrichts nicht mehr. Zudem werden auch im regulären Unterricht immer mehr Laptops und Tablets benötigt. Die Stadt Bern hat darum mit «base4kids2» ein millionenschweres Informatikprojekt gestartet.

Jetzt ist klar, wer die neue Hard- und Software liefern wird. Es ist eine Bietergesellschaft rund um das St. Galler Unternehmen Abraxas. «Sie überzeugten mit dem besten Gesamtangebot. Der Lösungsansatz und das Schulungskonzept waren einleuchtend», sagt Jörg Moor vom städtischen Schulamt.

10'000 Schüler betroffen

Abraxas arbeitet mit sogenannter Open-Source-Software. An den Berner Schulen wird derzeit noch mehrheitlich mit dem proprietären Microsoft Office gearbeitet. Über 10'000 Schülerinnen und Schüler sind von der Umstellung betroffen. Wurde die Open-Source-Lösung gezielt angestrebt? Im Stadtrat hat man darüber ausführliche Diskussionen geführt. Moor verneint. Es ging laut Moor nicht in erster Linie darum, um jeden Preis eine Open-Source-Software an Berns Schulen einzuführen.

Im Rahmen des vom Stadtrat bewilligten Projektierungskredits wurde lediglich vorgegeben, so Moor, dass im Falle von zwei gleichwertigen Angeboten, die sich auch im Preis/Leistungs-Verhältnis nicht wesentlich unterscheiden, jenes mit einer Open-Source-Software bevorzugt werden solle. Abraxas biete insgesamt das attraktivste Angebot, das zusätzlich mit Open Source arbeite. «Die Lehrpersonen werden rechtzeitig in das System eingeführt und mit den Geräten sowie mit der neuen Lernplattform vertraut gemacht», sagt Moor gegenüber dem «Bund».

Open Source nicht immer billiger

Die Software mag bei einer Open-Source-Lösung zwar gratis sein, der Support und nötige Programmanpassungen sind aber dennoch aufwendig. Die Angebote der nun unterlegenen Mitbewerber, die auf herkömmliche Software setzten, waren nämlich gar nicht teurer. «Im Hinblick auf die von uns gewählte Variante ist die eingesetzte Software zwar teurer, benutzt aber beispielsweise die günstigste Hardware und überzeugt unter anderem mit einem hochwertigen Schulungskonzept», sagt Moor. Wie sieht es nun konkret mit der Finanzierung aus? Die Kosten für die Beschaffung der neuen Informatikplattform und die Instandhaltungskosten für fünf Jahre belaufen sich auf rund 13,5 Millionen Franken. Nicht darin enthalten sind Beschaffungen und Betriebskosten weiterer notwendiger Systeme. Dies entspricht ungefähr dem Betrag, der bei einer früheren Stadtratssitzung kommuniziert wurde. «Konkrete Angaben könne man zu den Gesamtkosten aber noch nicht machen», so Moor.

Der Kredit wird zurzeit im Gemeinderat diskutiert und soll bald im Berner Stadtparlament behandelt werden. Im November wird das Volk über die Finanzierung abstimmen.

Der Bund

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