«Ohne Not sollte man das nicht tun»

Im Machtpoker zwischen den Uni-Spitälern könnte die Insel zwischen Stuhl und Bank fallen, sagt Gesundheitsexperte Heinz Locher. Daher sollte der Präsident frei sein von operativen Aufgaben.

Der Gesundheitsökonom Heinz Locher kritisiert die Insel-Gruppe.

Der Gesundheitsökonom Heinz Locher kritisiert die Insel-Gruppe. Bild: Manu Friederich

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Uwe Jochams Doppelfunktion als Präsident und Direktor sei sehr riskant, sagt Gesundheitsexperte Heinz Locher. «Ohne Not sollte man das nicht tun.» Dies nicht «nur» wegen der dadurch verletzten «checks and balances» zwischen kontrollierendem und kontrolliertem Gremium. Sondern auch wegen der möglichen Folgen für die strategische Führung des Insel-Konzerns. «Die strategische Führung könnte zu kurz kommen.»

Innerhalb der Insel-Gruppe gebe es ungelöste Probleme wie etwa das Verhältnis zwischen dem Uni-Spital, dem Tiefenauspital und den Landspitälern. Das allein sei bereits eine «Mega-Baustelle». Aber die grössten strategischen Aufgaben ergäben sich aus dem Wandel in der Uni-Spital-Landschaft. Insgesamt zeichne sich hier eine Zweierspitze Westschweiz/Zürich ab. «Das Inselspital könnte zwischen Stuhl und Bank fallen.» Die Insel-Gruppe brauche daher innovative Strategien. «Ich traue das Uwe Jocham zu. Aber er sollte den Rücken frei haben von operativen Aufgaben», sagt Locher.

Eine grosse Unbekannte sei auch die Rolle des Kantons. Das Bernervolk habe ein Recht darauf zu wissen, wohin die Reise mit der Insel-Gruppe gehe. Entweder habe der Kanton aber keine Vorstellungen davon oder er habe ein Kommunikationsproblem. «Dies hat auch Folgen für die Besetzung des CEO-Postens.» Gute Leute wollten wissen, wohin die Reise gehe, sagt Locher. (amo/bob) (Der Bund)

Erstellt: 08.12.2017, 21:39 Uhr

Reaktionen: «Doppelmandat kann nur eine Übergangslösung sein»

Was die Wahl Jochams für die einzelnen Spitäler in der Stadt und auf dem Land bedeutet, beurteilen Politiker unterschiedlich.

Über Uwe Jocham hört man im Grossen Rat nur Gutes. Aber Politikerinnen und Politiker betonen, dass dessen Doppelfunktion als Präsident und Direktor der Insel-Gruppe AG nur eine vorübergehende sein könne.

Die Wahrnehmung der strategischen und operativen Leitung durch ein und dieselbe Person sei «grundsätzlich problematisch», sagt Barbara Mühlheim (GLP). Die Doppelfunktion dürfe daher «maximal ein halbes Jahr» dauern. Das momentane Führungsvakuum an der Insel-Spitze habe Raum für Spekulationen geschaffen, die insbesondere die Zukunft des Tiefenauspitals gefährden. «Die Unsicherheit muss bis im Frühling beseitigt werden.» Sie gehe davon aus, dass bis dahin eine klar kommunizierte Strategie für die Insel-Gruppe vorliege, sagt Mühlheim.

Aufgabenteilung in Gefahr . . .

Auch Elisabeth Striffeler-Mürset (SP) betont, dass die provisorische Doppelfunktion Jochams nicht zum Definitivum werden dürfe. «Herr Jocham ist für eine der beiden Stellen sicher geeignet.» Die Vereinigung zweier wichtiger Funktionen auf eine Person möge für diese womöglich lukrativ sein. «Aber für die Insel-Gruppe als Ganzes ist das eine schlechte Lösung.»

Striffeler-Mürset fordert ebenfalls möglichst rasch Klarheit über die künftige Strategie. So habe ein Insel-Vertreter an einem Podium in Münsingen jüngst gesagt, dass das abgestufte Versorgungsmodell mit den Landspitälern für die Grundversorgung, der erweiterten Grundversorgung im Tiefenauspital und der Spitzenmedizin in der Insel bereits nicht mehr aktuell sei.

. . . oder Garant für Tiefenauspital?

Wesentlich optimistischer beurteilt der angehende Könizer Gemeinderat Hans-Peter Kohler (FDP) die Situation. Uwe Jocham sei «bestens vernetzt». Die Doppelfunktion sei «unproblematisch», weil sie befristet sei.

Kohler ist noch bis Ende Dezember Chefarzt im Tiefenauspital. Um die Zukunft des Spitals macht er sich keine Sorgen, weil er davon ausgeht, dass das abgestufte Versorgungsmodell noch aktuell ist. «Das Tiefenauspital nimmt im abgestuften Versorgungsmodell eine zentrale Rolle ein», sagt Kohler.

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