Offene Fragen um mysteriöse Hundeattacke

Nach der Hundeattacke im Marzili zeigt ein Augenschein: Das Rudel der Stadtnomaden ist eingezäunt – trotzdem laufen viele Hunde auf dem Gaswerkareal frei herum.

Hunderudel sind nicht einfach zu halten. (Symbolbild)

Hunderudel sind nicht einfach zu halten. (Symbolbild)

(Bild: Urs Baumann)

Naomi Jones

Noch immer sucht die Polizei Zeugen, die den Angriff mehrerer Hunde auf einen Mann beim Gaswerkareal beobachtet haben. Die Hunde liefen frei herum und bissen einen Spaziergänger. In unmittelbarer Nachbarschaft leben die Stadtnomaden. Kamen die Hunde von dort? Ein Mitarbeiter von Stadtgrün schilderte gegenüber der «Berner Zeitung», dass er mehrfach ein ganzes Rudel von Hunden gesehen habe, wie es aus dem Lager der Stadtnomaden und aus dem besetzten Teil des Gaswerkareals auf den Spazierweg gestürmt sei.

Tatsächlich halten die Stadtnomaden zahlreiche Hunde. Sie sind zwar gerade am Umziehen, sodass ihr Platz leer und kahl wirkt. Doch ist bekannt, dass sie ein Rudel von Hunden halten. Die Rudelhaltung der Hunde gehört dort sogar zum Konzept, wie Daniel Kettiger erklärt. Er war während mehr als zehn Jahren Anwalt der Stadtnomaden und besuchte sie regelmässig.

Schwierige Rudelhaltung

Das Halten von Hunden im Rudel ist anspruchsvoll. Sobald zwei Hunde oder mehr zusammen seien, entstehe eine Dynamik zwischen den Tieren, sagt die Verhaltenstierärztin Ruth Herrmann. «Die Hunde lassen sich voneinander beeinflussen.» Damit ein Mensch in dieser Situation auf die Hunde Einfluss nehmen könne, müssen die Tiere sehr gut trainiert sein. «Der Hund braucht einen guten Appell.» Das heisst, er muss kommen, sobald er gerufen wird.

Genau das beschreibt Kettiger jedoch. «Jeder Hund hatte sein Herrchen oder Frauchen.» Wenn der Hund von diesem gerufen worden sei, habe er sich sofort aus dem Rudel gelöst. «Es war kein Chaos.»

Konnte ein Stadtnomade seinen Hund nicht zur Arbeit mitnehmen, liess er ihn nicht einfach im Lager zurück, sondern beauftragte eine bestimmte Person, den Hund zu hüten. «Ihre Hunde sind ihnen sehr wichtig», sagt der Anwalt über die Stadtnomaden. Sie hätten sogar einen Zaun um ihr Lager gebaut, um die Hunde vor der Strasse zu schützen und ihnen trotzdem Freilauf zu gewähren.

Das Areal der Stadtnomaden im Marzili ist denn auch von einem Zaun umgeben. Kettiger räumt aber ein, dass seine Beobachtungen bereits zwei Jahre alt seien. Er könne also nicht eindeutig sagen, ob immer noch dieselben Bewohner im Wagenpark lebten.

Etwas weiter hinten steht der Wagenpark des Besetzerkollektivs Antstadt. Sie führen nach eigenen Angaben ein «veganes und antispezistisches Leben». So steht es auf einer Infotafel beim Eingang. Die Besetzer verzichten also nicht bloss auf tierische Produkte, sondern halten auch keine Haustiere. Das hat das Kollektiv gar in seiner Vereinbarung mit dem EWB festgehalten, wie die Sprecherin Alexandra Jäggi bestätigt.

Vor allem aber ist das Areal, auf dem Bauwagen, ein Chalet und ein ausrangiertes Feuerwehrauto stehen, nicht frei zugänglich. Es ist eingezäunt, und das Haupttor ist verschlossen. Tiere sind keine zu sehen. Allerdings ist das Aareufer im Marzili ein beliebter Spazierweg für Hundehalter. Leinenzwang besteht nicht, und es gibt keine Strasse, die das Tier gefährden würde. So laufen dort viele Hunde frei herum.

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