«Offen sein nach rechts und links»

Der frisch gewählte Präsident der Stadtberner FDP, Christoph Zimmerli, will sein neues Amt zurückhaltender ausüben als sein Vorgänger.

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Herr Zimmerli, was werden Sie als FDP-Präsident anders machen als Philippe Müller?
Philippe Müller hat den Lead übernommen und vieles selbst gemacht. Mein Ansatz ist anders: Ich will mich persönlich zurücknehmen und breiter integrieren.

Beim Antritt als Stadtratspräsident sagten Sie, die FDP müsse die Interessen urbaner Wähler besser bedienen. Wie meinten Sie das?
Man muss die Bedürfnisse der Leute in die Politik aufnehmen. Wenn man zum Beispiel eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreichen will, braucht es eben mehr Kindertagesstätten.

Wie wollen Sie solche Anliegen als Parteipräsident durchsetzen?
Ich sehe mich im Präsidium nicht als derjenige, der Themen vorgibt. Meine Aufgabe ist es, eine Strategie zu definieren und das Parteiprogramm entsprechend zu entwickeln.

Seit den letzten Wahlen hat sich die FDP dank neuen, gesellschaftsliberalen Mitgliedern wie Claudine Esseiva oder Tom Berger verändert. Wie wollen Sie diese integrieren?
Ich muss die Kollegen und Kolleginnen nicht integrieren, sondern wir müssen konstruktiv zusammenarbeiten.

Beim Blick auf die Smartspider-Grafik ist Ihre Position etwa bezüglich einer liberalen Gesellschaft deutlich konservativer als bei Berger oder Esseiva.
Nicht konservativer, ich bin einfach sehr, sehr freisinnig. Natürlich sehen wir manche Themen anders, ich empfinde es aber als Bereicherung, dass das Spektrum der Partei grösser geworden ist.

Beim Tram Region Bern war die FDP noch dagegen, für das Tram Ostermundigen wurde nun die Ja-Parole ausgegeben. Wieso diese Kehrtwende?
Diese Diskussion haben wir bewusst in der Parteiversammlung geführt. Ich war in beiden Fällen für das Tram.

Die bürgerliche Opposition in Bern ist zersplittert, bei den Stadtwahlen scheiterte eine Listenverbindung mit der SVP. Weshalb?
Die rot-grüne Übermacht in der Stadt Bern ist gross, so gross, dass das Engagement auf der kleineren, bürgerlichen Seite wenig attraktiv ist. Vor diesem Hintergrund ist die Tendenz da, dass sich einzelne Parteien profilieren wollen, in dem sie eben auf eine Listenverbindung verzichten.

Das klingt nach Frust, weil die SVP die Listenverbindung verweigerte.
Es ist eine Feststellung. Die SVP hat nicht strategisch überlegt und der bürgerlichen Seite keinen Gefallen getan.

Trotzdem ist die FDP bei Wahlen noch auf die SVP angewiesen, obwohl sie sich inhaltlich immer mehr abgrenzt. Wie kann sie sich aus diesem Zwiespalt lösen?
In erster Linie müssen wir wieder lernen, für uns selbst zu schauen. Die FDP ist eine eigenständige liberale Partei und soll auch als solche wahrgenommen werden. In zweiter Linie müssen wir bündnisfähig sein, das heisst offen sein nach rechts und links. Eine Total-Opposition gegen RGM bringt nichts.

Bernhard Eicher ist dabei, ein Bürgerlich-Grün-Mitte-Bündnis voranzutreiben, wie die «Bernerzeitung» berichtet. Ist das in Ihrem Sinn?
Natürlich. Dass sich die FDP noch einmal so verkaufen lässt wie bei den letzten Wahlen kommt nicht infrage. Klar ist auch, dass Bündnisse nicht kurz vor den Wahlen geschmiedet werden dürfen, sondern dass es eine langfristige Zusammenarbeit braucht, in der man Einigkeiten definiert. RGM hat schliesslich vorgemacht, wie erfolgreich Bündnisse sein können.

Welche Einigkeiten wurden denn schon gefunden?
Es gibt einige Themen, bei denen beide Seiten bereit sind zu diskutieren, etwa beim Stichwort familienexterne Betreuung und in der Finanzpolitik.

Das Parteipräsidium ist arbeitsintensiv, Sie sind unter anderem Partner bei der Kanzlei Kellerhals Carrard. Wie geht das zeitlich?
Ich konzentriere mich auf das Wesentliche und habe nicht den Anspruch, an bei jeder Veranstaltung dabei zu sein. Die FDP hat eine personelle Breite, das soll auch sichtbar sein.

Sie haben vier Kinder. Wie vereinbaren Sie das mit Ihren politischen und beruflichen Engagements?
Das ist Privatsache, darüber rede ich nicht.

Man hört, dass Bernhard Eicher auf das Parteipräsidium verzichtet, weil er Ambitionen auf einen Gemeinderatssitz hat. Und Sie?
Ausgeschlossen. Ich übernehme das Parteipräsidium, weil ich glaube, dass ich etwas beitragen kann. Es macht Sinn, wenn das Präsidium jemand übernimmt, der kein Exekutivamt anstrebt. (Der Bund)

Erstellt: 31.10.2017, 06:44 Uhr

FDP-Präsidium neu besetzt

Der Jurist Christoph Zimmerli folgt auf den bisherigen Parteipräsidenten Philippe Müller. Müller demissionierte, weil er sich als Regierungsratskandidat auf die Wahlen im Frühling konzentrieren will. Zimmerli ist seit 2009 bereits Vizepräsident der Stadtberner FDP, seit Januar präsidiert er den Stadtrat. Zimmerli ist verheiratet und hat vier Kinder. An der Parteiversammlung vom Montag ist er per Akklamation gewählt worden. Er war der einzige Kandidat, nachdem FDP-Fraktionspräsident Bernhard Eicher seinen Verzicht bekannt gegeben hatte.

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