ÖV-Brücke in Berns Norden stimmt Gegner nicht milde

Der Velobrücken-Kompromiss von Gemeinderätin Wyss erntet neue Kritik.

Die öffentliche Debatte um eine Velobrücke, welche die Quartiere Länggasse und Breitenrain miteinander verbindet, ist neu entflammt.

Die öffentliche Debatte um eine Velobrücke, welche die Quartiere Länggasse und Breitenrain miteinander verbindet, ist neu entflammt.

(Bild: Franziska Rothenbuehler)

Die wieder aufgeflammte Debatte zur geplanten Velobrücke im Norden Berns hat nun die höchsten Etagen der städtischen Politik erreicht. Am 13. Januar hatte der Architekt Arpad Boa im «Bund» den Gegenvorschlag einer Hochbrücke gemacht, die das Wylerquartier mit dem neuen Viererfeldquartier verbinden würde und für alle Verkehrsmittel benutzbar wäre. Im Zuge der darauffolgenden Diskussionen gelangte die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) nun zu einem Kompromiss.

Bisher hatte sich Wyss für eine reine Velo- und Fussgängerbrücke ausgesprochen, die den umwelt- und verkehrspolitischen Zielen der RGM-Regierung entspräche. Im Gespräch mit der «Berner Zeitung» schien sie gestern jedoch einen neuen Mittelweg einschlagen zu wollen. Der Debatte entnehme sie, dass eine «komfortable Brücke mit Potenzial – beispielsweise für einen Kleinbus – mehrheitsfähig sein könnte». Ihre Direktion werde dieses Potenzial prüfen.

Gegenüber dem «Bund» bestätigte Wyss, dass das Tiefbauamt offene Fragen zu Zweck und Grösse der Brücke vor dem Wettbewerb kläre. Die öffentliche Debatte habe gezeigt, dass eine «richtige» Brücke breite Unterstützung geniesse. «Es freut mich, dass die Ansprüche an die Brücke gewachsen sind.» Öffentlicher Quartierverkehr auf der Brücke sei nun denkbar. Das Projekt solle aber den Rahmen einer Langsamverkehrsverbindung nicht sprengen: «Ich denke dabei maximal an Shuttle-Busse.» Es sei nicht das Ziel, damit andere Stadtteile vom Verkehr zu entlasten. Die Rede von einer Autobrücke mache «die Diskussion schwierig».

Dass der ÖV-Kompromiss die Diskussion auflockern könnte, denken auch andere Befürworter der Velobrücke. Laut David Stampfli, SP-Grossrat und ehemaliger Präsident von Pro Velo Bern, könnte der Vorschlag einen «Konsens schaffen». Fussgänger und Velofahrer würden durch den zusätzlichen öffentlichen Verkehr nicht beeinträchtigt: «Es würde ja nicht jede Minute ein Bus darüberrollen.» Die Brücke müsse man aber gezielt so bauen, dass daraus kein Autobahnzubringer werde. Auch für Franziska Grossenbacher (GB) kommt Autoverkehr auf der Brücke nicht in Frage. «Den Vorschlag einer Brücke für Kleinbusse sollte man aber durchaus anschauen.» Sie habe gemerkt, dass die Velobrücke viele Kritiker habe. «Eine Ausdehnung der Nutzung könnte helfen, die Akzeptanz zu erhöhen.»

Brückengegner beissen nicht an

Aus diesen Reaktionen darf man aber nicht schliessen, dass eine solche Brücke auf allgemeine Akzeptanz stiesse. Im Gegenteil: «Es ist stupid, eine Brücke zu bauen, die Busse tragen kann, aber für Autos unzugänglich ist», sagt Thomas Friedli, Präsident der Stadtberner SVP. Wyss habe eingesehen, dass die Velobrücke nur ein Anliegen von ihr und «ein paar Velofanatikern» sei. «Das ist ein Rückzugsgefecht.» Friedlis Parteikollege, der Fraktionschef und Verkehrspolitiker Alexander Feuz, ist ebenfalls nicht vom Entgegenkommen der Gemeinderätin überzeugt.

«Ich lasse mich davon nicht ködern.» In der SVP wäre nur eine Verbindung für den privaten Autoverkehr mehrheitsfähig. Der ÖV-Vorschlag sei nicht aufrichtig gemeint, sondern «ein Versuch, die Velobrücke politisch zu retten». Auch Bernhard Eicher (FDP) sieht darin ein taktisches Manöver. «Das wird mich nicht locken.» Die Nutzung durch Kleinbusse sei keine bedeutende Aufwertung. Einzig Claudine Esseiva (FDP) lobt halbherzig: «Immerhin hat man eingesehen, dass die Velobrücke keine Zukunft hat.» Sie lasse sich aber nur von einem viel innovativeren Vorschlag, etwa mit selbstfahrenden Bussen, überzeugen. «Der jetzige Kompromiss genügt nicht.»

Braucht Bern eine weitere Brücke? Diskutieren Sie mit: stadtgespraech.derbund.ch(DerBund.ch/Newsnet)

Der Bund

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