O-Bike sorgt für Streit um Veloverleih

Weg mit Ursula Wyss’ «Prestigeprojekt»: In Bern wollen Bürgerliche mehr Wettbewerb beim Veloverleih und setzen auf den umstrittenen Anbieter aus Singapur. Die Stadt warnt vor Billigvelos.

In Zürich stehen die gelben Velos von O-Bike bereits auf dem ganzen Stadtgebiet.

In Zürich stehen die gelben Velos von O-Bike bereits auf dem ganzen Stadtgebiet.

(Bild: Ennio Leanza (Keystone))

Der Veloverleiher O-Bike schwemmt derzeit die Stadt Zürich mit seinen gelben Fahrrädern. Nun ist ein Streit entbrannt: Der Anbieter braucht keine Bewilligungen und bezahlt keine Gebühren, da er keine festen Abstellstationen bewirtschaftet. Das sei unfair, die Expansionsstrategie zudem aggressiv, so die Kritik. Denn das Unternehmen aus Singapur hat über Nacht das herbeigeführt, wofür Zürich jahrelang vergeblich kämpfte: ein flächendeckendes Verleihsystem. Auch weitere Anbieter sind nun bereits tätig geworden («Bund» von gestern).

O-Bike will aber auch in anderen Städten Fuss fassen, unter anderem in Bern. Das Unternehmen habe um eine offizielle Besprechung gebeten, sagt Stefan Schwarz, Generalsekretär der Berner Tiefbaudirektion, gegenüber dem «Bund». Bis es zu einem ersten persönlichen Kontakt kommt, wollen die Behörden aber noch verschiedene Abklärungen vornehmen. Dazu gehört auch die Frage, unter welchen Bedingungen eine allfällige Bewilligung erteilt wird. Auch die Stadt Bern tüftelt nämlich seit geraumer Zeit an einem flächendeckenden Verleihsystem: Nach einem Ausschreibungsverfahren hat die Tiefbaudirektion von SP-Gemeinderätin Ursula Wyss die Firma Publibike, eine Tochtergesellschaft der Postauto AG, mit dem Aufbau beauftragt. Das neue Projekt läuft im Frühling an. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Franken (siehe Box).

Stadt will keine China-Zustände

Ein Konkurrenzkampf wie in Zürich ist aber derzeit nicht absehbar: «Zustände wie in China oder in München» wolle in Bern niemand, sagt Stefan Schwarz. In China sei der öffentliche Raum mit Velos regelrecht zugestellt. Dort sind Verleihsysteme zu einem kapitalintensiven Geschäftszweig herangewachsen, um den sich zahlreiche Anbieter zanken. Der Stadt Bern sei es wichtig, dass die Veloparkplätze in der Innenstadt und beim Bahnhof, die schon heute aus allen Nähten platzten, nicht noch zusätzlich von Leihvelos belastet würden, sagt Schwarz.

Das Vorgehen des Tiefbauamtes kommt aber nicht bei allen gut an. Bürgerliche und Mitte-Politiker wünschen sich mehr Wettbewerb: «In Bern ist es typisch, neuen Entwicklungen erst einmal einen Riegel zu schieben, anstatt Dynamiken der Innovation zu nutzen», sagt Stadtrat Matthias Egli (GLP). Unternehmen wie O-Bike seien äusserst innovativ und böten einen Service, den die Stadt Bern nichts koste. «Stattdessen bezahlt man nun einen Haufen Geld und baut ein eigenes System auf.» Es sei sinnvoller, verschiedenen Anbietern eine Chance zu geben. «O-Bike arbeitet ohne feste Standorte. Wenn Bern eine Velostadt sein will, soll man dieser Konkurrenz im Veloverleih eine Chance geben», sagt Egli.

Der Stadtrat Tom Berger (Jungfreisinn) fordert Wyss gar auf, das «eigene millionenschwere Prestigeprojekt zu sistieren» und die privaten Anbieter ernsthaft zu prüfen. Und auf Twitter merkt sein Parteikollege Basil Anderau zynisch an, das «städtisch verordnete Velofieber» dürfe natürlich nur vom Staat verwaltet werden.

«Es braucht klare Regeln»

Andere zeigen für die ablehnende Haltung der Stadt durchaus Verständnis. Für Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern und SP-Stadtrat, braucht es in erster Linie klare Regeln, was die Benützung des öffentlichen Raums angeht. «Es kann nicht sein, dass ein Anbieter mal eben Hunderte Velos abstellt, wie das in Zürich passiert ist.» Er zweifelt ausserdem an der Qualität der O-Bike-Velos: «Die Bremsen müssen gewartet werden – wer kontrolliert das?» Da die Velos voraussichtlich mit nur einem Gang ausgestattet sind, seien sie kaum für das «hügelige» Bern geeignet. Trotzdem sei er dafür, dass man den Service ausprobiere. «Dann zeigt sich, ob es tatsächlich eine Nachfrage gibt», sagt Sutter.

Laut Wyss’ Generalsekretär Schwarz wollte man bei der Ausschreibung denn auch genau dies bewirken: Es gälten nämlich strenge Auflagen punkto Qualität, Werbung und Bewirtschaftung der Standplätze. Sollte O-Bike tatsächlich in Bern ankommen, müsse zudem abgeklärt werden, ob sich deren Pläne mit dem Auftrag an Publibike vertrügen, so Schwarz weiter.

DerBund.ch/Newsnet

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