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«Grosser Imageverlust» für Veloverleihsystem

Rund die Hälfte der 700 Stadtberner Verleihvelos waren am Wochenende nicht mehr auffindbar. Publibike sucht noch nach Lösungen für das mangelhafte Schliesssystem.

Ein verlorenes Publibike in einem Berner Veloständer.
Ein verlorenes Publibike in einem Berner Veloständer.
Adrian Moser

Viele Menschen waren am Wochenende irritiert: An zahlreichen Orten sah man die Verleihvelos von Publibike ausserhalb der vorgesehenen Stationen herumstehen. Einige Fahrräder blieben das ganze Wochenende an ihrem Platz. Eigentlich müssten die Fahrräder spätestens nach 24 Stunden wieder an ihrer Station versorgt sein – sonst gelten sie als gestohlen.

Wie viele Publibikes sind an den Stationen verfügbar? Das zeigt diese Live-Grafik. (Grafik: Christian Zellweger)

Der Grund war schnell eruiert. Berner Teenies haben herausgefunden, dass die Schlösser des «grössten Veloverleihs der Schweiz» mit einem einfachen Trick geknackt werden können. Obwohl es eine illegale Handlung ist, hielt das die Gratisnutzer nicht davon ab, die Fahrräder zu entwenden. Wie Karl Vogel, der Verkehrsplaner der Stadt Bern, erfahren hat, waren von den etwa 700 Fahrrädern an den verschiedenen Stationen gut die Hälfte der gesamten Flotte «verloren gegangen».

Am späten Nachmittag kommunizierte Publibike über Twitter: «Unsere Veloschlösser wurden leider aufgebrochen. Wir testen momentan verschiedene Lösungsvarianten, um dies künftig zu verhindern.» Für Publibike kommt die Panne zu einer denkbar schlechten Zeit. Auch andere Städte denken über die Einführung eines Verleihsystems nach.

Auf der Suche nach den Velos

Verkehrsplaner Vogel erwartet nun von Publibike, dass sie das Problem in den nächsten Tagen behebt. Aktuell sammelt das Kompetenzzentrum Arbeit die gestohlenen Fahrräder ein. Eine Zählung am gestrigen Nachmittag hat ergeben, dass lediglich noch 200 Fahrräder an den insgesamt 70 Stationen verfügbar sind.

Für Vogel tauchen die Probleme unvermittelt auf. «Publibike hatte ja bereits Erfahrungen, bevor sie nach Bern gekommen sind.» Nun gehe es darum, die Probleme schnell zu beheben. Vogel rechnet damit, dass das System in den nächsten Tagen wieder rundlaufe. Ob das gelingt, ist aber fraglich. Wie Ingenieur Rolf Diefenbacher, der ursprünglich den Auftrag für die Schlösser hatte, vermutet, könnte es Monate dauern, bis die neuen Schlösser eintreffen.

Laut Publibike sind aber nicht alle Schlösser betroffen, sondern lediglich gewisse Serien aus der Produktion. Ob und wie schnell sich der Fehler beheben lassen, muss sich noch zeigen. Von einem Stopp des Betriebs möchte Publibike aber absehen: Der Betrieb soll wie bisher weitergehen. Währenddessen will Publibike den Fehler beheben. Dies könnte dazu führen, dass die Mitarbeiter immer wieder gestohlene Fahrräder einsammeln müssen. Auch dagegen hat die Firma aber ein Rezept. Mitarbeitende markieren an gewissen Stationen Präsenz.

Für Vogel ist die Panne von Publibike jedoch ein «grosser Imageverlust» für das Berner Veloverleihsystem. Zu Beginn habe er zahlreiche positive Reaktionen erhalten.

Zu schnell aufgebaut?

Im Stadtrat sieht man auch mehrheitlich Publibike in der Pflicht, die Probleme zu beheben. Nun könne man die Schuld aber nicht der Stadt geben, sagt Barbara Freiburghaus (FDP): Die Stadt sei nicht dafür verantwortlich, dass das Schloss nicht funktioniere, sondern Publibike. Dass die Stadt aber nur einen Anbieter zugelassen habe, werde jetzt zum Problem. «Das ist ärgerlich für die Stadtbevölkerung.»

Kritik äussert Luzius Theiler, Stadtrat der Grün-alternativen Partei. Er macht dem Gemeinderat den Vorwurf, dass das Verleihsystem zu schnell aufgebaut wurde. Das bestreitet Vogel. Aufgrund des Rechtsstreits mit der Konkurrenzfirma von Intermobility (der «Bund» berichtete) habe man genug Zeit gehabt, das System sorgfältig zu entwickeln.

Auch Franziska Grossenbacher (GB) ist unzufrieden. Ihre Partei hat damals den Vorstoss eingereicht, ein solches einzurichten. Der Vertrag sage aber klar, dass die Stadt bei solchen Problemen nicht hafte. Dies bestätigt auch Publibike. «Für die Stadt Bern hat dies keine Kosten zur Folge», teilte die Medienstelle mit. Für die Postauto-Tochter sei der Schaden gross. «Und die Konkurrenz schläft nicht», sagt Grossenbacher.

Damit könnte sie Recht behalten. Noch dieses Jahr dürfte ein weiterer Player in Bern die Bewilligung erhalten: die Firma Smide. Noch ist aber die Flottengrösse der Elektrovelos ein Knackpunkt in den Verhandlungen mit der Stadt. Sie dürfte aber im Bereich zwischen 250 und 400 Fahrzeugen liegen.

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