Nur einer bekennt sich zu Ursula Wyss

In der Agglomeration stösst Berns Stadtpräsidiumskandidat Alec von Graffenried auf mehr Zuspruch als seine Konkurrentin Ursula Wyss.

Die Gemeindepräsidenten aus der Region Bern sind eher für von Graffenried als Wyss.

Die Gemeindepräsidenten aus der Region Bern sind eher für von Graffenried als Wyss.

(Bild: Keystone Alessandro della Valle)

Adrian Schmid@adschmid

Bänz Müller aus Wohlen ist die Ausnahme. Kein anderer Gemeindepräsident aus der Region Bern macht Werbung für Ursula Wyss (SP) oder Alec von Graffenried (GFL) – die beiden Kandidierenden fürs Berner Stadtpräsidium. Müller setzt sich für Wyss ein. Das erstaunt nicht, beide sind Sozialdemokraten. Auf Wyss’ Internetseite findet sich ein Zitat von Müller: «Wyss weiss, dass eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit der Schlüssel für eine erfolgreiche Region ist.»

Nebst Müller spricht sich kein Gemeindepräsident aus der Region Bern für Wyss aus. 9 von 18 angefragte Präsidenten sind eher für von Graffenried, wie eine Umfrage des «Bund» zeigt (siehe Box). Überraschend viele beziehen Position. Die meisten Gemeindepräsidien in der Agglomeration Bern sind von SVP- oder FDP-Leuten besetzt.

Wyss kennt man weniger gut

Wie sich die Gemeindepräsidenten aus der Agglomeration zu den zwei Kandierenden fürs Stadtpräsidium stellen, ist von Bedeutung. Alle Präsidentinnen und Präsidenten betonen, die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Region sei wichtig und müsse fortgesetzt werden. Beim Verkehr, in der Raumplanung oder bei der Ansiedlung von Arbeitsplätzen sind regionale Lösungen gefragt. Im städtischen Wahlkampf wurde die Brückenbauerfunktion des künftigen Stadtoberhaupts immer wieder betont.

Nun scheint es, als ob der Grüne von Graffenried den Regionsvertretern näher ist. Stettlens Gemeindepräsident und Nationalrat Lorenz Hess (BDP) geht davon aus, dass von Graffenried den Erwartungen aus bürgerlicher Sicht eher entsprechen wird. «Bei von Graffenried vermute ich, er hat als ehemaliger Regierungsstatthalter ein Verständnis über die Stadtmauern hinaus. Ob das auch bei Wyss der Fall ist, weiss ich nicht.» Wyss habe bislang keine Funktionen innegehabt, um das unter Beweis zu stellen.

Auffällig ist, dass von Graffenried den Gemeindepräsidenten besser bekannt ist als Wyss. Ueli Studer (SVP) aus Köniz betont, es sei nicht an ihm eine Empfehlung abzugeben. Trotzdem sagt er: «Von Graffenried steht mir näher. Ich kenne ihn besser als Wyss.» Von Graffenried hatte früher sein Büro bei der Firma Losinger Marazzi in Köniz. «Er ist für mich ein verlässlicher Partner.»

Auch in kleineren Gemeinden ist von Graffenried den Gemeindepräsidenten vertrauter – aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Regierungsstatthalter. «Von Graffenried ist in der Region gut vernetzt, er spürt deren Puls besser», sagt Walter Schilt (SVP) aus Vechigen. Das sei wichtig. «Ohne Region ist die Stadt nichts, umgekehrt auch.» Laut Markus Kämpfer (FDP) aus Frauenkappelen müsse die künftige Stadtpräsidentin oder der künftige Stadtpräsident eine «überregionale Führungsrolle» einnehmen. Aufgrund des Portfolios traut er dies von Graffenried mehr zu.

Auch bürgerliche Frauen stellen sich hinter von Graffenried. «Für die Zusammenarbeit unter den Gemeinden in der Agglomeration wäre er die bessere Lösung, denke ich», sagt Katharina Zuber-Merki (FDP), die neue Gemeindepräsidentin in Bolligen.

Von Graffenried als Brückenbauer

Münsingens Gemeindepräsident Beat Moser (Grüne) hebt hervor, dass beide Kandidaturen gut seien. Sein Herz schlage aber für von Graffenried. Er kenne ihn von früher aus der Pfadi. «Wyss hat fundierte Dossierkenntnisse», sagt Moser. «Von Graffenried traue ich aber mehr zu, als Brückenbauer zwischen Stadt und Region aufzutreten.»

Es gibt aber auch viele Gemeindepräsidenten, die sich zurückhalten. Für sie ist die Stichwahl eine innerstädtische Angelegenheit. «Ich mische mich nicht ein», sagt Marco Rupp (BVI) aus Ittigen. «Ich will mit der Person, die gewählt wird, einen unbelasteten Start haben.» Rupp bekam eine Anfrage, um einem Komitee beizutreten, lehnte diese aber ab.

Auch der Muriger Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP) gibt seine Präferenz nicht bekannt. Er sagt aber, von Graffenried habe sich bisher gegenüber der Region «besser positioniert». Wyss wiederum habe schon an Versammlungen der Regionalkonferenz teilgenommen. Sie hat zuletzt ein paar Mal Alexander Tschäppät (SP) an Versammlungen vertreten – um sich wohl auf eine allfällige Übernahme des Stadtpräsidiums vorzubereiten.

Der Bund

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