Nun ist Thomas Kessler an der Reihe

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) hat den Troubleshooter Thomas Kessler zum Reitschul-Berater ernannt.

Um die Reitschule sind so viele Behörden aktiv, dass ihr Einsatz nun koordiniert werden muss.

Um die Reitschule sind so viele Behörden aktiv, dass ihr Einsatz nun koordiniert werden muss. Bild: Franziska Rothenbühler

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Eine Website hat er nicht nötig. Denn Thomas Kessler kann alles: Der Landwirt und Agronom war Drogendelegierter, Integrationsbeauftragter, Fachmann für islamistische Radikalisierung und Stadtentwickler in Basel. Seit dem Ende seiner Tätigkeiten in der Stadt am Rheinknie ist er unter anderem als Berater für die Städte Berlin und Luzern tätig. «Bei mir überschneiden sich die Themen», sagt Kessler.

Auch in Sachen Reitschule kennt sich Kessler aus. So war der einstige Agronomiestudent in den Achtzigerjahren regelmässiger Gast im Kulturzentrum und wurde später als Experte an Podien zur Drogenpolitik eingeladen. Nun hat ihn Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) zum Berater in Sachen Schützenmatte-Reitschule ernannt, wie die Medienstelle der Stadt Bern einen Bericht der «Berner Zeitung» bestätigt.

Die Ernennung Kesslers fällt zeitlich mit dem Scheitern der Mission von Alt-Bundesrichter Hans Wiprächtiger zusammen. Dem Alt-Bundesrichter ist es in den letzten zwei Jahren nicht gelungen, die Reitschule von der Notwendigkeit von Gesprächen mit der Kantonspolizei zu überzeugen. «Ich gehe davon aus, dass wir das Mandat von Herrn Wiprächtiger beenden werden», hält Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) in einer schriftlichen Stellungnahme fest. Er beteuert, dass die beiden Mandate nichts miteinander zu tun hätten.

Vierter Troubleshooter in Serie

Kessler selber will sich zu seinem Auftrag nicht äussern. Die Kommunikation laufe über Stadtpräsident von Graffenried. Er, Kessler, werde aber nicht als Vermittler zwischen Stadt und Reitschule, sondern als Berater des Stadtpräsidenten tätig sein. Von Graffenried kennt Kessler seit der Zeit, als dieser noch Integrationsbeauftragter in der Stadt Basel war. Kessler habe keinen Mediationsauftrag wie Wiprächtiger. Er unterstütze die Behörden bei «der Überprüfung und der Optimierung ihres Handelns im Perimeter Schützenmatte-Reitschule». Dabei gehe es um ein «möglichst kohärentes Verhalten aller Behörden», sagt von Graffenried.

Die Aufgabenstellung stösst in der Stadtberner Politik auf Skepsis. Das hängt nicht nur mit der kryptischen Formulierung zusammen, sondern auch mit den bisherigen Erfahrungen beim Einsatz von Experten zum Thema. Immerhin ist Kessler nach der einstigen Statthalterin Regula Mader, dem Soziologen Urs Mäder sowie Alt-Bundesrichter Hans Wiprächtiger der vierte Troubleshooter der Stadt in Sachen Schützenmatte-Reitschule. «Auch die Einsetzung des xten Experten nützt nichts, wenn die Reitschule den Dialog mit der Polizei verweigert», sagt Stadtrat Alexander Feuz (SVP). Die Stadt solle in Sachen Reitschule endlich die Konsequenzen ziehen.

«Absurd und nicht zielführend»

Noch härter ins Gericht mit von Graffenried geht der Mitte-Politiker Michael Daphinoff (CVP). Die Beiziehung externer Berater sei ja grundsätzlich eine gute Idee. Die reihenweise Mandatierung von Beratern sei aber absurd und nicht zielführend. «Der Stadtpräsident muss im Reitschul-Dossier endlich selber Verantwortung übernehmen», sagt Daphinoff. Von Graffenried müsste primär dafür sorgen, dass die Vertreter der Reitschule nicht nur mit externen Beratern, sondern mit allen Interessenvertretern im Perimeter Schützenmatte das Gespräch aufnehmen. Nebst der Polizei gehe es dabei auch um die Interventionstruppe Pinto und die Sicherheitsdirektion von Reto Nause (CVP), sagt Daphinoff. Nause war einst federführend im Reitschul-Dossier. Vor drei Jahren gab er das Dossier an den Stadtpräsidenten weiter, weil die Reitschule Nause nicht mehr als Gesprächspartner akzeptieren wollte.

Erstaunt über Kesslers Mandat ist man auch auf linker Seite. «Haben die Behörden auf der Schützenmatte bisher zu wenig koordiniert gehandelt?», fragt sich SP-Co-Präsident Stefan Jordi. Einen ausgewiesenen Experten wie Kessler würde er jedenfalls nicht bloss mit Koordinationsaufgaben betrauen, sagt Jordi. Dabei scheint es durchaus einen gewissen Koordinationsbedarf unter den städtischen Behörden zu geben. Auf der Sozialdirektion von Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) weiss man jedenfalls nichts von der Mandatierung Kesslers zum Behördenkoordinator. (Der Bund)

Erstellt: 11.01.2018, 23:38 Uhr

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