Nicht ohne unsere Poststelle

Dass die Postfilialen in der Berner Kramgasse und der Matte geschlossen werden, möchten die ansässigen Leiste nicht riskieren– und starten präventiv eine Petition. Der Quartierleist Schönau-Sandrain sagt, es geht auch anders.

Im Herbst 2015 schloss die Postfiliale am Berner Bärenplatz. Heute betreibt die Migros in den Hallen einen Bio-Supermarkt.

Im Herbst 2015 schloss die Postfiliale am Berner Bärenplatz. Heute betreibt die Migros in den Hallen einen Bio-Supermarkt.

(Bild: Michael Schneeberger (Archiv))

Ende 2016 gab die Schweizerische Post bekannt, in den kommenden vier Jahren rund 600 Filialen schweizweit schliessen zu wollen. Bereits vor der Ankündigung schlossen in Bern einige Postfilialen, wie jene am Bärenplatz und die Felsenau-Post. Stattdessen eröffnete die Post den Postparc beim Berner Hauptbahnhof.

Dass das «Poststerben» in Bern weitergeht, wollen die Vereinigten Altstadtleiste (VAL) nicht hinnehmen. Sie haben darum eine Petition lanciert, die sich für den Erhalt der Poststellen in der Kramgasse und der Matte einsetzt. Es stehe «in der Diskussion», dass auch diese Poststellen betroffen sein könnten, sagt der Matteleist-Präsident Martin Giezendanner, der die Petition für die VAL koordiniert. Die Post veröffentliche weiterhin keine umfassende Liste der gefährdeten oder der von der Schliessung betroffenen Poststellen. Die Kunden würden jeweils nur mit dem Schliessungsentscheid konfrontiert, so der Leist-Präsident. «Dem wollen wir mit einer Petition entgegenwirken und ein deutliches Zeichen setzten.»

Wieviele Unterschriften bisher gesammelt werden konnten, kann Giezendanner nicht sagen, da die Sammlung weiterhin laufe. Nur soviel: «Seit die Vereinigten Altstadtleiste die Petition vor kurzem gestartet haben, konnten sicherlich mehr als 1000 Unterschriften zusammengetragen werden.»

Keine Zeit «verpulvern», sondern Alternativen suchen

Auch der Quartierleist Schönau-Sandrain kennt das Problem der bedrohten Poststellen. Vor den Sommerferien 2016 sei man informiert worden, dass die Poststelle Sulgenbach geschlossen werden solle. «Wir waren überrascht. Die Post hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt», sagt Leist-Präsident Paul Klarenberg. Zum einen sei man über die Medien mit dem Problem an die Öffentlichkeit gegangen, zum anderen habe man sich im Quartier nach alternativen Lokalitäten umgeschaut, sagt er. «Die Post hat unsere Argumente daraufhin eingesehen und uns ein Gespräch angeboten», so Klarenberg. Zwar wurde die Postfiliale Sulgenbach Ende Februar dieses Jahres geschlossen, eine Poststelle ist jetzt jedoch im Quartierladen integriert.

«Es ist sicher kein hundertprozentiger Ersatz, man kann zum Beispiel kein Geld mehr einzahlen», sagt Klarenberg. Gleichwohl: Die Postfiliale Sulgenbach sei vorher nie ausgelastet gewesen, die jetzige kleinere Poststelle komme überall gut an. «Dort kann man Briefmarken kaufen, Pakete verschicken und Geld abheben», sagt Klarenberg. Er appelliere an die Leiste, «keine Zeit zu verpulvern», sondern Tatsachen zu akzeptieren und Alternativlösungen zu suchen.

Die Post interessieren die Bedürfnisse der Bevölkerung

Ob die Vereinigten Altstadtleiste unnötig um ihre Postfilialen bangen, will man auf Anfrage bei der Post nicht bestätigen. «Wir führen derzeit die Kantonsgespräche und geben die Ergebnisse, welche Poststellen garantiert bleiben, im zweiten Quartal 2017 bekannt», sagt Post-Mediensprecherin Jacqueline Bühlmann.

Grundsätzlich sei man daran interessiert, die Bedürfnisse der Betroffenen zu berücksichtigen, so Bühlmann. Dies habe man bereits kommuniziert. «Wir führen den Dialog mit Behörden, der Wirtschaft sowie der Bevölkerung und versuchen gemeinsam die bestmöglichen Lösungen zu finden.»

Für Giezendanner sind alternative Lösungen nicht vorstellbar. «Ich kenne weder in der Matte noch in der Untern Altstadt Räumlichkeiten, in welchen eine Postagentur annähernd Platz finden würde und die Vielzahl von Dienstleistungen einer ausgebauten Poststelle anbieten könnte.»

DerBund.ch/Newsnet

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